Es begann mit steifen Fingern am Morgen – ein typisches Fallbeispiel von rheumatoider Arthritis

Frau M. ist 63 Jahre alt und war bisher nicht ernsthaft erkrankt. Im Herbst bemerkt sie erstmals steife und leicht schmerzende Finger am Morgen. Bewegungen der Hände sind unangenehm und beschwerlich. Kräftiges Händeschütteln ist schmerzhaft. Da die Beschwerden jedoch innerhalb einiger Stunden wieder verschwinden, schenkt sie ihnen keine große Beachtung. Nach ein paar Wochen verschwindet diese Steifigkeit der Finger am Morgen wieder.

Erneute Krankheitszeichen

Monate später fühlt sich Frau M. zunehmend müde und insgesamt nicht mehr so leistungsfähig, manchmal hat sie das Gefühl leichtes Fieber zu haben, obwohl sie weder eine Erkältung noch Halsschmerzen hat. Erneut bemerkt sie diese Morgensteifigkeit, zusätzlich sind die Grundgelenke der Finger beider Hände angeschwollen, leicht gerötet und schmerzhafter als noch vor ein paar Monaten. Nun sucht sie ihren Hausarzt auf.

Ärztliche Untersuchung

Der Hausarzt befragt sie ausführlich, untersucht gründlich alle Gelenke, die Haut, den Bauch, Herz und Lunge. Bis auf die geschwollenen Gelenke beider Hände fällt ihm jedoch nichts auf. Bei der Blutabnahme bemerkt er eine leichte Blutarmut und eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit. Der vorsorglich mit untersuchte Rheumafaktor ist positiv. Weitere Laborwerte wie Blutsalze, Harnsäure, die Nieren- und Leberwerte sind normal. Der Verdacht auf eine rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis, Rheuma) wird immer stärker. Zur Beschwerdelinderung verschreibt er zunächst ein Medikament aus der Klasse der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR).

Zusätzlich vereinbart er einen Termin zum Röntgen der Hände und einen Termin bei einem Rheumatologen. Das Röntgenbild zeigt eine leichte Auflockerung der Knochen im Bereich der Fingergrundgelenke. Der Rheumatologe nimmt noch einmal Blut ab und lässt den Urin analysieren. Die Untersuchungen sind alle negativ. Jedoch wird ein für die rheumatoide Arthritis sehr spezifischer Wert, der Anti-Citrullin-Antikörper, im Blut gefunden, so dass die Diagnose nun sicher ist: Frau M. hat eine rheumatoide Arthritis.

Behandlung

Da schon Gelenksveränderungen sichtbar sind, entschließt sich der Rheumatologe zu einer medikamentösen Therapie mit Methotrexat. Schon unter der Therapie mit dem NSAR fühlt sich Frau M. deutlich besser und die Schmerzen haben nachgelassen. Zwei Monate nach Einnahme von Methotrexat sind Schmerzen und Schwellungen der Gelenke gänzlich verschwunden. Regelmäßige Vorstellungen bei ihrem Hausarzt und gelegentlich beim Rheumatologen bestätigen den Erfolg der Therapie ohne nennenswerte Nebenwirkungen der Medikamente.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.11.2012
  • Autor/in: Dr. med. Silke Brüggemann, MSc, Fachärztin für Orthopädie und Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Interdisziplinäre Leitlinie: Management der frühen rheumatoiden Arthritis (2011)
  • D’Aura Swanson et al.: Tyrosine kinases as targets for the treatment of rheumatoid arthritis (2009)
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