Auch Übergewicht schützt nicht immer

Diäten und Untergewicht schaden unseren Knochen. Doch die deutschen Kinder und Jugendlichen werden ja im Schnitt nicht dünner, sondern immer dicker. Sind die wohlgenährten Kinder von heute also gefeit gegen Osteoporose im Alter?

In der Jugend generell viel Gewicht auf die Waage zu bringen, schützt noch lange nicht vor der Knochenkrankheit. Denn übergewichtige Kinder und Jugendliche nehmen mit ihrer Nahrung meist nicht ausreichend Kalzium und Vitamin D zu sich – im Gegenteil. Falsche und einseitige Ernährung, gepaart mit Bewegungsmangel, sind nicht nur der Grund für überflüssige Pfunde, sondern gleichzeitig wesentliche Faktoren, die das Risiko für die Knochenkrankheit Osteoporose erhöhen.

Zwar gibt es einen positiven Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Knochendichte. Ob dafür allerdings die Fettmasse oder die Muskelmasse verantwortlich ist, konnte noch nicht abschließend geklärt werden. Einige Studien schreiben den positiven Effekt auf die Knochen nur der Fettmasse zu. Andere kommen zu dem Ergebnis, dass Muskelmasse die Knochendichte beeinflusst, während Fett sich (bei Jugendlichen) eher negativ auf die Knochenstruktur auswirkt. Eine größere Fettmasse wirkt (bei Frauen vor den Wechseljahren) nur dann knochenschützend, wenn auch ausreichend Muskelmasse vorhanden ist. Wichtig ist also vor allem auch eine regelmäßige körperliche Betätigung, um Muskeln aufzubauen und zu erhalten.

„EsKiMo"-Studie bestätigt ungesundes Essverhalten

Generell unausgewogenes Essverhalten bescheinigt die „EsKiMo“-Studie des Robert Koch-Instituts und der Universität Paderborn dem deutschen Nachwuchs. Für diese Erhebung wurden über 2.400 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren zu ihren Essgewohnheiten befragt. Die Auswertungen zeigen: Ihre Ernährung ist nicht „knochengesund“.

Mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen essen zu wenig kalziumreiche Milch und Milchprodukte. Besonders deutlich ist dieser Mangel bei den sechs- bis elfjährigen Mädchen: Sie erreichten nur 37 Prozent der empfohlenen Tagesmenge an Milch- und Milchprodukten.

Dagegen stehen Wurstwaren auf dem Speiseplan der Jugendlichen ganz oben. Die „EsKiMo“-Studie ergab: Ein Großteil der Kinder und Jugendlichen verzehrt mehr als das Doppelte der empfohlenen Tagesmenge an Wurst und Fleisch. Wurst ist reich an Oxalsäure. Diese bindet das Kalzium und entzieht es so dem Körper. Auch die großen Mengen an Eiweiß in Fleisch und Wurst schaden den Knochen. Um das Eiweiß abzubauen, verbraucht der Körper Kalziumsalze, die dann den Knochen fehlen.

Schokolade, Fruchtgummis, süße und pikante Backwaren, Knabbergebäck, colahaltige Limonade und spezielle Cerealien wie Pops: Die bei den Kindern und Jugendlichen so beliebten Snacks und Naschereien enthalten viele knochenschädliche Stoffe.
  •  Ein übermäßiger Verzehr von Salz bewirkt, dass Kalzium vom Körper vermehrt ausgeschieden wird. So kann es nicht mehr für den Aufbau der Knochen verwertet werden.
  • Phosphat ist in großen Mengen in Form von Phosphorsäure in Cola enthalten.
    Ein hoher Phosphatgehalt im Körper bewirkt, dass bereits eingelagertes Kalzium wieder aus den Knochen gelöst wird.
  • Generell verhindert sehr fettreiche Nahrung, dass wasserlösliche Stoffe, darunter Kalzium, über den Darm aufgenommen werden.
Die genannten Nahrungsmittel sollten nicht mehr als zehn Prozent des gesamten Energiebedarfs liefern. Das bedeutet: Sechsjährige sollten maximal 15 Kilokalorien pro Tag aus Schokolade, Chips und anderen Knabbereien beziehen, 17-Jährige maximal 310 Kilokalorien. Die Auswertung der „EsKiMo“-Studie zeigt aber: Fast alle Kinder und Jugendlichen (über 90 Prozent) nehmen deutlich mehr Energie über solche Snacks, Knabbereien und Cola zu sich. Ein Drittel von ihnen bezieht daraus sogar mehr als das Dreifache des empfohlenen Energiebedarfs.

Für Eltern gilt: Achten Sie darauf, dass sich Ihre Kinder ausgewogen ernähren. Denn: Feste Knochen in Kindheit und Jugend schützen vor Osteoporose im Alter.

Mehr zum Thema Ernährung gegen Osteoporose finden Sie hier:

Autoren und Quellen Aktualisiert: 30.01.2015
  • Autor/in: Anja Dolski, Medizinredakteurin, vitanet.de; Beatrix Deiss, Medizinredakteurin, vitanet.de;
  • Quellen: Baumgartner, Richard N. et al: Associations of fat and muscle masses with bone mineral density in elderly men and women. In: American Journal of Clinical Nutrition, 1996, Jg.63, S. 365-372
  • Aloia, J.F. et al: To what extent is bone mass determined by fat-free or fat mass? In: The American Journal of Clinical Nutrition, 1995, Jg. 61, S. 1110-1114
  • Janicka, Agnieszka et al: Fat mass is not beneficial to bone in adolescents and young adults. In: The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism, 2007, Jg. 92, Nr.1, S. 143-147
  • Sowers, M.F. et al: Joint influence of fat and lean body composition compartments on femoral bone mineral density in premonopausal women. In: Americal Journal of Epidemiology, 1. August 1992, Jg. 136, Nr. 3, S. 257-265
  • Mensink, Gert B.M. et al: Ernährungsstudie als KiGGS-Modul (EsKiMo). Forschungsbericht, September 2007
  • Libuda, Lars et al: Association between long-term consumption of soft drinks and variables of bone modeling and remodeling in a sample of healthy German children and adolescents. In: The American Journal of Clinical Nutrition, Dezember 2008, Jg. 88, Nr. 6, S. 1670-1677
  • Alexy, Ute et al: Die Ernährung gesunder Kinder und Jugendlicher nach dem Konzept der Optimierten Mischkost. In: Ernährungs Umschau, 2008, Nr.3, S. 168-177
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung