Schilddrüsenerkrankungen: Die Schilddrüsenhormone

Aus dem über die Nahrung aufgenommenen Jod und weiteren, körpereigenen Stoffen bildet die Schilddrüse die Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4). Sie speichert die Hormone, um sie nur bei Bedarf direkt ins Blut abzugeben.

Dort werden sie von bestimmten Transportern (den Eiweißen Thyroxin-bindendes Globulin = TBG, Albumin und Präalbumin) aufgenommen. Vergleichbar mit den Zylindern eines Rohrpostsystems, werden die so „verpackten“ Hormone über die Blutbahnen an ihren Einsatzort (zum Beispiel Herz, Muskulatur oder Knochen) gebracht. Dort angekommen lösen sie sich von ihrem Transportbehältnis. Weniger als ein Prozent der Schilddrüsenhormone liegt im Blut in dieser ungebundenen, aktiven Form vor. Von diesen wird dann ein Jodatom abgespalten. Es entsteht das wirksame Hormon T3. Dieser Botenstoff bindet an bestimmte Rezeptoren der Zielzellen. Dadurch kommt in der Zelle eine ganze Kette von Stoffwechselprozessen in Gang.

Schilddrüsenhormone regen an

Die Schilddrüsenhormone beeinflussen alle Organe des menschlichen Körpers: Sie haben einen stimulierenden Einfluss auf das Herz-Kreislauf-System (Herzschlagfrequenz und Blutdruck steigen an), auf die Aktivität der Schweiß- und Talgdrüsen und auf die Verdauung. Die Botenstoffe aus der Schilddrüse erhöhen außerdem die Erregbarkeit der Nervenzellen, die Aktivität der Muskelzellen und den Knochenstoffwechsel. Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel werden angekurbelt. Das Fett in den Speicherdepots wird aktiviert und tritt vermehrt ins Blut über.

T3 und T4 regeln somit die Höhe des Grundumsatzes unseres Körpers. Das ist die Energiemenge, die wir bei völliger Ruhe verbrauchen. Eine Steigerung der Hormonproduktion bewirkt auch eine Erhöhung des Grundumsatzes.

Das Hormon Calzitonin, das in den C-Zellen der Schilddrüse gebildet wird, ist wenig stoffwechselaktiv, trägt aber in geringem Maße zum Einbau von Phosphat und Kalzium in die Knochen bei und hemmt darüber hinaus die Osteoklasten, die für den Abbau von Knochengewebe verantwortlich sind.

Thyreotroper Regelkreis: Kontrolle von oben

Die Schilddrüse und ihre Hormonproduktion sind Teil eines komplexen Regelkreises, zu dem außerdem der Hypothalamus und die Hypophyse gehören. Dieser sogenannte thyreotrope Regelkreis hält die Hormonproduktion seiner Bestandteile im Gleichgewicht.

Der Hypothalamus ist ein Teil des Zwischenhirns. Seine Zellen schütten das Hormon TRH (Thyreotropin-Releasing-Hormon) aus. Über das Blut gelangt dieser Botenstoff zur zweiten Kontrollinstanz, der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse). Dieses kleine Organ an der Schädelbasis spielt generell eine wichtige Rolle im Hormonhaushalt. In der Hypophyse führt das TRH zur Freisetzung eines weiteren Hormons, des TSH (Thyreoidea(Schilddrüse)-stimulierendes Hormon). Dieses gelangt wiederum über das Blut zu den Zellen der Schilddrüse. Hier regt TSH die Herstellung der Schilddrüsenhormone T3 und T4 an.

Liegen die beiden Hormone T3 und T4 in hoher Konzentration im Blut vor, werden die Aktivitäten sowohl des Hypothalamus als auch der Hypophyse gedrosselt. Dadurch wird weniger TSH ausgeschüttet – die Anregung der Schilddrüse lässt nach. Weniger T3 und T4 werden hergestellt. Eine hohe T3- und T4-Konzentration unterbindet also die Produktion weiterer Hormone: Das Angebot regelt auch bei den Schilddrüsenhormonen die Nachfrage. Dieser Regelkreis (negative Rückkopplung) gewährleistet einen konstanten Hormonspiegel im Blut.

Umwelteinflüsse, die über unsere Sinne wahrgenommen werden, Stress, Jahreszeiten und der Tag-Nacht-Rhythmus greifen in diesen Regelkreis über die TRH-Freisetzung ein und passen so den Bedarf an Schilddrüsenhormon diesen Einflüssen an.

Schilddrüsenhormone steuern Wachstum und Entwicklung

Vom Stadium des ungeborenen Fötus bis hin zur Pubertät spielen die Schilddrüsenhormone eine wesentliche Rolle. Sind die Botenstoffe nicht in ausreichendem Maße vorhanden, ist eine normale Entwicklung des Ungeborenen nicht möglich.

Insbesondere das Nervensystem reagiert sehr empfindlich auf einen Mangel an Schilddrüsenhormonen. Diese sorgen unter anderem dafür, dass Nervenzellen mit einer Schutzschicht ummantelt werden (die sogenannte Myelinisierung), was eine einwandfreie und schnelle Signalübertragung an den Nervenzellen garantiert. Deshalb kann ein Mangel an Schilddrüsenhormonen in der Entwicklungsphase zu schwerwiegenden Beeinträchtigungen des Nervensystems führen.

Das bedeutet, dass besonders Schwangere vom Arzt überprüfen lassen sollten, ob ihre Schilddrüse gut funktioniert. In der Schwangerschaft wird außerdem vorbeugend die Einnahme von Jodtabletten empfohlen – bei bereits bestehenden Schilddrüsenerkrankungen gilt diese Empfehlung jedoch meist nicht. Deshalb sollte die Einnahme von zusätzlichem Jod mit dem Arzt abgesprochen werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 13.08.2014
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
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