Schlaf- und Beruhigungsmittel: Rasche Abhängigkeit

Die am häufigsten verschriebenen Entspannungs- und Schlaftabletten enthalten als Wirkstoff Benzodiazepine. Ihr Einsatz ist berechtigt bei der Behandlung von epileptischen Anfällen, zur Einleitung einer Narkose oder zur Beruhigung vor operativen und diagnostischen Eingriffen – zum Beispiel vor einer Magenspiegelung.

Häufig werden diese Medikamente jedoch auch bei weniger schwerwiegenden allgemeinen Befindlichkeitsstörungen wie Nervosität, Überlastung und Erschöpfung verwendet.

Doch bei der Einnahme ist Vorsicht geboten, denn Benzodiazepine erzeugen bereits nach sehr kurzer Zeit von knapp zwei bis vier Wochen eine körperliche Abhängigkeit. Setzt ein Patient nach längerem Konsum die Tabletten einfach ab, können Schlafstörungen, starke Erregung mit innerer Unruhe sowie schwere Angst- und Spannungszustände bis hin zu Selbstmordgedanken auftreten. In Deutschland nehmen ein bis zwei Prozent der Erwachsenen mindestens ein Jahr lang täglich ein solches Mittel. Die größte Konsumentengruppe sind dabei ältere Frauen.

Schlaftabletten haben zahlreiche Nebenwirkungen

Schlaftabletten haben neben der beruhigenden und schlaffördernden Wirkung leider auch zahlreiche, zum Teil schwerwiegende Nebenwirkungen.

Unerwünschte Wirkungen können Müdigkeit, Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit, Muskelschwäche, Benommenheit, Schwindelgefühl und Nachlassen sexueller Bedürfnisse sein. Schlaftabletten wirken zwar schlafanstoßend, die Schlafqualität verschlechtert sich jedoch.

Da einige der Benzodiazepine eine lange Halbwertszeit haben, also nur sehr langsam im Körper abgebaut werden, kann sich eine größere Menge Benzodiazepine im Körper anreichern. Dann sind nicht selten Gedächtnisstörungen und eine verminderte Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit zu beobachten. Die Fahrtüchtigkeit und Arbeitsfähigkeit ist erheblich eingeschränkt. Bei zu starker Muskelentspannung und zusätzlich herabgesetzter Reaktionsfähigkeit sind folgenreiche Stürze und Unfälle häufig. Viele Oberschenkelhalsbrüche sind letztlich auf einen Schlaftablettenmissbrauch zurückzuführen.

Alkohol kann die lang- und kurzfristigen Nebenwirkungen wie Benommenheit, verlangsamte Reaktionsfähigkeit, Konzentrationsstörungen und Schläfrigkeit verstärken. Als Folge der Einnahme von Schlafmitteln können gerade bei älteren Menschen auch paradoxe Reaktionen wie Erregung und Verwirrtheit auftreten.

Missbrauch und Abhängigkeit

Die Langzeitfolgen und Probleme, die die Abhängigkeit von Benzodiazepinen mit sich bringt, sind nicht zu unterschätzen. Neben einer verminderten Leistungsfähigkeit kommt es meist zur Einschränkung des Soziallebens, die sexuellen Bedürfnisse nehmen ab und nicht selten treten Beziehungsprobleme auf, die bis zum Verlust des Partners führen können. Hinzu kommt, dass ein Absetzen des Präparats mit quälenden Entzugserscheinungen einhergeht, die sich in einem klassischen Entzugsdelirium oder einer Entzugspsychose mit Krampfanfällen äußern können.

Da Schlafmittel aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine sehr häufig verschrieben werden, stehen sie mit Abstand an der Spitze der missbrauchten Medikamente in Deutschland und den meisten westlichen Industrieländern.

Häufig verschriebene Benzodiazepine sind zum Beispiel: Bromazepam, Brotizolam, Diazepam, Flunitrazepam, Lormetazepam, Lorazepam, Nitrazepam, Oxazepam, Temazepam, Tetrazepam und Triazolam. Die Wirkstoffe unterscheiden sich teils beträchtlich bezüglich ihrer Wirkungsdauer und ihrer muskelentspannenden Eigenschaften.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.12.2014
  • Autor/in: Dr. med. Beate-Maria Effertz, Ärztin, Charité, Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet;
  • Quellen: Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, Band 38, Supp.1. September 2005, S. 45-48
  • Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, Themenschwerpunkt: Arzneimittelbehandlung im Alter. Band 38 Heft 3, Juni 2005
  • K. U. Mayer und P. B. Baltes: Berliner Altersstudie, Akademie Verlag 2002
  • Renteln-Kruse: Medizin des Alterns und des alten Menschen, Steinkopff Verlag 2004
  • Praxisleitfaden Suchtmedizin des Suchtausschusses der Landesärztekammer Thüringen, Link: http://www.laek-thueringen.de/wcms/bildbez/RM.20040825.153328.677439/$File/Leitfaden-Suchtmedizin+-+aktuelle+Fassung.pdf?OpenElement
  • Majic T, Pluta JP, Mell T et al., Pharmakotherapie bei neuropsychiatrischen Symptomen bei Demenz. Dtsch Ärztebl Int 2010; 107(18): 320-7
  • American Geriatrics Society; American Association for Geriatric Psychiatry, The American Geriatrics Society and American Association for Geriatric Psychiatry recommendations for policies in support of quality mental health care in U.S. nursing homes. J Am Geriatr Soc. 2003 Sep;51(9):1299-304
  • Larson A. M. et al., Acetaminophen-induced acute liver failure: results of a United States multicenter, prospective study. Hepatology. 42, Nr. 6, 2005, S. 1364–1372. PMID 16317692
  • Rote Liste: Fachinfo Paracetamol 500mg Tabletten, Rote Liste Service GmbH, FachInfo-Service, Postfach 11 01 71, 10831 Berlin
  • Rainer H. Bubenzer, Das Ende der Schmerzmittel-Nierenschäden, www.dialyse.de, Januar 2008, Link: http://www.dialyse.de/news/200801-Das-Ende-der-Schmerzmittel-Nierenschaeden.htm
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung
  • afgis-Qualitätslogo mit Ablauf 2015/11: Mit einem Klick auf das Logo öffnet sich ein neues Bildschirmfenster mit Informationen über vitapublic GmbH und sein/ihr Internet-Angebot: www.vitanet.de
  • Logo der Health On the Net Stiftung. das Gesundheitsportal vitanet.de ist von der Health On the Net Stiftung (HON) akkrediert. Zur Prüfung klicken Sie hier.
  • Logo der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW)
  • Logo der Arbeitsgemeinschaft Online Forschung e.v. (AGOF)