Formen von Muskel- und Gelenkschmerz (Rheuma)

Man kennt mittlerweile über 450 verschiedene Rheuma-Erkrankungen. Sie sind in vier Gruppen unterteilt und lösen unterschiedliche Beschwerden aus.

Älterer Mann hat Schmerzen am Knie © iStock

Degenerativ rheumatische Erkrankungen: Arthrose

Mit dem Überbegriff Arthrose werden Krankheiten bezeichnet, die die Gelenke und/oder die Wirbelsäule betreffen. Arthrose wird auch als degeneratives Rheuma bezeichnet. Die Krankheitsbilder und deren Symptome werden überwiegend durch Verschleiß ausgelöst. Der Gelenkknorpel verliert mit zunehmendem Alter oder durch starke Beanspruchung seine stoßdämpfende und gelenkschützende Funktion. Die ersten Anzeichen sind kleine Risse im Knorpel – im fortgeschrittenen Stadium der Krankheiten ändern sich ganze Gewebestrukturen. Schließlich wird das Knorpelgewebe zerstört und durch Narbengewebe ersetzt. Die Folge: Das Knorpelgewebe ist „degeneriert“  und hat somit seine Struktur und Funktion verloren.

Entzündlich rheumatische Erkrankungen

Zu den entzündlich rheumatischen Erkrankungen – auch als entzündliches Rheuma bezeichnet – gehören viele Krankheitsbilder. Man teilt sie in drei Gruppen ein:
  • Entzündliche Gelenkerkrankungen: zum Beispiel die rheumatoide Arthritis (RA),
  • Entzündliche Erkrankungen der Wirbelsäule: zum Beispiel Morbus Bechterew
  • Entzündliche Erkrankungen der Blutgefäße und des Bindegewebes: zum Beispiel die Vaskulitiden

Meistens führt man die entzündlichen Prozesse auf eine Autoimmunreaktion des Körpers zurück. Das Immunsystem bekämpft dann die eigenen Körperstrukturen.

Unter Arthritis versteht man entzündliche Erkrankungen eines oder mehrerer Gelenke und/oder der Wirbelsäule. Dabei ist vor allem die Gelenkinnenhaut betroffen. Je nach Krankheitsbild können als Symptome auch Verformungen der Gelenke auftreten. Eine Sonderform der Arthritis ist die infektiöse Arthritis. Sie tritt auf, wenn Bakterien die Gelenke befallen und Entzündungen auslösen. Dies ist beispielsweise bei Borreliose der Fall. Eine infektiöse Arthritis kann auch als Komplikation bei Mumps, Röteln, Windpocken, rheumatischem Fieber, Gonorrhöe oder Tuberkulose auftreten.

Morbus Bechterew (ankylosierende Spondylitis) wird durch Entzündungen im Bereich der Kreuzbein- beziehungsweise Darmbeingelenke, der Bandscheiben, der Wirbelkörper oder der kleinen Wirbelgelenke verursacht. Bei dieser Krankheit – sie verläuft in Schüben – versteift sich die Wirbelsäule zunehmend in Beugestellung. 

Bei den sogenannten Vaskulitiden entzünden sich vor allem die arteriellen Blutgefäße. Dabei ist zunächst die Wand der Blutgefäße betroffen. Das kann die Durchblutung der Bereiche stören, die diese Blutgefäße versorgen. Die Entzündung kann auch auf das umliegende Bindegewebe übergreifen. Mögliche Folge: Sämtliche Organsysteme des Körpers können geschädigt werden.
Bei der Krankheit Lupus erythematodes richtet sich das Immunsystem gegen den eigenen Körper – und bildet Antikörper gegen bestimmte Gewebestrukturen. Über das Blut gelangen die Abwehrstoffe in alle Körperregionen und können dort Entzündungen auslösen.

Krankheiten des Bewegungssystems durch Stoffwechselstörungen

Zu dieser Gruppe der rheumatischen Erkrankungen zählen zum Beispiel Gicht und Osteoporose. Von Gicht spricht man, wenn sich Harnsäure in den Gelenken ablagert. Dadurch entstehen entzündliche Prozesse, die entweder akut oder chronisch verlaufen können. Die Ursache sind Stoffwechselstörungen. Bei Osteoporose handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung der Knochen. Dabei reduziert sich die Knochenmasse und die Knochenzusammensetzung ist gestört. Die Folge: Die Knochen sind sehr brüchig. Besonders häufig sind Frauen ab den Wechseljahren betroffen.

Rheumatische Schmerzkrankheiten: Weichteilrheumatismus

Erkrankungen der Muskeln, Sehnen, Bänder, Sehnenscheiden oder der Schleimbeutel werden unter Weichteilrheumatismus zusammengefasst. Sowohl Abnutzungserscheinungen als auch entzündliche Prozesse, Verletzungen, Fehlhaltungen und Verspannungen können zu diesen Formen des Rheumas beitragen. Zu diesen Erkrankungen gehört auch das sogenannte Fibromyalgiesyndrom. Dabei handelt es sich um eine Schmerzkrankheit, die meist chronisch verläuft und zu Schmerzen in verschiedenen Körperregionen führt. Von Fibromyalgie sind hauptsächlich Frauen betroffen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.05.2018
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Nina Prell, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie e.v.. DGRh Leitnlinien (federführend). Online unter: www.dgrh.de, Stand: 23.05.2018.
  • Berufsverband Deutscher Internisten und Berufsverband Deutscher Rheumatologen: Systemischer Lupus erythematodes (http://www.internisten-im-netz.de/de_was-ist-lupus-erythematodes_1395.html)
  • Entzündlich-rheumatische Erkrankungen. Gesundheitsberichterstattung des Bundes Heft 49. Robert Koch-Institug (Hg.), 2010.
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