Morbus Crohn: Prognose

Der Morbus Crohn ist im Prinzip unheilbar. Anders als die Colitis ulcerosa lässt er sich auch nicht operativ ausschalten, da der gesamte Verdauungstrakt befallen sein kann und eine Entfernung erkrankter Abschnitte nicht selten zu erneuten Entzündungen an anderer Stelle führt. Patienten müssen sich daher in den meisten Fällen auf ein lebenslanges Auf und Ab einrichten – mit beschwerdefreien Zeiten und Phasen hoher Krankheitsaktivität.

Auch milde Verläufe sind möglich

Allzu verständlich ist der Wunsch, eine Aussage über den Verlauf der Erkrankung zu erhalten. So fragen sich viele Betroffene, ob sie mit einer Operation rechnen müssen oder ob in Folge der chronischen Entzündung durch Morbus Crohn Krebs entstehen könnte.

Allgemeingültige Prognosen lassen sich aufgrund der Komplexität der Erkrankung allerdings nur schwer stellen. Es gibt jedoch Erkenntnisse, die zumindest einige statistische Anhaltspunkte liefern:
  • Milde Verläufe beobachten Ärzte häufig bei Patienten mit einem ausschließlichen Befall des letzten Dünndarmabschnitts oder einem sehr begrenzten Befall des Dickdarms. Werden die entzündeten Bereiche entfernt, hat der Patient oft jahrelang keine Symptome und kann ohne Medikamente leben.
  • Im ersten Jahr nach der Diagnose benötigen rund 33 Prozent aller Patienten eine Operation, später sinkt der Anteil der operierten Patienten auf drei Prozent pro Jahr.
  • Nach zehn Jahren Erkrankung sind 45 Prozent der Patienten nicht operiert, 42 Prozent haben eine Operation hinter sich, 13 Prozent zwei oder mehrere Operationen.
  • Das Krebsrisiko scheint gegenüber der „Normalbevölkerung“ leicht erhöht zu sein. Allerdings erlaubt die Datenlage keine statistisch sichere Aussage.
  • Einige Schätzungen besagen, dass rund zehn Prozent der Patienten arbeitsunfähig werden und Frührente beantragen müssen. Geprüfte Zahlen gibt es dazu allerdings nicht.
  • Menschen mit Morbus Crohn haben eine normale Lebenserwartung.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.02.2017
  • Autor/in: Günter Löffelmann, Diplom-Biologe und Medizinjournalist; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter; Ärztin
  • Quellen: Dr. Thomas Ochsenkühn, CED-Ambulanz Klinikum Großhadern, München: Interviews, 2007
  • Leitlinien der DGVS: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Stand 2007
  • Dr. Hans Herfarth, Innere Medizin I, Uni Regensburg: Medizinische Online-Ringvorlesung
  • Lichtenstein G.R., Mac Dermott R.P.: Crohn's Disease: Advances in Treatment.
  • Interview mit Dr. Anja Grabig, Ärztin an der Charité (Campus Virchow-Klinikum) Medizinische Klinik mit dem Schwerpunkt Hepatologie, Gastroenterologie, Endokrinologie, 2007
  • Interview mit einer Betroffenen über ihr Leben mit Morbus Crohn, 2007
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