Migräne vorbeugen: Selbsthilfe und Medikamente

Yoga und Ausdauersport kann Migräneanfällen vorbeugen. Ein Kopfschmerztagebuch hilft, Migräneauslöser zu erkennen. Wenn das nicht hilft, gibt es prophylaktische Medikamente gegen Migräne.

Das Kopfschmerztagebuch: Lernen Sie Ihre Auslöser kennen

Um neue Migräneattacken zu verhindern, kann ein Kopfschmerztagebuch helfen. So finden Sie heraus, in welchen Situationen Ihre Migräne auftritt und was mögliche die Auslöser sind.

Notieren Sie mehrere Wochen lang, wann Sie einen Migräneanfall erleiden, ebenso wie:
  • Essensgewohnheiten,
  • Aktivitäten,
  • Wetter,
  • Emotionen wie Ärger und Freude und
  • Besonderheiten am Arbeitsplatz.

Sie sollten das Tagebuch so lang führen, bis Sie mehrere Migräne-Tage erfasst und Gemeinsamkeiten festgestellt haben. Möglicherweise kennen Sie dann Ihre persönlichen Auslöser, können diese meiden und so neue Migräneattacken verhindern.

Mit Entspannung der Migräne vorbeugen

Treten die Kopfschmerzen beispielsweise häufig bei Stress auf, kann folgendes helfen: Entspannungsübungen wie progressive Muskelentspannung, Massagen, autogenes Training oder Yoga. Auch lockerer Ausdauersport wirkt entspannend und kann, regelmäßig betrieben, die Zahl der Migräneanfälle reduzieren.

Vorbeugend wirkt häufig auch eine psychologische Schmerztherapie. Zusammen mit einem Therapeuten behandeln Sie Themen wie Schmerzbewältigung, Stressmanagement und erlernen Entspannungsmethoden.

Prophylaxe von Migräne mit Medikamenten

Reichen diese Methoden nicht aus, etwa bei häufigen Migräneattacken oder Migräneattacken mit ausgeprägten Beschwerden oder anhaltender Aura, können Medikamente zur Vorbeugung eingesetzt werden. Allerdings sollten Sie Ihr Verhalten trotzdem entsprechend anpassen.

Die Auswahl eines Migräneprophylaktikums orientiert sich an der Häufigkeit der Attacken, den Begleiterkrankungen und individuellen Bedürfnissen des Betroffenen. Am besten belegt ist die vorbeugende Wirkung der Betablocker Metoprolol und Propranolol, des Kalziumantagonisten Flunarizin und der Antikonvulsiva Topiramat und Valproinsäure und von Amitriptylin.

Allerdings sollte Valproinsäure nicht bei Frauen im gebärfähigen Alter ohne sichere Verhütungsmethode eingesetzt werden. Ebenfalls wirksam, aber weniger gut untersucht sind der Betablocker Bisoprolol, Angiotensinrezeptorblocker und Sartane. Bei chronischer Migräne helfen Topiramat und OnabotulinumtoxinA.

Neue Medikamente zur Migränevorbeugung

Neue Hoffnung für Menschen mit häufigen Migräneattacken bieten außerdem zwei neue Wirkstoffe – die Antikörper Erenumab und Galcanezumab. Sie sind allerdings noch in der klinischen Test- und Zulassungsphase. 

Die Antikörper Erenumab und Galcanezumab wirken fast gleich: Sie binden an das entzündungsfördernde und gefäßerweiternde Neuropeptid CGRP. Einmal im Monat unter die Haut gespritzt, reduzieren die Wirkstoffe die Zahl der Migräneanfälle deutlich. Kommt es zu einer Attacke, fällt sie milder aus als ohne die vorbeugende Spritze.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.08.2018
  • Autor/in: Elisabeth Kanz, Apothekerin und Fachjournalistin für Medizin und Pharmazie; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG): S1-Leitlinie: Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne (2018); gültig bis Januar 2021.
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