Diagnostik der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit

Die Schaufensterkrankheit lässt sich mit relativ geringem Aufwand diagnostizieren. Als erstes wird der Arzt an verschiedenen Stellen des Beins den Puls tasten, unter anderem in der Leiste, der Kniekehle und am Fußknöchel. Allerdings kann der Puls an allen Stellen normal zu tasten sein und der Patient trotzdem unter einer PAVK leiden.

Einfache Lagerungsprobe gibt Hinweise

Aus diesem Grund gehört auch die Lagerungsprobe nach Ratschow zur Diagnostik: Der liegende Patient hält die Beine senkrecht hoch und führt mit den Füßen 30 bis 40 kreisende Bewegungen aus. Anschließend lässt er im Sitzen die Beine herabhängen. Werden Zehen und Fußsohlen während der Übung sehr blass und gewinnen sie ihre rosige Farbe beim Sitzen erst nach mehr als 20 Sekunden zurück, spricht dies für eine Verschlusskrankheit.

Aufschlussreich: Verschlussdruckmessung

Besteht der geringste Verdacht auf eine Verschlusskrankheit, wird der Arzt eine Verschlussdruckmessung vornehmen. Mit der Dopplersonografie, einem Ultraschallverfahren, misst er den Blutdruck am Knöchel und am Oberarm. Ist der Blutdruck am Knöchel niedriger als der Blutdruck am Arm, spricht dies für eine Verschlusskrankheit in den Beinen. Das Verhältnis zwischen Knöchel- und Armblutdruck sollte mehr als 0,9 betragen.

Eine Verschlussdruckmessung empfiehlt sich auch für Patienten mit koronarer Herzkrankheit oder einer Verengung der hirnversorgenden Arterien: Bei ihnen liegt der Verdacht auf Gefäßverengungen in den Beinen nahe, da die Arteriosklerose unter der sie leiden, an den verschiedensten Stellen im Körper auftreten kann.

Duplexsonografie und Angiografie vor Eingriffen

Mit der Duplexsonografie ist es zudem möglich festzustellen, wo und in welchem Umfang Verengungen (Stensosen) bestehen. Sie wird besonders vor Eingriffen am Gefäß, etwa einer Gefäßdilatation oder einem Bypass, angewendet.Die Duplexsonografie kann die Angiografie in vielen Fällen ersetzen.

Die Angiografie ist eine Röntgendarstellung der Arterien, bei der vor der Untersuchung über einen Gefäßkatheter ein Kontrastmittel gespritzt wird. Engstellen (Stenosen) im Gefäßverlauf können so im Röntgenbild sichtbar gemacht werden. Meistens erhält der Patient zu dieser Untersuchung ein Beruhigungsmittel. Bei einer Gefäßdilatation ist die Angiografie allerdings unausweichlich, da die Erweiterung der Arterien mittels Röntgen kontrolliert werden muss.

Schaufensterkrankheit: Auch eine Herz-Kontrolle ist wichtig

Die Schaufensterkrankheit darf nicht isoliert betrachtet werden: Ihr liegt eine Arteriosklerose zugrunde, von der alle Gefäße – mehr oder weniger stark – betroffen sind. Das heißt, ein Patient mit Schaufensterkrankheit hat auch ein erhöhtes Risiko für die koronare Herzkrankheit, weil diese ebenfalls durch Arteriosklerose hervorgerufen wird. Auch die hirnversorgenden Arterien sind oft betroffen, was das Schlaganfall-Risiko erhöht.

Für den Arzt bedeutet dies, dass er einen Patienten mit Schaufensterkrankheit umfassend untersuchen muss. Wichtig ist vor allem:
  • ein Belastungs-EKG, um einer eventuellen koronaren Herzkrankheit auf die Spur zu kommen. Sollte der Patient auf dem Ergometrie-Rad zu starke Schmerzen entwickeln, kommt auch eine Stress-Echokardiografie in Frage. Bei dieser Untersuchung wird dem Patienten ein Medikament gespritzt, das die Herzaktivität anregt, gleichzeitig werden die Herzfunktionen per Ultraschall beobachtet.
  • eine Untersuchung der hirnversorgenden Arterien mit Dopplersonografie
  • Sonografie (Ultraschall) des Bauchraums, um ein Aneurysma der Bauchaorta auszuschließen, das ebenfalls durch Arteriosklerose entstehen kann
  • Labortests, vor allem, um Risikofaktoren zu ermitteln – untersucht werden sollten zum Beispiel: Blutfette, HDL-Cholesterin, LDL-Cholesterin, Triglyzeride, Lipoprotein a, Blutzucker, der HbA1c-Wert, Eiweiß im Urin.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.10.2012
  • Autor/in: Kirsten Gaede, Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Deutsche Gesellschaft für Angiologie, Gesellschaft für Gefäßmedizin: Leitlinien zur Diagnostik und Therapie der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) (2009)
  • Bernard Kolster, Gisela Ebelt-Paprotny, Leitfaden Physiotherapie, Urban
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