Reizdarmsyndrom (RDS)

Reizdarm – oder genauer das Reizdarmsyndrom (RDS, Irritable Bowel Syndrome, IBS) – ist die häufigste funktionelle Magen-Darm-Erkrankung. Funktionell bedeutet, dass keine organischen Erkrankungen vorliegen. Fast jeder siebte Deutsche ist vom RDS betroffen. Und Experten schätzen, dass die Dunkelziffer noch viel höher liegt.

SOS auf Bauch © Thinkstock/vitapublic GmbH
Betroffen sind von dieser Magen-Darm-Erkrankung vor allem Erwachsene jungen und mittleren Alters, wobei Frauen ungefähr doppelt so oft erkranken wie Männer. RDS-Patienten leiden oft jahrelang unter erheblichen Beschwerden wie Durchfall, Verstopfung oder Blähungen.

RDS ist keine organische Erkrankung

Das Krankheitsbild ist schon seit über 100 Jahren bekannt. Doch bis heute ist nicht geklärt, wie das Reizdarmsyndrom entsteht. Möglicherweise sind bestimmte Immunzellen – die Mastzellen – an der Entstehung beteiligt. Durch Viren, Bakterien oder Allergene kann es zu einer Freisetzung von Botenstoffen aus den Mastzellen kommen, woraufhin Immunreaktionen ausgelöst werden. Sind diese Mastzellen jedoch genetisch verändert, kann es bereits ohne äußeren Anlass zu einer Immunantwort kommen – und dadurch zu entzündlichen Reaktionen im Darm. Außerdem wird vermutet, dass Reizdarm-Patienten eine veränderte Wahrnehmung im Bereich des Darms haben, ausgelöst durch psychische Belastung wie Angst oder Stress. Schon normale Verdauungsabläufe können schmerzhaft wahrgenommen werden. Vermutlich ist der Botenstoff Serotonin dafür verantwortlich.

Reizdarmsyndrom: mehr als eine bloße Befindlichkeitsstörung

Bei den meisten Betroffenen beeinflusst das Reizdarmsyndrom die Lebensqualität erheblich und langanhaltend. Dadurch unterscheidet sich das Reizdarmsyndrom auch von einer bloßen, den Darm betreffenden Befindlichkeitsstörung, die sich durch leichte, nur gelegentlich auftretende Beschwerden auszeichnet.

Symptome und Behandlung des Reizdarms

Symptome des Reizdarmsyndroms sind zum Beispiel Schmerzen im Bauchbereich, Verstopfung oder Durchfall (auch im Wechsel) sowie langandauernde Magen-Darm-Beschwerden und Blähungen. Je nach Vorkommen der Beschwerden können drei Reizdarmsubgruppen unterschieden werden, die jeweils etwa ein Drittel der Fälle ausmachen: Diarrhö-dominant (überwiegend Durchfall), Obstipations-dominant (überwiegend Verstopfung) und gemischt beziehungsweise alternierend (Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung). Auch Sodbrennen, Rückenschmerzen und Schlafstörungen können unter anderem Symptome des Reizdarmsyndroms sein.

Für die Behandlung des Reizdarmsydroms gibt es keine Standardtherapie. Es werden sowohl verschiedene Medikamente als auch pflanzlichen Mittel eingesetzt. Auch nichtmedikamentöse Therapien werden durchgeführt. Je nach Ausprägung kommen Lebensstiländerungen, Ernährungsumstellungen und auch psychologisch/psychosomatische Therapien zur Anwendung.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.12.2014
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Das Reizdarm Syndrom Standortbestimmung und neue Therapieoptionen Deutsche Apotheker Zeitung 02/34
  • Konsens Reizdarmsyndrom der deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten
  • Gerd Herold (2004): Innere Medizin
  • Wolfgang Kruis, Martin Rebstock (2001): Kurzleitfaden Reizdarmsyndrom
  • S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom (2011): Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM)
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