Listeriose – vor allem in der Schwangerschaft gefährlich

Listerien sind Bakterien, die in unserer Umwelt fast überall vorkommen: Sie leben zum Beispiel auf Pflanzen, im Boden, in Staub, aber auch in Tieren und im Menschen.

Camembert © Thinkstock
Es gibt verschiedene Arten von Listerien – nicht alle verursachen Krankheiten. Für den Menschen kann das Bakterium Listeria monocytogenes zur Gefahr werden – es kann die sogenannte Listeriose verursachen.

Wer ist durch Listerien besonders gefährdet?

Einem gesunden Menschen können Listerien in der Regel wenig anhaben. Besonders gefährdet für eine Listerien-Infektion sind dagegen Schwangere, Neugeborene und Menschen mit einer Immunschwäche – zum Beispiel aufgrund ihres hohen Alters, bestimmter Erkrankungen (zum Beispiel einer HIV-Infektion oder Leukämie) oder Medikamenten, die die Immunabwehr unterdrücken.

Wie kann man sich mit Listerien infizieren?

Erwachsene infizieren sich in der Regel durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel. Da Lebensmittel durch Listerien nicht verderben, lassen sich die Bakterien weder am Aussehen noch am Geruch der Lebensmittel erkennen. Prinzipiell ist es auch möglich, sich beim Kontakt mit infizierten Tieren oder belastetem Erdboden zu infizieren.

Leidet eine Schwangere unter Listeriose, kann die Infektion über die Plazenta auch auf den Fötus übergehen – und so zu einer Früh- oder Fehlgeburt führen. Infizierte Neugeborene überleben nach der Geburt häufig nicht lange oder erleiden schwere Schäden.

Welche Lebensmittel können mit Listerien belastet sein?

Besonders häufig kommen Listerien in Rohmilch und Rohmilchprodukten vor – vor allem auf der Oberfläche von Weichkäse wie Brie, Camembert, Roquefort oder Romadur können sich die Bakterien gut vermehren. Aber auch rohe tierische Produkte wie Fleisch, Fisch und Wurstwaren – besonders Salami – sowie pflanzliche Lebensmittel wie Salat können belastet sein. Eine Kontamination mit Listerien kann auch erst während des Verarbeitungsprozesses stattfinden.

Listerien sind sehr widerstandsfähige Bakterien. Besonders gegenüber Kälte sind sie recht unempfindlich und können sich deshalb auch im Kühlschrank weiter vermehren. Abtöten lassen sich Listerien, indem man Lebensmittel kocht, brät oder anderweitig erhitzt – für mindestens zwei Minuten bei einer Temperatur von mindestens 70 Grad Celsius. Werden Lebensmittel tiefgefroren, können die Erreger dagegen überleben.

Durch welche Symptome äußert sich eine Listeriose?

Bei gesunden Menschen verläuft eine Listerien-Infektion meist völlig unbemerkt und ohne Symptome. Bei immungeschwächten Menschen kommt es zu grippeähnlichen Symptomen wie Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber, Kopfschmerzen sowie Erbrechen und Durchfall. Bei schweren Verläufen kann die Infektion auch zu Blutvergiftung (Sepsis) oder Hirnhautentzündung (Meningitis) führen – und lebensbedrohlich sein. Grundsätzlich können die Erreger jedes Organ befallen und so verschiedene eitrige Infektionen wie eine Entzündung der Herzinnenhaut (Endokarditis) oder eine Gelenkentzündung (Arthritis) verursachen.

Bei Schwangeren verläuft die Infektion oft nur mit leichten grippeähnlichen Symptomen oder sogar ganz ohne Beschwerden. Bei Neugeborenen, die sich bereits im Mutterleib infiziert haben, unterscheidet man zwischen Frühinfektion (Symptome in der ersten Lebenswoche) und Spätinfektion (Symptome ab der zweiten Lebenswoche). Charakteristisch für eine Frühinfektion sind Blutvergiftung und Lungenentzündung (Pneumonie). Bei der Spätinfektion erkranken die Säuglinge häufig an einer Hirnhautentzündung.

Wie wird eine Listerien-Infektion behandelt?

Das größte Problem ist, die Listeriose rechtzeitig zu erkennen, da bei grippeähnlichen Symptomen der Verdacht in der Regel nicht sofort auf eine Listerien-Infektion fällt. Wurde die Erkrankung diagnostiziert, stehen verschiedene Antibiotika für die Behandlung zur Verfügung. Es kann jedoch vorkommen, dass Patienten nicht auf die Therapie ansprechen – zum Beispiel, weil die Listeriose erst spät erkannt wurde.

Wie Sie einer Listeriose vorbeugen können

Eine Impfung gegen Listeriose gibt es nicht. Jedoch können Sie durch bestimmte Maßnahmen das Risiko für eine Listerien-Infektion deutlich minimieren:
  • Lagern Sie Lebensmittel auch im Kühlschrank in geschlossenen Behältern oder komplett abgedeckt.
  • Waschen Sie sich gründlich die Hände, bevor Sie Speisen zubereiten oder nachdem sie rohe Lebensmittel angefasst haben.
  • Lebensmittel, die leicht verderben, sollten Sie nur in kleinen Mengen und möglichst frisch kaufen, gut kühlen und innerhalb von zwei bis drei Tagen verzehren.
  • Waschen Sie Obst, Gemüse, Salate und Kräuter vor dem Verzehr oder vor der Zubereitung immer gründlich – am besten unter fließendem Wasser.
  • Schneiden Sie erhitzte Speisen nicht auf Brettern, auf denen Sie zuvor rohe Lebensmittel geschnitten haben. Allgemein sollten Sie für die Zubereitung von gegarten und rohen Lebensmitteln nie dieselben Küchenutensilien benutzen.
  • Reinigen Sie Oberflächen und Geräte nach jedem Kontakt mit rohem Fleisch, Fisch oder Gemüse gründlich.
  • Wechseln Sie spätestens nach einer Woche Lappen und Küchenhandtücher und waschen Sie sie bei mindestens 60 Grad.
Besonders gefährdete Menschen wie Schwangere oder Immungeschwächte sollten auf bestimmte Lebensmittel am besten verzichten:
  • Rohmilch
  • Weichkäse aus Rohmilch wie Camembert oder Roquefort
  • Käse aus pasteurisierter Milch mit Oberflächenschmiere wie Harzer oder Limburger
  • rohes Fleisch (etwa Tatar, Carpaccio oder frisches Mett) und Rohwurst (zum Beispiel Salami)
  • rohen, geräucherten und marinierten Fisch – beispielsweise Räucherlachs oder Sushi
  • vorgeschnittenen, abgepackten Blattsalat und Krautsalat
  • rohe Sprossen
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.02.2015
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Nina Prell, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Schutz vor lebensmittelbedingten Infektionen mit Listerien (http://www.bfr.bund.de/cm/350/verbrauchertipps_schutz_vor_lebensmittelbedingten_infektionen_mit_listerien.pdf)
  • Helmholtz Zentrum für Infektionsforschung: Listerien-Nachschlüssel als Modell für bakterielle Infektionen (http://www.helmholtz-hzi.de/de/infothek/themenportal/keime_und_krankheiten/listerien/?sword_list[]=Listerien&no_cache=1#content)
  • Robert Koch-Institut (RKI): Listeriose – RKI-Ratgeber für Ärzte (http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Listeriose.html)
  • Friese, Klaus et al. (2013): Infektionserkrankungen der Schwangeren und des Neugeborenen
  • Suerbaum, Sebastian et al. (2012): Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie
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