Ursachen und Risikofaktoren für Lungenkrebs: Rauchen, Asbest und Feinstaub

Wie bei anderen Krebsarten gibt es auch für Lungenkrebs (Lungenkarzinom/Bronchialkarzinom) keine alleinige Ursache. Damit Zellen plötzlich ungebremst und zerstörerisch wachsen können, muss vorher ihr „innerer Plan“ durcheinander gebracht worden sein.

Forscher entdecken immer neue Details auf dem Weg zu dieser fatalen Umprogrammierung der zelleigenen Erbsubstanz, die die Informationen für alle Wachstums- und Regenerationsprozesse der kleinsten Körperbausteine in sich trägt. Lungenkrebs zählt zu den wenigen Krebsarten, bei denen die Wissenschaftler schon sehr genau sagen können, welche Hauptrisikofaktoren zur Krebsentstehung beitragen.

Hauptrisikofaktor für Lungenkrebs: das Rauchen

Wichtigster Risikofaktor ist der Zigarettenrauch. Zirka 40 krebsauslösende Substanzen sind darin enthalten. Das Krebsrisiko eines Rauchers nimmt in Abhängigkeit von der Anzahl der pro Tag gerauchten Zigaretten und der Zahl der „Raucherjahre“ bis zum 20- bis 30-Fachen eines Nichtrauchers zu.

Von der ersten Zigarette bis zum regelmäßigen Rauchen ist es oft nur ein kleiner Schritt mit fatalen Folgen: Etwa jeder zehnte Raucher erkrankt im Durchschnitt 30 bis 40 Jahre später an Lungenkrebs. Besonders gefährdet sind Jugendliche, denn das Risiko steigt umso stärker, je früher man mit dem Rauchen beginnt. Bei Zigarren- und Pfeifenrauchern liegt das Risiko etwas niedriger.

Rauchstopp: in jedem Alter ein Gewinn

Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören: Etwa zehn Jahre, nachdem ein starker Raucher das Rauchen aufgegeben hat, ist sein Lungenkrebsrisiko vom 15-Fachen auf das 5-Fache des Nichtraucherrisikos gesunken.

Auch Passivraucher leben gefährlich

Auch das Passivrauchen in stark verrauchten Räumen bringt ein höheres Lungenkrebsrisiko mit sich. So zeigt sich bei Frauen, die dem Rauch ihrer Partner ausgesetzt sind, ein etwa 24 Prozent höheres Risiko und für Männer ein 37 Prozent höheres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken. Etwas niedriger liegt das Risiko, wenn Personen am Arbeitsplatz dem Rauch ausgesetzt sind – etwa 12 bis 19 Prozent höher als bei Menschen, die nicht passiv rauchen.

Asbest und Feinstaub schädigen die Lunge

Der berufliche Umgang mit beziehungsweise das Einatmen von Schadstoffen wie Asbest, Arsen, Nickel, Chrom und aromatischen Kohlenwasserstoffen können das Lungenkrebsrisiko ebenfalls erhöhen – besonders wenn zusätzlich geraucht wird.

Für Asbest ist der Zusammenhang zwischen Exposition und Lungenkrebsentstehung am besten belegt. Auch das radioaktive Edelgas Radon steigert das Lungenkrebsrisiko. Die Radonkonzentration in Innenräumen ist besonders in Gegenden mit Uranbergbau – etwa im Erzgebirge – nachweislich erhöht. Das Gas gelangt aus der Erde durch Risse im Mauerwerk oder schlecht abgedichtete Leitungen in die Wohnungen. Wandabdichtungen oder häufiges Lüften können die Radonbelastung etwas verringern. Auch die Außenluftschadstoffe Dieselruß beziehungsweise Feinstaub erhöhen das Lungenkrebsrisiko etwa um das 1,5-Fache.

Empfindlichkeit liegt in den Genen

Wie auch bei allen anderen Krebserkrankungen spielt die erbliche Veranlagung eine Rolle bei der Entstehung eines Lungenkarzinoms. Allerdings ist bisher noch nicht geklärt, welche genetischen Veränderungen genau mit einem erhöhten Risiko für diese Krebsform einhergehen. Wahrscheinlich erkranken Menschen, die von Geburt an besonders empfindlich auf Schadstoffe reagieren, eher an Lungenkrebs. Das trifft insbesondere auf Raucher zu: Wer von Geburt an empfindlich ist und obendrein noch raucht, ist außerordentlich gefährdet, an Lungenkrebs zu erkranken.

Rauchstopp und gesunde Ernährung

Durch eine gesunde, obst- und gemüsereiche Ernährung kann sich wahrscheinlich jeder zumindest teilweise vor Lungenkrebs schützen. Auch für Raucher sind Obst und Gemüse gesund und gehören mehrmals täglich auf den Tisch. Ein Raucher kann sich aber noch so gesund ernähren: Durch das Rauchen ist und bleibt sein Lungenkrebsrisiko hoch. Außerdem wurde in Studien, die eine Schutzwirkung bestimmter Stoffe wie Vitamin E und Carotinoide bei Rauchern belegen sollten, bei einigen Teilnehmern sogar ein gesteigertes Krebsrisiko gefunden. Fazit: Raucher sollten lieber mit dem Rauchen aufhören und gesund essen als weiterzurauchen und auf Obst und Gemüse zu verzichten.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.02.2017
  • Autor/in: Dr. Anne Dietel, Ärztin, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin, Dr. med. Gerlinde Souza-Offtermatt, Ärztin, Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Interview mit Dr. Nikolas Schönfeld, Oberarzt der Klinik für Pneumologie der Lungenklinik Heckeshorn im Helios Klinikum Emil von Behring Berlin
  • Alexander, A. (Hrsg.) et al.: Thiemes Innere Medizin, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2001
  • Johannes-Martin Hahn: Checkliste Innere Medizin, Georg Thieme Verlag Stuttgart, 2006
  • Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg: Krebsinformationsdienst (www.krebsinformationsdienst.de), Stand 2008
  • Gesundheitsberichterstattung des Bundes: www.gbe.de
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