Plötzliches Herzversagen: Reanimation mit dem Defibrillator rettet Leben

Bei einem plötzlichen Herzversagen sind die Überlebenschancen auf den ersten Blick gering: Nur fünf Prozent der Betroffenen in Deutschland überleben. In den USA haben die Patienten bessere Aussichten, dem Tod zu entrinnen: Dort können 15 Prozent von ihnen gerettet werden. Der Grund: Die Automatischen Externen Defibrillatoren, die AED-Geräte, sind dort in Behörden, Bahnhöfen, Flughäfen und in anderen öffentlichen Gebäuden sehr viel verbreiteter als in Deutschland.

Wichtig: Reanimation durch Frühdefibrillation

AED-Geräte können von jedem Laien nach einer kurzen Einweisung, die das Gerät eigenständig vor Ort durchführt, bedient werden. Sie erlauben den Anwesenden in einem Notfall eine Wiederbelebung (Reanimation) durch Frühdefibrillation, noch bevor der Notarzt eintrifft. Das ist wichtig, denn bei einem plötzlichen Herzversagen zählt jede Minute. Bereits nach fünf Minuten setzen die ersten irreparablen Hirnschäden ein.

Siegfried Steiger, Gründer der Björn-Steiger-Stiftung, die sich für eine weite Verbreitung der AED-Geräte einsetzt, empfiehlt jeder Familie, in der Herzkrankheiten vorkommen, sich für zu Hause einen Laien-Defibrillator anzuschaffen. AED-Geräte kosten zwischen 800 und 2.000 Euro. Die Deutsche Herzstiftung ist jedoch skeptisch: Es gebe keine Studie, die den Nutzen des AED-Geräts im privaten Bereich nachgewiesen hätte.

Herzstiftung empfiehlt vorherige Abklärung

In einer Mitteilung der Herzstiftung heißt es: „Unklar ist zum Beispiel, ob im Notfall zufällig anwesende Freunde oder Angehörige den Defibrillator in der Wohnung tatsächlich ohne Zeitverlust bedienen." Außerdem könnten die Anwesenden mit dem Gerät so beschäftigt sein, dass sie darüber hinaus die ebenfalls lebensnotwendige Herzdruckmassage und Beatmung vernachlässigen würden.

Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt Patienten, die trotzdem ein AED-Gerät kaufen wollen, vorher unbedingt mit Ihrem Arzt Rücksprache zu halten.

AED-Geräte sind relativ einfach zu bedienen: Sobald es eingeschaltet ist, ertönt eine Stimme, die dem Retter genau sagt, was er zu tun hat. Eine AED-Schulung ist trotzdem zu empfehlen – ebenso wie ein Erste-Hilfe-Kurs: Die Laien-Retter sind dann auch in der Mund-zu-Mund-Beatmung geübt und können – falls sich kein AED-Gerät in der Nähe befindet – eine Herzdruckmassage durchführen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.10.2012
  • Autor/in: Dr. Anne Dietel, Ärztin, Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: J.M. Hahn, Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart, 2006
  • Interview mit Siegfried Steiger, Gründer der Björn-Steiger-Stiftung
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