Nesselsucht (Urtikaria) und Quincke-Ödem

Allergien Grafik zur Immunantwort © vitapublic GmbHFreisetzung von Histamin bei einer allergischen Sofortreaktion.
Als Nesselsucht (Urtikaria) wird eine Quaddelbildung der Haut bezeichnet, die der Reaktion der Haut auf den Kontakt mit Brennnesseln gleicht. Quaddeln können in verschiedenen Größen (wenige Millimeter groß bis großflächig), Formen (rund, oval, asymmetrisch), Farben (rot oder weiß) und in unterschiedlicher Anzahl auftreten. Hervorgerufen werden sie durch die Ausschüttung von entzündungsauslösenden Substanzen (vor allem Histamin) aus den Mastzellen in der Lederhaut. Dadurch weiten sich die Blutgefäße, werden durchlässiger für Flüssigkeiten und Entzündungsstoffe: die Haut rötet sich, schwillt an und juckt oder schmerzt.

Beim Quincke-Ödem kommt es durch den gleichen Wirkmechanismus zu Wassereinlagerungen in tieferen Schichten der Haut. Es zeigen sich massive Schwellungen, zum Beispiel im Gesicht. Falls die Luftwege betroffen sind, besteht Erstickungsgefahr. Das Quincke-Ödem tritt häufig zusammen mit einer Urtikaria auf.

Auslöser für die Aktivierung der Mastzellen

Die Aktivierung der Mastzellen erfolgt auf unterschiedlichsten Wegen:
  • Allergische Antwort vom Soforttyp (durch Bindung eines Allergen-IgE-Antikörper-Komplexes an die Mastzelle wird Histamin aus der Mastzelle ausgeschüttet)
  • Überempfindlichkeits- und Intoleranzreaktionen (die Mastzellen können von bestimmten Stoffen (zum Beispiel Schmerzmedikamente, Penicillin und verschiedene Nahrungsmittel) direkt zur Ausschüttung von Histamin gebracht werden)
  • Physikalische Reize (Kälte, Wärme, Licht oder Druck)
  • Innere Faktoren (Infektionen, Entzündungen, Tumore, seelische Belastungen)
  • Ungeklärte Mechanismen
Bei allergischen Reaktionen vom Soforttyp besteht die Gefahr eines anaphylaktischen Schocks: Binnen Minuten kommt es dann durch Kreislaufzusammenbruch und Bronchialkrämpfe zu einem lebensbedrohlichen Zustand.

Behandlung

Bei der Behandlung von Hautreaktionen wie Urtikaria und Quincke-Ödem gilt es vor allem, den Auslöser auszuschalten. Doch als Auslöser kommen viele Stoffe und Krankheiten in Frage: Allergene, Medikamente, Infektionsherde, Nahrungsmittel, gegen die eine Unverträglichkeit besteht, Nahrungsmittelzusätze und anderes. Deshalb ist eine eingehende Diagnostik notwendig. Anschließend wird entsprechend des jeweiligen Auslösers behandelt. Liegt beispielsweise eine Nahrungsmittelunverträglichkeit vor, muss der Betroffene bestimmte Diätmaßnahmen einhalten.

Die Symptome bei Nesselsucht und Quincke-Ödem lassen sich sehr gut mit Antihistaminika behandeln. Diese besetzen die Rezeptoren für das Histamin und verhindern damit die Quaddelbildung und den Juckreiz. In ausgeprägten Fällen mit Schleimhautschwellung im Bereich der Atemwege, Übelkeit und Kreislaufbeteiligung können Kortisonpräparate zum Einsatz kommen, die die Entzündungsreaktionen des Körpers generell heruntersetzen. Eine Kehlkopfschwellung mit Erstickungsgefahr muss unter Umständen sofort notfallmäßig mit einem Luftröhrenschnitt oder künstlicher Beatmung behandelt werden.

Nesselsucht und Quincke-Ödem können in vielen Fällen (zusätzlich) mit homöopathischen Mitteln behandelt werden. Entsprechend der Beschwerden können diese nicht nur akut, sondern auch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Homöopathische Mittel sind gut verträglich.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.03.2010
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Dagmar Stefanek-Brandl, Ärztin und Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Online-Information des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand 2010)
  • A. Bopp, V. Herbst: Handbuch Medikamente, Stiftung Warentest 2002
  • Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V. (www.daab.de)
  • Die gesunde Haut von Reinhard K. Achenbach, TRIAS, 1996
  • Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (http://www.dgaki.de/Leitlinien/leitlinien.html)
  • Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V (www.dha-allergien.de)
  • Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (http://www.derma.de/leitlinien.html)
  • Deutscher Neurodermitis Bund e.V. (www.neurodermitis-bund.de)
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