Schilddrüsenerkrankungen: Die Rolle von Jod

Jod ist ein essenzielles Spurenelement für den menschlichen Organismus. Der Körper kann es selbst nicht bilden, sondern muss es ausreichend und regelmäßig über die Nahrung aufnehmen.

Die Schilddrüse benötigt Jod zur Bildung der lebenswichtigen Schilddrüsenhormone T3 und T4. Dabei enthält Trijodthyronin (T3) drei und Thyroxin (T4) vier Jodatome. Jod ist also ein essenzieller Bestandteil dieser biologischen Botenstoffe.

Sie regeln die Höhe des Grundumsatzes unseres Körpers, also der Energie, die wir in Ruhe verbrauchen. Außerdem steuern sie unseren gesamten Stoffwechsel und haben somit wesentlichen Einfluss auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Sie regulieren nicht nur Herzfrequenz und Körpertemperatur, sondern sind außerdem für das Wachstum, insbesondere für das Längenwachstum der Knochen und die Reifung des Gehirns besonders wichtig. Deshalb ist vor allem in der Wachstumsphase eine normale Schilddrüsenfunktion entscheidend für die altersentsprechende körperliche und geistige Entwicklung.

Dagegen führt Jodmangel in der Ernährung auf Dauer zu einem Jodmangelkropf (Struma) und kann bei Kindern wegen der Unterversorgung mit Schilddrüsenhormonen eine Minderung der intellektuellen Fähigkeiten bewirken. Deshalb ist es außerordentlich wichtig, dass besonders Babys und Kleinkinder ausreichend Jod erhalten.

Deutschland ist ein Jodmangelgebiet

Obwohl in den westlichen Ländern heute eher Überernährung ein Problem ist, herrscht in Deutschland auch ein Mangel an manchen Nährstoffen: Wie viele andere Länder Mitteleuropas gehört Deutschland beispielsweise zu den Jodmangelgebieten der Erde. Der Grund für die Jodarmut in unserer Nahrung liegt an der Beschaffenheit der Böden. Das Spurenelement wurde während der Gletscherschmelze nach der letzten Eiszeit größtenteils aus den Böden ausgewaschen. Weil die Böden arm an Jod sind, sind es auch die aus ihnen gewonnenen pflanzlichen und tierischen Lebensmittel.

Als einzige Lebensmittel enthalten nur Meeresfische, -früchte und -algen größere Mengen an Jod. Durch Milchprodukte wird die Jodbilanz allenfalls aufgebessert. Deshalb besteht ohne zusätzliche Jodversorgung bei einem Großteil der Bevölkerung ein deutlicher Jodmangel.

Die WHO schätzt, dass weltweit bis zu einer Milliarde Menschen von Jodmangel betroffen sind. Die Jodvorräte in der Schilddrüse reichen etwa für zwei Monate zur Bildung der Hormone aus. Steht der Schilddrüse über längere Zeiträume zu wenig Jod zur Hormonproduktion zur Verfügung, droht ein Jodmangelkropf, wie er in Deutschland noch vor wenigen Jahrzehnten häufig vorkam.

Auf Jodversorgung achten

Als Schutz vor jodmangelbedingten Schilddrüsenerkrankungen kommen deshalb verschiedene Maßnahmen zur Vorbeugung zum Einsatz: Fast jeder kennt die Empfehlung, jodiertes Speisesalz zu verwenden. Dabei handelt es sich um Speisesalz, dem künstlich Jod hinzugefügt wurde. Darüber hinaus wird auch dem Futter unserer Nutztiere Jod beigemischt. So gelangt eine zusätzliche Menge des Spurenelements in unsere Nahrung – zum Beispiel in Fleisch und Milch.

Der Körper braucht pro Tag eine Menge von zirka 200 Mikrogramm (µg) Jod – das sind umgerechnet nicht mehr als fünf Gramm im Laufe des Lebens, das entspricht gerade einmal einem gehäuften Teelöffel. Dies macht deutlich, welche geringen Mengen einer Substanz darüber entscheiden, ob der Mensch gesund oder krank ist.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 13.08.2014
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung