Antidepressiva: Kein Suchtpotenzial

Antidepressiva haben kein Suchtpotenzial. Sie werden häufig verschrieben, aber selten missbraucht. Allerdings können sie unangenehme bis lebensgefährliche Nebenwirkungen haben und sollten wie jedes Medikament nur bedarfsgerecht und unter regelmäßiger Kontrolle eingenommen werden.

Der Einsatz von Antidepressiva

Antidepressiva sind eine Gruppe von Psychopharmaka, die vor allem gegen Depressionen eingesetzt wird. Sie können die Symptome zum Teil deutlich lindern und spielen vor allem in der Behandlung von mittelschweren und schweren depressiven Episoden eine wichtige Rolle.

Dass Antidepressiva so häufig verschrieben und eingenommen werden, spiegelt in erster Linie die Tatsache wider, dass Depressionen sehr häufig sind: Fast jeder Fünfte in den westlichen Industrieländern ist mindestens einmal im Leben von einer depressiven Episode betroffen.

Antidepressiva machen nicht abhängig und süchtig

Antidepressiva haben kein Suchtpotential, sie machen nicht abhängig. Es entsteht kein Verlangen nach der Substanz und auch die Dosis muss nicht stetig gesteigert werden, denn der Körper entwickelt keine Toleranz gegenüber dem Wirkstoff. Zwar kann es zu einer körperlichen Absetzreaktion kommen, wenn die Einnahme abrupt beendet wird, doch dies reicht nicht, um den Antidepressiva ein Suchtpotential zuzusprechen.

Ebenso wenig wirken Antidepressiva nicht – wie häufig angenommen – euphorisierend, sie geben also keinen „Kick“. Sie wirken erst nach zwei bis vier Wochen stimmungsaufhellend und – je nach Präparat – zusätzlich beruhigend oder antriebssteigernd. Während der ersten Wochen kann es zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Unruhe oder Schwindel kommen. Antidepressiva werden deshalb in Deutschland selten missbraucht.

Absetzreaktion auf Antidepressiva

Wird ein Antidepressivum abgesetzt, treten keine klassischen Entzugserscheinungen auf. Dennoch kann das Absetzen bei allen Antidepressiva, aber insbesondere bei den SSRI (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer), zu Absetzreaktionen führen. Dazu gehört: Schwitzen, Übelkeit, Schwindel, Kopfschmerzen oder Ängste. Meist kommt es aber nur zu einem diffusen Unwohlsein.

Antidepressiva sollten deshalb nicht abrupt abgesetzt, sondern stets in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt und über einen längeren Zeitraum ausgeschlichen werden.

Antidepressiva: Langzeiteinnahme bedeutet keine Abhängigkeit oder Sucht

Eine Therapie mit Antidepressiva sollte mindestens sechs Monate andauern, auch wenn die depressive Symptomatik schon früher abgeklungen ist. Je nach Schwere und Häufigkeit der vorangegangenen depressiven Episoden wird empfohlen, die Medikamente bis zu zwei Jahre lang einzunehmen, um einen Rückfall zu verhindern (Rezidivprophylaxe). Dadurch kann das Risiko, nach dem Absetzen erneut an einer Depression zu erkranken, um zirka 70 Prozent gesenkt werden.

Wenn eine Depressionserkrankung chronisch geworden ist und der Patient ohne Medikamente einen hohen Leidensdruck verspürt, können Antidepressiva je nach Nebenwirkungen noch länger und sogar lebenslang eingenommen werden. Dies sollte nicht mit einer Abhängigkeit verwechselt werden, sondern ist der Schwere der Erkrankung geschuldet.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 15.10.2019
  • Autor/in: Dr. med. Beate-Maria Effertz, Ärztin, Charité, Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Medikamentenabhängigkeit. Suchtmedizinische Reihe Band 5. Online unter: www.dhs.de (aufgerufen am 08.10.2019)
  • Website der Deutschen Hauptstelle für Suchtanfragen: Substanzen und Stoffgruppen. Online unter: www.medikamente-und-sucht.de (aufgerufen am 08.10.2019)
  • S-3-Leitlinie zur Behandlung der Unipolaren Depression. Online unter: www.awmf.de (aufgerufen am 08.10.2019)
  • Website der Deutschen Hauptstelle für Suchtanfragen: Antidepressiva. Online unter: www.medikamente-und-sucht.de (aufgerufen am 08.10.2019)
  • C.L. Estler und H. Schmidt: Pharmakologie und Toxikologie. Schattauer, 6. Auflage, S.236-256
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