Die Wirbelsäule im Erwachsenenalter

Mit Abschluß des Wachstums im Alter von 16 bis 18 Jahren ist die Form der Wirbelsäule für die nächsten Jahrzehnte weitgehend festgelegt. Eine Verbesserung der Körperhaltung ist von nun an nur noch in sehr geringem Maße möglich, da sich die Wirbelkörper ebensowenig wie die Bausteine eines gemauerten Hauses verändern lassen.

Im Allgemeinen sind die folgenden zwei Jahrzehnte eine Zeit, in der wir unsere Wirbelsäule nur gelegentlich bemerken. Natürlich kann uns urplötzlich ein Hexenschuss plagen, weil wir uns die Wirbelgelenke beim Vorbeugen verkantet haben. Auch anstrengende körperliche Arbeiten oder das Gegenteil, einseitige sitzende Tätigkeiten, können Beschwerden hervorrufen. Nur hinter den wenigsten Befindlichkeitsstörungen dieses Alters stehen ernsthafte Erkrankungen.

Bandscheibenvorfälle häufen sich

Die Situation ändert sich langsam im fünften Lebensjahrzehnt, zum Teil auch schon früher. Jetzt wirkt sich die Abnutzung zwischen Wirbelkörpern und Bandscheiben aus. Nicht selten bereitet schon das morgendliche Aufstehen aus dem Bett Beschwerden; man verhebt sich schneller an Lasten, die zuvor mühelos getragen werden konnten. Der Bandscheibenvorfall ist eine typische Erkrankung des mittleren Erwachsenenalters.

Manche Menschen bemerken von dem Alterungsprozeß der Wirbelsäule kaum etwas. Nur das Röntgenbild und eine gewisse Einschränkung der Beweglichkeit weisen auf die Veränderung hin. Andere Personen leiden aufgrund dieser Minimalverschiebungen unter erheblichen Rückenschmerzen oder Ischiasbeschwerden. Bei ungünstigem Verlauf sind sie längere Zeit arbeitsunfähig oder müssen sogar einen Beruf mit schwerer körperlicher Arbeit aufgeben. Im Röntgenbild stellen sich die Abnutzungen durch die Höhenminderung der Bandscheiben und feine, spitze Verkalkungen (Osteophyten) dar, die von den oberen und unteren Begrenzungen der Wirbelkörper ausgehen. Mit den Jahren können sie wie Stalagmiten und Stalaktiten in einer Tropfsteinhöhle zusammenwachsen und den Bandscheibenraum umklammern (Spondylodese).

Dieser Versteifungsvorgang hat Auswirkungen auf die Beweglichkeit. Patienten, die von solchen Veränderungen betroffen werden, berichten, dass sie steifer geworden seien. Die Reaktion des Körpers ist sinnvoll. Das instabile und schmerzende Bewegungssegment wird mit der Versteifung ausgeschaltet.

Nichts anderes macht der Orthopäde, wenn er einen Patienten mit einer Wirbelsäuleninstabilität operiert. Er setzt keine neue Bandscheibe ein, sondern überbrückt den Bandscheibenraum meist mit einem Knochenblock, den er aus dem Beckenkamm entnommen hat. Im Laufe von einigen Monaten heilt dieser übertragene Knochen ein und bildet eine feste Brücke zwischen den Wirbelkörpern. Der Schmerz läßt nach, die Bewegungseinschränkung wird in Kauf genommen.

Immer wieder erzählen ältere Menschen, dass sie etwa ab dem 35. Lebensjahr häufig unter chronischen Kreuzschmerzen litten. Irgendwann, ungefähr im Alter von 60 Jahren, hätten sich die Schmerzen gegeben. Des Rätsels Lösung sieht man im Röntgenbild. Die defekte Bandscheibe wurde vom Körper überbrückt, die schmerzhafte Lockerung heilte damit aus.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.03.2015
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: www.leitlinien.net : Bandscheibenbedingte Ischialgie, Stand April 2002
  • www.orthopaede.com : Wirbelsäule