Behandlung des Morbus Crohn mit Immunsuppressiva und Antikörpern

Immunsuppressiva spielen in der Therapie von Morbus Crohn eine immer wichtigere Rolle: Sie werden immer häufiger und früher eingesetzt. Immunsuppressiva sind Medikamente, die die Aktivität des körpereigenen Abwehrsystems dämpfen.

Immunsuppressiva können Kortison oft ersetzen

Die umfangreichsten Erfahrungen gibt es heute mit dem Wirkstoff Azathioprin beziehungsweise dessen eigentlich wirksamem Stoffwechselprodukt 6-Mercaptopurin (6-MP). Bei rund zwei Drittel der Patienten kann damit die Entzündung gestoppt und die Gabe von Kortison verringert oder ganz abgesetzt werden.

Die meisten Patienten vertragen Azathioprin gut. Selten treten Fieber, Exantheme, Gelenk- und Muskelbeschwerden auf. In diesen Fällen wird der Arzt entweder auf 6-MP oder ein anderes Immunsuppressivum – zum Beispiel Methotrexat – ausweichen.

Antikörper sind eine Alternative

Da die Wirkung von Azathioprin erst nach drei bis sechs Monaten einsetzt, muss ein etwaiger Schub zeitgleich mit Kortison-Präparaten behandelt werden. Wo dies nicht möglich ist oder Kortison keine Wirkung hat, versucht man die Beschwerden mit einem TNF-Antikörper – sprich einem Tumornekrosefaktor-Antikörper wie Infliximab oder Adalimumab – zu kontrollieren.

Immunsuppressiva und Antikörper kommen auch zur begleitenden Therapie von Fisteln infrage. Antikörper werden intravenös oder subkutan (unter die Haut) verabreicht – meistens im Krankenhaus, da sie allergische Reaktionen hervorrufen können, auf die sofort reagiert werden muss.

Außerdem sollten Patienten, die eine Kombination von Antikörpern und Thiopurinpräparaten erhalten, regelmäßig auf bösartige Tumore untersucht werden. Besonders die Neigung zur Bildung spezieller Leber- und Hauttumore fällt gelegentlich unter dieser Therapie auf. Sonnenschutz für die Haut ist ebenfalls empfehlenswert.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.02.2017
  • Autor/in: Günter Löffelmann, Diplom-Biologe und Medizinjournalist; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Dr. Thomas Ochsenkühn, CED-Ambulanz Klinikum Großhadern, München: Interviews, 2007
  • Leitlinien der DGVS: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Stand 2007
  • Dr. Hans Herfarth, Innere Medizin I, Uni Regensburg: Medizinische Online-Ringvorlesung
  • Lichtenstein G.R., Mac Dermott R.P.: Crohn's Disease: Advances in Treatment.
  • Interview mit Dr. Anja Grabig, Ärztin an der Charité (Campus Virchow-Klinikum) Medizinische Klinik mit dem Schwerpunkt Hepatologie, Gastroenterologie, Endokrinologie, 2007
  • Interview mit einer Betroffenen über ihr Leben mit Morbus Crohn, 2007
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