Folgeerkrankungen bei Morbus Parkinson: Depression

Bis zu 70 Prozent aller Parkinson-Patienten entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung eine Depression. Auch bei ihnen finden sich anfangs oftmals die klassischen Zeichen einer Depression: Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Verlust sozialer Kontakte.

Einerseits kann die Depression bei Menschen mit Morbus Parkinson durch die chemischen Veränderungen im Gehirn bedingt sein. Andererseits ist unabhängig davon das Auftreten einer Depression eine Reaktion auf die Krankheit selbst, denn durch die zum Teil starken körperlichen Einschränkungen empfinden die Erkrankten ihre Lebensqualität als herabgesetzt und können sich nur schwer damit abfinden.

Depression bei Parkinson-Patienten eher mild ausgeprägt

Die Depression bei Parkinson-Patienten ist im Vergleich zu Depressionen bei zum Beispiel psychiatrischen Kranken eher mild ausgeprägt. Es sind häufig zunächst ganz uncharakteristische Zeichen wie Appetitmangel, Gewichtsabnahme, Müdigkeit, Schlaflosigkeit oder auch nur Konzentrationsmangel, die ein Hinweis auf eine Depression sein können. Andere Zeichen wie Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, innere Leere und Schuldgefühle weisen schon deutlicher auf eine Depression hin.

Bei schwerer Depression kann es zu Pseudodemenz kommen

Die Depression kann insgesamt an akinetische Phasen gebunden sein oder aber auch unabhängig von der Bewegungseinschränkung chronisch oder phasenhaft auftreten. Bei schwerer Depression kann das gesamte Bild einer Demenz entstehen. Man spricht dann auch von einer Pseudodemenz, die sich nach Abklingen der Depression zurückbildet.

Symptome der Grunderkrankung wie die verarmte Mimik und die verlangsamten Bewegungen können eine depressive Stimmungslage vortäuschen. Symptome wie allgemeine Interesselosigkeit, Konzentrationsmangel und Verlangsamung können auch bei nichtdepressiven Parkinson-Patienten beobachtet werden.

Behandlung der Depression

Wichtig ist in erster Linie, dass der Parkinson-Patient von seinen Angehörigen in seiner Traurigkeit ernst genommen wird und Zuwendung erfährt. So sollte er bei Depression verstärkt in das Familienleben einbezogen und keinesfalls alleine gelassen werden. In depressiven Phasen kann die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme gestört sein, deshalb muss sie gerade dann sorgfältig kontrolliert werden.

Medikamentös sollte die Parkinson-Therapie dann optimiert werden, wenn die Depression verstärkt in Phasen schlechter Beweglichkeit auftritt. Wenn die verbesserte Therapie greift, sollte sich normalerweise auch die Depression bessern.

Der MAO-B-Hemmer Selegilin hat eine schwache antidepressive Wirkung, die bei der Einstellung mit Parkinson-Medikamenten ausgenutzt werden kann. Mit MAO-A-Hemmern darf er nicht kombiniert werden. Auch der Dopaminagonist Pramipexol verfügt über eine antidepressive Wirkung, die oft in frühen Stadien die depressiven Symptome bessern kann. Insgesamt werden bei depressiven Parkinson-Patienten bevorzugt sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) oder auch MAO-A-Hemmer eingesetzt.

Therapie mit SSRI erfordert eine strenge ärztliche Kontrolle

Grundsätzlich können die SSRI einfach dosiert werden und haben geringe Nebenwirkungen. Es kann sich allerdings bei diesen allein oder in Kombination mit MAO-A-Hemmern ein sogenanntes „Serotoninsyndrom“ entwickeln. Die Erkrankten haben dann Wahrnehmungs- und Denkstörungen, Koordinationsstörungen, Schwitzen und Zittern und die Parkinson-Symptome können sich zusätzlich verschlechtern. Deshalb ist bei der Therapie mit SSRI eine strenge ärztliche Kontrolle ausgesprochen wichtig. Die Symptome verschwinden nach Absetzen der Medikamente wieder. Sind die Betroffenen antriebsschwach oder motorisch unruhig (agitiert), muss das bei der Therapie entsprechend berücksichtigt werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.01.2013
  • Autor/in: Dr. med. Karen Strehlow, Ärztin und Fachzeitschriftenredakteurin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: R. Thümler, Morbus Parkinson - Ein Leitfaden für Klinik und Praxis, Springer Verlag Berlin Heidelberg, 2002
  • http://www.parkinson-vereinigung.de/#!die-krankheit
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