Migräne: Ursachen und Risikofaktoren

Über die Ursachen und Entstehung der Migräne existieren verschiedene Theorien – vollständig geklärt sind die Ursachen der Kopfschmerzerkrankung bisher nicht. Klar ist, dass bei der Entstehung der Migräne erbliche Faktoren eine Rolle spielen können. Eine Studie aus dem Jahr 2016 erkannte den Einfluss bestimmter Genvarianten, die an der Entstehung von Migräneattacken maßgeblich beteiligt sind.

Bestimmte Genvarianten stören das Blutkreislaufsystem im Gehirn

In einer umfangreichen Migränestudie, die im Jahr 2016 veröffentlicht wurde, machten die Forscher neue Entdeckungen, die darauf hinweisen, dass eine Störung der Blutversorgung im Gehirn wesentlich für die Entstehung von Migräne ist. Doch warum ist sie gestört? Die Wissenschaftler erkannten 44 Genvarianten auf 38 Genen, die mit einem erhöhten Risiko verbunden sind, an Migräne zu erkranken. Viele dieser Genvarianten befinden sich in den Bereichen des Erbguts, die das Blutkreislaufsystem des Gehirns regulieren.

Kurz gesagt: Sind die entsprechenden Genvarianten auf bestimmten Chromosomen vorhanden, ist das Risiko höher, dass die Blutversorgung zeitweise im Gehirn gestört ist und es dadurch zu Migräneattacken kommt. 

„Die Daten unserer Studie belegen erstmals, dass die Reaktionsweise der Arterien und der glatten Muskulatur in den Gefäßwänden des Blutkreislaufsystems wesentlich für die Migräneentstehung ist.“ Dabei spiele die genetische Disposition eine entscheidende Rolle als Auslöser für die zeitweise Störung der Versorgung und somit für die Migräneattacken, sagt Prof. Hartmut Göbel, Direktor der Schmerzklinik Kiel und Co-Autor der Studie.

Theorie: neurogene Entzündungen als Ursache

Laut dieser Lehrmeinung beginnt ein Migräneanfall mit einer Überaktivität von Nervenzellen im Hirnstamm. Dadurch empfängt der Trigeminus-Nerv Schmerzsignale aus den Blutgefäßen des Gehirns. Als Reaktion werden die Blutgefäße durch Botenstoffe geweitet. Dadurch werden die Blutgefäßwände durchlässig für bestimmte Blutbestandteile. Diese lösen in unmittelbarer Umgebung der Blutgefäße vorübergehend eine schmerzhafte Entzündung aus. Man nennt diese Entzündung „neurogene Entzündung", weil sie nicht durch Bakterien oder Viren, sondern durch Nervenreize hervorgerufen wird.

Vaskuläre Theorie zur Entstehung der Migräne

Auch bei der vaskulären Theorie geht man davon aus, dass die Erweiterung von Blutgefäßen im Kopf eine Rolle bei der Entstehung der Migräne spielt. Dieses Anschwellen der Gefäße wird jedoch direkt für den Schmerz verantwortlich gemacht, nicht darauf folgende Entzündungen.

Serotonin als Ursache der Migräne

Die Serotonin-Theorie ist ein weiterer Versuch, die Ursachen der Migräne zu klären. Man geht davon aus, dass ein Migräneanfall mit einer vermehrten Ausschüttung von Serotonin beginnt. Das hat zur Folge, dass sich die Blutgefäße zusammenziehen. In diesem Stadium ist die Auraphase angesiedelt. Anschließend wird das vermehrt freigesetzte Serotonin im Gehirn schnell abgebaut, ein Serotonin-Mangel entsteht. Dies führt zu einer schmerzhaften Gefäßerweiterung.

Weitere Theorien, wie die neurologisch-verhaltensmedizinische Migränetheorie sehen die Ursachen der Migräne in einer angeborenen Besonderheit bei der Reizverarbeitung im Gehirn. Bei den betroffenen Personen steht das Gehirn ständig unter Hochspannung. Schon kleinste Auslöser, wie etwa Stress, setzen dann die Migräne in Gang.

Auslöser und Risikofaktoren der Migräne

Bestimmte Lebensgewohnheiten, die Einnahme von Medikamenten, Belastungs- oder Entspannungssituationen, zu viel oder zu wenig Schlaf, ausgelassene Mahlzeiten sowie hormonelle Einflüsse (Menstruation, die „Pille“) zählen zu den Auslösern der Migräne. Selbst Nahrungsmittel wie Rotwein oder Käse oder weniger Kaffee beziehungsweise Koffein als sonst können einen Anfall verursachen. Jeder Patient reagiert anders. Mit einem Kopfschmerzkalender lassen sich die persönlichen Auslöser der Migräne leichter ermitteln.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.08.2018
  • Autor/in: Elisabeth Kanz, Apothekerin und Fachjournalistin für Medizin und Pharmazie; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Das TRIAS-Handbuch "Richtig selbst behandeln", TRIAS-Verlag, 2007
  • Kommission Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Zusammenarbeit mit der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG): S1-Leitlinie: Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne (2018); gültig bis Januar 2021.
  • Meta-analysis of 375,000 individuals identifies 38 susceptibility loci for migraine (2016). Padhraig Gormley, Verneri Anttila, Bendik S Winsvold et al. Nature Genetics https://www.nature.com/articles/ng.3598
  • Pressemitteilung der Schmerzklinik Kiel vom 20.06.2016: Weltweit größte Migränestudie entdeckt 44 neue genetische Schlüssel der Migräne.
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