Medikamentensucht: Schmerzmittel

ASS, Paracetamol, Ibuprofen – etliche Wirkstoffe zur Behandlung von Schmerzen sind rezeptfrei erhältlich. Das erhöht bei diesen Schmerzmitteln die Gefahr, einen Medikamentenmissbrauch zu entwickeln.

Schmerzmittel © Thinkstock

Schmerztabletten sind oft Kombinationspräparate

Wirkstoffe wie ASS, Ibuprofen oder Paracetamol werden nicht nur in Schmerztabletten mit ihnen als alleinigem Wirkstoff angeboten, sondern oft auch in Kombination – beispielsweise mit Koffein. Dann hat man nach der Einnahme einer Schmerztablette auch noch einen aufputschenden Effekt, „der Kopf ist wieder frei“ und man fühlt sich insgesamt wohler. Dieser Effekt verleitet zum häufigen Gebrauch, beziehungsweise auch leicht zum Missbrauch. Eine körperliche Abhängigkeit, wie sie etwa bei Opiaten und Opioiden möglich ist, verursachen diese Schmerzmittel jedoch nicht.

Beispiel Paracetamol: Überdosierungen können tödlich sein

Wie aus Untersuchungen hervorgeht, ist Paracetamol in Großbritannien und auch in den USA die häufigste Ursache für akutes Leberversagen, wobei etwa die Hälfte der Vergiftungen unbeabsichtigt passiert. Was viele nicht wissen: Bereits die Einnahme von zirka 12 Tabletten Paracetamol 500 Milligramm auf einmal – also sechs Gramm des Wirkstoffes – kann tödlich sein. Für Kinder gelten entsprechend geringere Mengen. Um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen: Paracetamol ist in empfohlener Dosierung ein gutes, wirksames und nebenwirkungsarmes Schmerzmittel, daher ist es auch frei verkäuflich. Aber die Menge ist – wie so oft – entscheidend.

Ständige Anwendung: die schleichende Gefahr

Die tägliche Einnahme von Schmerzmitteln kann rasch zur Gewohnheit werden. Besonders Patienten mit Schmerzen des Bewegungsapparates kommen ohne ihre tägliche Ration an Schmerzmitteln oft gar nicht mehr in Gang. Schmerztherapeuten weisen immer wieder darauf hin, dass Deutschland im internationalen Vergleich ein Entwicklungsland in der Schmerzbehandlung ist. Wenn keine fundierte Schmerztherapie durchgeführt wird, versuchen viele Patienten, sich mit freiverkäuflichen oder sogar im Ausland beschafften Medikamenten selbst zu helfen.

Viele Schmerzmittel schädigen den Körper auf vielfältige Weise bei ständigem Gebrauch, belasten die Organe, erhöhen das Risiko für innere Blutungen, verlängern die Blutungszeit, können Asthmaanfälle hervorrufen und Benommenheit, Schwindel und Verwirrtheit auslösen.

Schmerzmittel können Schmerz verursachen

Auch gegen Kopfschmerzen werden häufig Schmerzmittel eingenommen. Ab einer bestimmten Menge und Häufigkeit kehrt sich die Situation allerdings manchmal um: Dann sind die Schmerzmittel die Auslöser von Kopfschmerzen – man spricht von „medikamenteninduziertem Kopfschmerz“.

Oftmals ist es sehr schwierig, aus der gewohnheitsmäßigen Einnahme von Kopfschmerztabletten und dem damit verbundenen Teufelskreis wieder auszubrechen. Wer dies allein nicht schafft, sollte sich dafür ärztliche Unterstützung suchen. Außerdem ist es häufig nötig, eine gründliche Diagnostik vorzunehmen, um herauszufinden, warum die Schmerzen überhaupt bestehen. Erst dann kann eine gezielte Schmerztherapie eingeleitet werden, falls diese notwendig ist.
TIPP
Wenn Sie häufiger mal zu Schmerzmitteln greifen müssen, verwenden Sie Medikamente mit nur einem Wirkstoff (Monopräparate). Wenn sie täglich Schmerzmittel benötigen, nehmen Sie solche nur in Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt ein. Dann können Präparate ausgewählt und auch verschrieben werden, die speziell für Sie und auch für den Dauergebrauch geeignet sind.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.12.2014
  • Autor/in: Dr. med. Beate-Maria Effertz, Ärztin, Charité, Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, Band 38, Supp.1. September 2005, S. 45-48
  • Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, Themenschwerpunkt: Arzneimittelbehandlung im Alter. Band 38 Heft 3, Juni 2005
  • K. U. Mayer und P. B. Baltes: Berliner Altersstudie, Akademie Verlag 2002
  • Renteln-Kruse: Medizin des Alterns und des alten Menschen, Steinkopff Verlag 2004
  • Praxisleitfaden Suchtmedizin des Suchtausschusses der Landesärztekammer Thüringen, Link: http://www.laek-thueringen.de/wcms/bildbez/RM.20040825.153328.677439/$File/Leitfaden-Suchtmedizin+-+aktuelle+Fassung.pdf?OpenElement
  • Majic T, Pluta JP, Mell T et al., Pharmakotherapie bei neuropsychiatrischen Symptomen bei Demenz. Dtsch Ärztebl Int 2010; 107(18): 320-7
  • Psychiatry, The American Geriatrics Society and American Association for Geriatric Psychiatry recommendations for policies in support of quality mental health care in U.S. nursing homes. J Am Geriatr Soc. 2003 Sep;51(9):1299-304
  • Larson A. M. et al., Acetaminophen-induced acute liver failure: results of a United States multicenter, prospective study. Hepatology. 42, Nr. 6, 2005, S. 1364–1372. PMID 16317692.
  • Rote Liste: Fachinfo Paracetamol 500mg Tabletten, Rote Liste Service GmbH, FachInfo-Service, Postfach 11 01 71, 10831 Berlin
  • Rainer H. Bubenzer, Das Ende der Schmerzmittel-Nierenschäden, www.dialyse.de, Januar 2008, Link: http://www.dialyse.de/news/200801-Das-Ende-der-Schmerzmittel-Nierenschaeden.htm
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