Neurodermitis (atopisches Ekzem): Symptome

Bei Neurodermitis sind typischerweise Ellenbeugen, Kniekehlen, Nacken, Hals und Gesicht von den Ekzemen betroffen – die sogenannten Prädilektionsstellen. Ekzeme sind nicht ansteckende, entzündlich gerötete Hautstellen, die schuppen, aber auch nässen können.

Je nach Alter unterscheiden sich die Stellen, an denen die Ekzeme in den meisten Fällen auftreten. Es können aber immer auch andere Körperstellen betroffen sein. Dabei wechseln sich beschwerdefreie Zeiträume mit akuten Krankheitsschüben ab.

Unterschiedliche Erscheinungsbilder

Es gibt individuell sehr unterschiedliche Erscheinungsbilder der Krankheit. So können die Hautveränderungen auch knötchenförmig oder münzförmig auftreten. Die meisten Patienten leiden unter einer eher leichten Form: Unter Umständen haben sie neben trockener Haut nur kleine Ekzeme wie Einrisse an Hand- und Fußflächen oder offene Stellen an den Mundwinkeln. Es gibt aber auch schwere Verläufe bis hin zum Befall der gesamten Körperoberfläche.

Häufig wird eine Neurodermitiserkrankung kompliziert durch Infektionen, die die angegriffene Haut zusätzlich belasten. Infolge der offenen Hautstellen und begünstigt durch das Kratzen können sich Bakterien, Viren und Pilze leicht ansiedeln.

Symptome verändern sich je nach Alter

Im Säuglingsalter beobachtet man stark juckende Ekzeme mit Bläschen. Wenn sie aufgekratzt werden, kommt es zu nässenden, entzündeten Hautstellen. Dabei sind eher Wangen und der behaarte Kopf, aber auch Unterarme und Unterschenkel häufig betroffen. Wenn die nässenden Stellen trocknen, bildet sich ein weißlich-gelber Schorf. Das Bild erinnert an getrocknete Milch, weshalb man Neurodermitis im Säuglingsalter auch als „Milchschorf“ bezeichnet. Manchmal bleibt die Erkrankung auf das Säuglingsalter beschränkt und tritt danach nie wieder auf. In vielen Fällen stellt es aber die Erstmanifestation von Neurodermitis dar.
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Zu unterscheiden ist der „Milchschorf“ vom „Kopfgneis“ (seborrhoisches Ekzem). Diese beiden Hauterkrankungen werden oft verwechselt oder nicht richtig voneinander abgegrenzt. Kopfgneis entsteht durch die Überproduktion von Hautfett (Seborrhoe) und tritt bei Babys schon ab der ersten Woche auf. Im Gegensatz zur Neurodermitis wird er niemals chronisch, verursacht kaum Juckreiz und birgt keine Veranlagung zu allergischer Reaktion. Er zeigt sich als talgige, weißlich-gelbe bis bräunliche Schuppenschicht an der Kopfhaut.
Im Kleinkindalter bis hin zum Jugendalter findet man entzündliche Rötungen oder Papeln (kleine Knötchen), aufgekratzte Hautstellen und Verkrustungen am ganzen Körper verteilt. Der juckende Hautausschlag breitet sich jedoch insbesondere an Ellenbeugen, Kniekehlen, Handgelenken, Fuß- und Handrücken oder im Nacken aus. Haut und Haare sind sehr trocken, stellenweise schuppt sich die Haut. Durch das häufige Kratzen verdickt und vergröbert sich die Haut. Experten bezeichnen dieses Phänomen als Lichenifikation.

Viele Kinder sind nach der Pubertät wieder beschwerdefrei

Unabhängig vom Alter klagen alle Betroffenen über starken Juckreiz. Komplikationen entstehen, wenn die aufgekratzten Stellen von Keimen besiedelt werden und sich entzünden. Bis zum Erwachsenenalter kann sich die Krankheit schubweise verschlimmern, aber auch nachlassen: Rund Dreiviertel der betroffenen Kinder sind nach der Pubertät beschwerdefrei.

Im Erwachsenenalter gleichen die Beschwerden denen bei Kindern und Jugendlichen. Zusätzlich sind meist die Ohren, der Hals und das Gesicht – vor allem um die Augen – betroffen. Weitere Symptome sind: Ausfall der seitlichen Augenbrauen, doppelte Unterlidfalte, eingerissene Mundwinkel, trockene Lippen, Schrunden am Ohrläppchenansatz, vertiefte Furchungen der Haut (vor allem an der Hand), verminderte Schweißbildung, Neigung zu Kopfschuppen und Schuppung im Gesicht sowie im Bereich der oberen Körperhälfte, Hornhautverformungen und Linsentrübung.

Manche Erwachsene sind vom Kindesalter an betroffen, bei anderen erfolgt die Ersterkrankung erst nach dem 20. Lebensjahr. In beiden Fällen lassen die Symptome häufig mit zunehmendem Alter nach oder sie verschwinden ganz.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.02.2017
  • Autor/in: Elisabeth Kanz, Apothekerin und Fachjournalistin für Medizin und Pharmazie; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
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