Therapie bei Morbus Parkinson: Behandlung der Symptome

Bei Schüttellähmung kann es auch sinnvoll sein, die einzelnen Symptome zu bekämpfen:

Schluckstörungen und Speichelfluss

Meistens hilft schon die optimale medikamentöse Einstellung mit L-Dopa oder Dopaminagonisten zur Verbesserung der motorischen Schluckfähigkeit. Dadurch kann auch ein vermehrter Speichelfluss verringert werden. Ist die Therapie nicht ausreichend, kann zusätzlich ein Anticholinergikum zirka eine Stunde vor dem Essen eingenommen werden. Allerdings muss sicher sein, dass der Behandelte psychisch nicht auffällig ist, denn dann sollte man von einer Therapie mit solchen Medikamenten absehen.

Phasen guter Beweglichkeit sollten für das Essen und die Medikamenteneinnahme ausgenutzt werden, dabei sollte reichlich getrunken und das Essen möglichst gut zerkleinert werden. Ausgeprägte Schluckstörungen kann man mit Amantadininfusionen behandeln, bei sehr schweren anhaltenden Störungen muss der Betroffene künstlich über eine Sonde ernährt werden.

Verstopfung

Wichtig bei der Behandlung der Verstopfung ist einerseits eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, aber auch eine ballaststoffreiche Ernährung und so gut wie möglich auch körperliche Bewegung. Auf alle diese Dinge wirklich regelmäßig zu achten, fällt gerade Parkinson-Kranken oftmals schwer, da sie in ihrer Beweglichkeit häufig sehr stark eingeschränkt sind. Zudem können Abführmittel bei Krankheiten wie dem Morbus Parkinson auch auf Kassenrezept verschrieben werden. Hier kann zum Beispiel Macrogol eingesetzt werden, das als Quellstoffpräparat eine kleine definierte Wassermenge bindet und somit den Stuhl aufweicht. Auf jeden Fall sollten die Betroffenen mit ihrem Arzt über das Problem Verstopfung sprechen.

Blasenfunktionsstörungen

Die nichtmedikamentösen Maßnahmen zur Behandlung der Blasenfunktionsstörungen umfassen eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, das heißt täglich mindestens zwei Liter, bei der Abendmahlzeit sollten allerdings keine Getränke mehr eingenommen werden, damit die Betroffenen nachts nicht verstärkt zur Toilette müssen. Es muss darauf geachtet werden, dass Betroffene nicht längere Zeit im Feuchten liegen, um ein Wundliegen zu vermeiden.

Haben die Betroffenen eher einen Harnverhalt, so kann der Parkinson-Kranke durch Beklopfen der Blasengegend versuchen, die Harnentleerung auszulösen. In manchen Fällen ist es für eine bestimmte Zeit auch nötig, dass die Blase regelmäßig katheterisiert wird. Dies kann der Betroffene selbst erlernen, wenn er ausreichend beweglich dafür ist. Ist die Entleerungsstörung der Blase für eine längere Zeit wahrscheinlich, wird ein so genannter suprapubischer (oberhalb des Schambeins liegender) Katheter gelegt.

Medikamentös soll vor allem die Überaktivität des Blasenschließmuskels herabgesetzt werden, hierfür können Anticholinergika, so genannte muskulotrophe Substanzen, Benzodiazepine, Baclofen oder Dantrolen eingesetzt werden.

Kreislaufstörungen

Hatte der Parkinson-Kranke vor Beginn seiner Erkrankung Bluthochdruck und wurde er deswegen medikamentös behandelt, so muss man beobachten, ob sich der Bluthochdruck nicht bereits durch die Parkinson-Krankheit normalisiert hat. Dies ist nicht selten der Fall. Denn sonst kann es zu niedrigem Blutdruck – orthostatische Hypotonie – kommen, wenn entsprechende Medikamente weitergegeben werden. Der Betroffene kann dann ebenfalls Beschwerden haben.

Wichtig bei Vorliegen einer solchen orthostatischen Hypotonie ist, dass die Betroffenen soweit möglich regelmäßig körperlich trainieren, ausreichend trinken und auch genügend Kochsalz zu sich nehmen. Sind Betroffene bettlägerig, so sollte das Bett mehrmals täglich zum Kopfende hin geneigt werden. Kreislauf anregend sind Trockenmassagen, Wechselduschen und auch angepasste Stützstrümpfe. Beim Aufstehen aus dem Liegen sollten sich die Betroffenen viel Zeit lassen. Medikamentös wird die Kreislaufstörung nur dann behandelt, wenn alle anderen Maßnahmen nicht greifen.

Schlafstörungen

Schlafstörungen können medikamentös, aber auch nicht-medikamentös beeinflusst werden. Grundsätzlich hilft oftmals Bewegung vor dem Schlafengehen. Betroffene sollten nicht zu später Stunde noch größere Mahlzeiten zu sich nehmen. Auch sollte auf übermäßigen Alkohol-, Kaffee- und Zigarettenkonsum verzichtet werden.

Wacht der Betroffene nachts auf, so helfen manchmal ein kleiner Spaziergang innerhalb der Wohnung oder etwas Musik zu hören und erst dann wieder ins Bett zu gehen, wenn die Müdigkeit erneut einsetzt. Hilfreich ist auch das Aufstehen möglichst immer zur gleichen Zeit, um den Schlaf-Wach-Rhythmus zu unterstützen. Tritt nachts eine Akinesie oder eine schmerzhafte Off-Phase-Dystonie auf, so können abends zusätzlich L-Dopa-Retardpräparate oder auch Dopaminagonisten mit längerer Wirkdauer gegeben werden. Haben die Betroffenen hingegen andere Dyskinesien, muss die dopaminerge Medikation reduziert werden. Bei depressiven Schlafstörungen werden diese oftmals durch eine antidepressive Therapie gebessert.

Als Schlafmittel sollten zunächst pflanzliche Mittel versucht werden. Baldrian, Hopfen oder Passionsblume zeigen vielfach eine gute Wirkung, sie haben zudem keine unerwünschten Wirkungen. Alle anderen Schlafmittel sollten unbedingt mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, denn diese Medikamente haben ein hohes Abhängigkeitspotential und können schnell missbraucht werden. Die Einnahme sollte zunächst zwei bis drei Wochen nicht überschreiten und sollte möglichst nur bei Bedarf anstatt regelmäßig durchgeführt werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.01.2013
  • Autor/in: Dr. med. Karen Strehlow, Ärztin und Fachzeitschriftenredakteurin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: R. Thümler, Morbus Parkinson - Ein Leitfaden für Klinik und Praxis, Springer Verlag Berlin Heidelberg, 2002