Myelodysplastische Syndrome (MDS)

Die myelodysplastischen Syndrome (MDS) sind Erkrankungen des Knochenmarks und damit auch des Bluts, das im Knochenmark gebildet wird. Früher wurden die Syndrome auch Präleukämie oder schleichende Leukämie genannt. Denn in etwa 25 bis 30 Prozent der Fälle geht ein myelodysplastisches Syndrom in eine akute myeloische Leukämie über. Betroffen von der Erkrankung sind meist ältere Menschen über 60 Jahre. In seltenen Fällte trifft sie jedoch auch Jüngere.

Bei den myelodysplastischen Syndromen arbeitet das Knochenmark nicht richtig. Es produziert nicht genügend normale, funktionierende Blutzellen aus den Stammzellen. Die Anzahl unreifer Zellen, sogenannter Blasten, steigt meist stark an. Je nachdem, wie die gebildeten Zellen unter dem Mikroskop aussehen und in welcher Anzahl sie im Blut und im Knochenmark vorkommen, werden verschiedene Typen der myelodysplastischen Syndrome unterschieden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) differenziert beispielsweise acht verschiedene MDS-Typen.

Symptome der myelodysplastischen Syndrome

Je nachdem, welche Art von Blutzellen nicht ausreichend gebildet wird, unterscheiden sich die Symptome der myelodysplastischen Syndrome. Mangelt es an roten Blutkörperchen (Erythrozyten), führt dies zu einer Anämie (Blutarmut). Es kann nicht genügend Sauerstoff im Blut transportiert werden, wodurch es zu Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Kopfschmerzen, Ohrensausen, Schwindel und einem schnellen Pulsschlag kommen kann.

Weiße Blutkörperchen (Leukozyten) sind ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems. Kommen sie wegen eines myelodysplastischen Syndroms verringert im Blut vor, treten häufiger Infekte auf. Infektionen dauern zudem länger.

Bei einem Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten) ist die Blutungsneigung des Betroffenen erhöht. Zahnfleisch- und Nasenbluten sind häufige Symptome. Kleine Wunden bluten meist stark und verschließen sich nur langsam.

Diagnose der myelodysplastischen Syndrome

Bei Verdacht auf ein myelodysplastisches Syndrom wird der Arzt eine Blutuntersuchung veranlassen, bei der die Anzahl der verschiedenen Blutzellen bestimmt wird. Ist diese Untersuchung auffällig, folgt meist eine Knochenmarksbiopsie. Das heißt, eine kleine Menge Knochenmark wird mit einer Nadel entnommen und untersucht. So lässt sich auch der MDS-Typ bestimmen.

Therapie bei Niedrig-Risiko-Patienten

Welche Therapie eingesetzt wird, ist abhängig vom MDS-Typ und von der Prognose für den einzelnen Patienten. Bei Betroffenen mit einem niedrigen Risiko für eine Leukämie reicht es manchmal schon aus, das myelodysplastische Syndrom genau zu beobachten. Häufig ist es nötig, die Anämie oder die anderen Symptome der Erkrankung zu behandeln. Dazu eignen sich Transfusionen, beispielsweise mit Erythrozyten- oder Thrombozytenkonzentraten. Bei einem Mangel an weißen Blutkörperchen sollten bei einer Infektion frühzeitig und ausreichend Antibiotika eingesetzt werden.

Menschen, die häufig Transfusionen erhalten, sind gefährdet, dabei zu viel Eisen aufzunehmen. Diese Eisenüberladung wird dann meist medikamentös behandelt. Sie kann sonst zu Diabetes, Gelenk- oder Leberschäden führen.

Eine Therapie bei Niedrig-Risiko-Patienten kann auch über die Gabe von bestimmten Botenstoffen erfolgen, die die Blutbildung oder das Immunsystem positiv beeinflussen. Bei einigen Patienten kann es auch sinnvoll sein, eine immunsuppressive Therapie durchzuführen. Dabei wird eine Reaktion des Immunsystems unterdrückt, um es daran zu hindern, die eigenen Knochenmarkzellen anzugreifen.

Therapie bei Hoch-Risiko-Patienten

Die einzige Therapieform, die bei myelodysplastischen Syndromen eine Aussicht auf Heilung stellt, ist die allogene Stammzelltransplantation. Dabei wird das Knochenmark im Körper komplett zerstört und durch das Knochenmark eines passenden Spenders ersetzt. Diese Behandlung wurde in den vergangenen Jahren immer weiter optimiert. Dennoch sind die Sterblichkeit und das Rückfallrisiko weiterhin recht hoch. Geeignet für eine Stammzelltransplantation sind deshalb nur sonst gesunde, meist jüngere Menschen.

Bei Hoch-Risiko-Patienten, für die eine Stammzelltransplantation nicht in Frage kommt, kann eine medikamentöse Therapie mit 5-Azacytidin eingesetzt werden. Dieses Medikament hemmt ein Enzym, das dafür sorgt, dass die Blutzellen nicht richtig ausreifen können.

Bei MDS-Patienten mit einem hohen Risiko für eine akute myeloische Leukämie wird manchmal eine Chemotherapie verabreicht, wie sie auch bei Leukämie eingesetzt wird. Die Medikamente sollen die kranken Zellen im Knochenmark und im Blut abtöten. Eine Chemotherapie hat jedoch meist erhebliche Nebenwirkungen. Zudem ist das Rückfallrisiko hoch. Die Vor- und Nachteile einer solchen Behandlung müssen deshalb immer gut abgewogen werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 01.03.2012
  • Autor/in: Christina Wiener, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Deutsche Leukämie- und Lymphom-Hilfe: MDS, Myelodysplastische Syndrome. Informationen für Patienten und Angehörige
  • Hofmann et al.: Myelodysplastische Syndrome: Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie e.V.
  • Jeffe, Harris, Stein, Vardiman: World Health Organization Classification of Tumors Pathology and Genetics: Tumours of Haematopoietic and Lymphoid Tissues
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