Magersucht (Anorexia nervosa): süchtig nach Hunger

Die Magersucht ist eine Essstörung, bei der die Betroffenen absichtlich stark an Gewicht verlieren oder ein Untergewicht aufrechterhalten. Sie tritt entweder als Nahrungsverweigerung, stark reduzierte Nahrungsaufnahme oder als Medikamentenmissbrauch, besonders mit Abführmitteln, Appetitzüglern oder Diuretika, auf.

Gabel mit Erbsen © Thinkstock

Übertriebener Schlankheitswunsch

Zwar bedeutet „Anorexie" im ursprünglichen Sinn „Appetitlosigkeit". Doch Betroffenen fehlt es nicht an Appetit, vielmehr ist ihr Essverhalten gestört. Mithilfe des veränderten Essverhaltens versuchen sie, ein emotionales Gleichgewicht herzustellen. Meistens finden sich bei Betroffenen viele Konflikte im privaten und vor allem im familiären Bereich. Auch das gesellschaftliche Schönheitsideal spielt eine große Rolle. Der Wunsch nach übertriebener Schlankheit verbunden mit der ständigen Angst zu dick zu werden, ist ein Kernaspekt dieser Erkrankung. Wer beispielsweise durch Diäten zum ersten Mal in Kontakt mit der Droge „Hunger" kommt, läuft Gefahr, abhängig zu werden – vor allem in labilen Phasen wie der Pubertät. Betroffene sind stolz auf sich, den Hunger aushalten zu können und ihren Körper so vermeintlich unter Kontrolle zu haben. Teilweise wird der Begriff „Pubertätsmagersucht" verwendet, weil die Erkrankung vorwiegend zwischen dem zehnten und 25. Lebensjahr – vor allem bei Mädchen und jungen Frauen – auftritt.

Magersucht bei Sportlern und Models

Oft sind auch Menschen betroffen, die aufgrund ihrer sportlichen Aktivitäten oder aus beruflichen Gründen auf ihr Gewicht achten müssen. Bekanntestes Beispiel sind Models. Aber auch bei Balletttänzern, Läufern, Turnern, Eiskunstläufern, Ruderern oder Skispringern ist die Magersucht verbreitet.

Häufigkeit

In der Gesamtbevölkerung ist die Magersucht selten. Man geht von 0,1 bis 0,6 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner und Jahr aus. Bei jungen Frauen zwischen 15 und 25 Jahren ist sie deutlich häufiger: Ein Prozent dieser Frauen ist betroffen. Wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) berichtet, leidet jede Dritte zwischen zwölf bis 20 Jahren zumindest an einer Frühform einer Essstörung. Anorexie beginnt oft in der frühen Jugend, häufig kurz nach dem Einsetzen der ersten Menstruation.

Insgesamt machen Frauen den Großteil der Betroffenen aus. Bei vielen findet sich ein vermindertes Selbstwertgefühl und eine schlechte Körperwahrnehmung. Auffällig ist, dass vor allem Frauen aus der höheren Mittelschicht betroffen sind. Sie sind häufig überdurchschnittlich ehrgeizig und intelligent.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.03.2019
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Magersucht
  • Berger: Psychische Erkrankungen – Klinik und Therapie, 5. Auflage. Urban & Fischer Verlag, ELSEVIER GmbH, München.
  • Landesverband Bayern und Sachsen der gewerblichen Berufsgenossenschaften (LVBG) Gestörtes Essverhalten
  • Anorexia nervosa: Deutsches Grünes Kreuz e. V.
  • Ulrich Voderholzer, Fritz Hohagen: Therapie psychischer Erkrankungen – State of the Art, 13. Auflage. Urban & Fischer Verlag, ELSEVIER GmbH, München.
  • Lieb, Frauenknecht, Brunnhuber: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie, 8. Auflage. Urban & Fischer Verlag, ELSEVIER GmbH, München.
  • Günter Reich, Antje von Boetticher: Hungern, um zu leben – die Paradoxie der Magersucht: Psychodynamische und familientherapeutische Konzepte (Therapie & Beratung), Psychosozial-Verlag, Gießen.
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