Morbus Crohn: Ursachen

Bei Morbus Crohn ist es schwierig, die Ursachen zu benennen. Sie sind bisher nicht sicher geklärt. Gleichwohl ist der Krankheitsmechanismus inzwischen weitgehend bekannt: Darmspezialisten gehen davon aus, dass es sich um eine genetisch determinierte Erkrankung handelt. Das bedeutet, es gibt eine Veranlagung für Morbus Crohn. Der Lebensstil, die Ernährung oder psychische Faktoren spielen als Ursache der Erkrankung hingegen keine Rolle.

Barrierefunktion der Darmwand gestört

Lange Zeit ging man davon aus, dass es sich bei Morbus Crohn um eine krankhaft überschießende Antwort des Immunsystems handelt. Inzwischen ist jedoch klar, dass die Barrierefunktion der Darmwand gestört und die Abwehr gegen Darmbakterien geschwächt ist: So können Bakterien der normalen Darmflora in den Körper eindringen und zu einer Entzündungsreaktion führen.

Auch die Darmflora und Bakterien spielen eine Rolle

Diese genetische Komponente ist zwar ein entscheidender Faktor, aber nicht alleiniger Auslöser für Morbus Crohn. Bei etwa 20 Prozent der Betroffenen hat man eine Veränderung des NOD2-Gens gefunden, das für die Bakterienabwehr in der Darmschleimhaut zuständig ist. Auch im Bereich der vom Körper selbst hergestellten Verteidigung gegen Bakterien, den Defensinen, scheinen Störungen in der Produktion für die verminderte Abwehr mitverantwortlich zu sein. Bei den Defensinen handelt es sich um eine Stoffgruppe mit antibiotischer Wirkung.

Offensichtlich spielt auch die Beschaffenheit der Darmflora eine wesentliche Rolle. Man hat herausgefunden, dass sich bei Tieren die Entzündung zurückbildet, sobald man das Darmlumen keimfrei hält, also jegliche Bakterien abtötet. Dies ist beim Menschen natürlich nur bedingt möglich. Gute Erfolge lassen sich zum Beispiel mit einem künstlichen Darmausgang (Stoma) erzielen, weil der dahinterliegende Darmabschnitt zur Ruhe kommt.

Auch Breitspektrum-Antibiotika zeigen gute Erfolge, sie sind jedoch nicht zur dauerhaften Therapie geeignet. Möglicherweise sind bei Morbus Crohn auch Probiotika, die mit dem Bakterium Lactobacillus casei angereichert sind, hilfreich.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.02.2017
  • Autor/in: Günter Löffelmann, Diplom-Biologe und Medizinjournalist; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Dr. Thomas Ochsenkühn, CED-Ambulanz Klinikum Großhadern, München: Interviews, 2007
  • Leitlinien der DGVS: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Stand 2007
  • Dr. Hans Herfarth, Innere Medizin I, Uni Regensburg: Medizinische Online-Ringvorlesung
  • Lichtenstein G.R., Mac Dermott R.P.: Crohn's Disease: Advances in Treatment.
  • Interview mit Dr. Anja Grabig, Ärztin an der Charité (Campus Virchow-Klinikum) Medizinische Klinik mit dem Schwerpunkt Hepatologie, Gastroenterologie, Endokrinologie, 2007
  • Interview mit einer Betroffenen über ihr Leben mit Morbus Crohn, 2007
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