Morbus Crohn: Mögliche Komplikationen

Morbus Crohn kann – anders als Colitis ulcerosa – grundsätzlich in allen Regionen des Verdauungstrakts auftreten. Der Befall ist typischerweise nicht auf einen Abschnitt begrenzt – das heißt, entzündete und gesunde Abschnitte wechseln sich ab. Ein weiterer Unterschied zur Colitis ulcerosa: Beim Morbus Crohn können sämtliche Wandschichten der Darmwand erkrankt sein.

Es kann häufig zu Vernarbungen im Verdauungstrakt (Stenose) kommen. Bei rund zehn bis 15 Prozent der Patienten bilden sich Gänge in das benachbarte Gewebe (Fisteln). Auch eine Eiteransammlung (Abszess) ist möglich.

Stenose: Oft ist eine Operation notwendig

Wenn bei Morbus Crohn die Schleimhautentzündungen abheilen, verbleiben oftmals Narben. In gravierenden Fällen kann diese Narbenbildung derart ausgeprägt sein, dass sie den Hohlraum einengt (Stenose). Dies kann den Transport des Nahrungsbreis behindern. Im schlimmsten Fall ist der Darmabschnitt völlig blockiert – es kommt zu einem Darmverschluss (Ileus). Meistens schafft bei Stenosen nur eine Operation dauerhaft Abhilfe.

Fistelbildung: Nicht natürliche Gänge vom Darm in die Blase oder Scheide möglich

Wenn sich beim Morbus Crohn die Entzündung immer tiefer ins Gewebe frisst, können nicht natürliche Gänge entstehen. Kommt ein derartiger Gang mit einer anderen Darmschlinge oder einem Hohlorgan wie der Harnblase oder der Scheide in Kontakt, so kann eine Verbindung zwischen diesen beiden Räumen entstehen. Mediziner bezeichnen diese Verbindung auch als Fistel. Über diese Verbindungen kann Eiter oder Stuhl in angrenzende Hohlorgane wie Harnblase oder Scheide gelangen.

Fisteln werden ausgeleitet

Fisteln machen sich daher auch über einen Stuhlabgang über die Scheide oder den Urin bemerkbar. Manchmal führen Fisteln auch nach draußen an die Körperoberfläche. Ärzte versuchen bei Fisteln, den Eiter über Drainagefäden auszuleiten und die Fisteln heilen zu lassen. Manchmal hilft aber nur eine Operation.

Abszess: Drainage als Therapie

Ein Abszess entsteht, wenn absterbende Zellen eitergefüllte Hohlräume hinterlassen. Sie bilden sich bei Morbus Crohn vorwiegend im Analbereich und können sehr schmerzhaft sein. Der Eiter kann über eine Drainage abgeleitet werden. In manchen Fällen tritt der Abszess jedoch immer wieder auf, sodass der Arzt eine Operation erwägen wird.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.02.2017
  • Autor/in: Günter Löffelmann, Diplom-Biologe und Medizinjournalist; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Dr. Thomas Ochsenkühn, CED-Ambulanz Klinikum Großhadern, München: Interviews, 2007
  • Leitlinien der DGVS: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Stand 2007
  • Dr. Hans Herfarth, Innere Medizin I, Uni Regensburg: Medizinische Online-Ringvorlesung
  • Lichtenstein G.R., Mac Dermott R.P.: Crohn's Disease: Advances in Treatment.
  • Interview mit Dr. Anja Grabig, Ärztin an der Charité (Campus Virchow-Klinikum) Medizinische Klinik mit dem Schwerpunkt Hepatologie, Gastroenterologie, Endokrinologie, 2007
  • Interview mit einer Betroffenen über ihr Leben mit Morbus Crohn, 2007
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