Neurodermitis (atopisches Ekzem): Akuttherapie mit Salben und Cremes

Ein akuter Neurodermitisschub wird mit antientzündlichen Wirkstoffen behandelt. Dabei ist jedoch auf Wechselwirkungen zu achten: Harnstoff ist in zahlreichen medizinischen Körperpflegeprodukten eingearbeitet, die häufig zur Basispflege verwendet werden. Er kann die Wirkung anderer Einreibungen beeinträchtigen. So können etwa kortisonhaltige Mittel in ihrer Wirkung verstärkt werden.

Kortison und ähnliche Wirkstoffe

In der Akuttherapie von Neurodermitis stehen an erster Stelle Kortisonpräparate in unterschiedlichen Wirkstärken. Kortison ist ein wichtiges körpereigenes Hormon mit einer Vielzahl von Aufgaben. Eine davon ist, Entzündungsvorgänge zu hemmen. Dies macht man sich in der Therapie von Neurodermitis zunutze: Die Wundheilung wird beschleunigt und der Juckreiz gelindert.

Doch Kortison kann schwerwiegende Nebenwirkungen haben: Langfristig aufgetragen verdünnt sich die Haut, es kann zur Bildung von Äderchen und vermehrter Behaarung kommen. Deshalb eignen sich Kortisonpräparate nur zum kurzfristigen Einsatz und sind verschreibungspflichtig. Bei dem so kontrollierten Einsatz werden die Nebenwirkungen ausreichend berücksichtigt, sodass in der Regel keine Gefahr besteht.

Die ohne Rezept erhältlichen Einreibungen enthalten den Wirkstoff Hydrokortison. Sie können bei akuten Beschwerden zwei- bis dreimal täglich dünn auf die verletzte Haut aufgetragen werden. Hydrokortisonhaltige Medikamente sind ebenfalls nicht zur großflächigen oder dauerhaften Anwendung geeignet.

Als Alternative zu Kortison stehen seit einiger Zeit die beiden Calcineurinantagonisten Pimecrolimus und Tacrolimus zur Verfügung – auch bereits für Kinder ab drei Jahren. Wie Kortison greifen sie in körpereigene Abwehrreaktionen ein und verhindern ein Ausbreiten der entzündlichen Vorgänge in der Haut. Sie wirken genauso gut wie mittelstarke bis starke Kortisonpräparate, haben aber deutlich weniger Nebenwirkungen.

So kann es bei behandelten Hautstellen vorübergehend zu einem leichten Brennen und Wärmegefühl kommen. Im Gegensatz zu Kortison können Calcineurinantagonisten auch auf empfindliche Hautareale aufgetragen werden. Nach der Anwendung sollte man sich nicht dem Sonnenlicht, Solarien oder einer Lichttherapie aussetzen. Da zurzeit jedoch noch Ultralangzeitergebnisse zur Frage fehlen, ob diese Medikamente Tumoren auslösen, sollten diese Wirkstoffe nur nach ärztlicher Abwägung des Einzelfalls zum Einsatz kommen.

Weitere Wirkstoffe

Synthetische Gerbstoffe werden als Gel, Creme, Fettcreme, Lotion, Puder und Badezusatz angeboten. Sie wirken entzündungshemmend, juckreizstillend und schmerzlindernd. Nässende Wunden trocknen unter der Therapie schnell ab. Den Bakterien wird der Nährboden entzogen. Die Darreichungsform als Puder eignet sich nicht zum Auftragen auf offene Wunden. Nach dem Auftragen sollte man sich gründlich die Hände waschen. Gerbstoffhaltige Medikamente dürfen nicht mit dem Auge in Berührung kommen.

Bei starkem Juckreiz haben sich auch Lokalanästhetika (örtlich betäubende Mittel) wie Polidocanol bewährt. Sie unterdrücken die Schmerzempfindung und den Juckreiz. Die Zubereitungen können bei Bedarf mehrmals täglich angewandt werden. Empfindliche Personen können bei der Anwendung allerdings mit Hautausschlägen reagieren.

Sowohl für die Gerbstoffe als auch für Polidocanol liegen zurzeit keine Therapieempfehlungen durch die Leitlinien vor. In Einzelfällen kann die Behandlung mit diesen Stoffen jedoch in Erwägung gezogen werden. 

Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.02.2017
  • Autor/in: Elisabeth Kanz, Apothekerin und Fachjournalistin für Medizin und Pharmazie; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
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