Legionellen – Gefahr aus dem Wasserhahn

Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien, die natürlicherweise im Süßwasser – also auch im Trinkwasser – auftreten. In geringer Anzahl sind sie nicht gefährlich.

Dusche © Thinkstock
Wassertemperaturen von 25 bis 45 Grad bieten für Legionellen jedoch die besten Bedingungen, sich sprunghaft zu vermehren. Diese Temperaturen herrschen vor allem in künstlichen Warmwasseranlagen, Warmsprudelbecken, aber auch raumlufttechnischen Anlagen (Klimaanlagen). In ihren umfangreichen Rohrsystemen mit den günstigen Temperaturen und Ablagerungen finden Legionellen optimale Lebensbedingungen.

Die Infektion mit Legionellen

Verschluckt man mit Legionellen verseuchtes Wasser, wird man normalerweise nicht krank. Die Keime müssen direkt in die Lunge gelangen, um eine Infektion auszulösen. Die Ansteckung erfolgt also über die Inhalation winziger Wassertröpfchen (Aerosol), die beim Duschen, Plantschen im Becken oder über die Klimaanlage eingeatmet werden. Zwei bis zehn Tage später können sich dann grippeähnliche Symptome zeigen.

Bei manchen Patienten entwickelt sich daraus die sogenannte Legionellose mit schwerer Lungenentzündung (Legionärskrankheit). Von dieser Form sind in erster Linie immungeschwächte Menschen betroffen, aber auch ältere Menschen, Raucher und Menschen mit erhöhtem Alkoholkonsum. Daneben gibt es eine leichtere Form, das sogenannte Pontiac-Fieber. Es äußert sich in Kopf-, Glieder- und Brustschmerzen sowie Fieber. Eine Lungenentzündung tritt dabei nicht auf. Experten gehen davon aus, dass die meisten Infektionen mit Legionellen sogar ganz symptomfrei verlaufen, weil das Immunsystem die Keime erfolgreich und rasch bekämpft.

Diagnostik und Therapie einer Infektion mit Legionellen

Beim Verdacht auf eine Legionellose muss der Arzt eingeschaltet werden. Mit ausführlicher Anamnese, körperlicher Untersuchung (Abhorchen und Abklopfen) sowie Laboranalysen vom Auswurf lässt sich die Infektion diagnostizieren. Handelt es sich um die Legionärskrankheit, ist also auch die Lunge beteiligt, wirken Antibiotika, etwa Rifampicin, Azithromyzin oder Clarithromyzin. Beim Pontiac-Fieber sind Antiobiotika nicht nötig, hier werden nur die Symptome behandelt.

Die Legionellen-Infektion verhindern

Um die Vermehrung von Keimen in Wasseranlagen so frühzeitig wie möglich zu erkennen und zu verhindern, dass Bakterienherde im Hauswassersystem entstehen, gibt es seit 1. November 2011 eine neue Trinkwasserverordnung. Sie sieht vor, dass in öffentlichen oder gewerblich genutzten Gebäuden, aber auch in großen Wohnblöcken die Anlagen regelmäßig untersucht werden müssen und bei zu hohen Legionellenwerten sofort Maßnahmen vorgeschrieben sind. Dazu gehört das Aufheizen der gesamten Wasseranlage auf über 70 Grad (thermische Desinfektion) – bei heißem Wasser über 60 Grad sterben Legionellen ab. Zusätzlich gibt es die chemische Desinfektion. Hier reinigen Fachfirmen die gesamte Anlage mit speziellen Desinfektionsstoffen.

Eine Erklärung dafür, warum vor allem in den letzten Monaten so viele mit Legionellen belastete Wasseranlagen entdeckt wurden, könnte in diesem Gesetz liegen. Vor seinem Inkrafttreten wurden diese Prüfungen in den Gebäuden nicht durchgeführt und deswegen kontaminierte Anlagen erst dann entdeckt, wenn es zu Krankheitsfällen kam. 2012 gibt es Legionellose übrigens nicht häufiger als sonst: Bis zur 23. Woche nur 175 Erkrankungsfälle, im Vorjahr waren es in diesem Zeitraum sogar schon 205. Seit Einführung der Meldepflicht von Legionellosen im Jahr 2001 verzeichnet das Robert Koch Institut jährlich rund 400 Infektionen.

Tipps zur Vorbeugung

Nach längerer Abwesenheit, beispielsweise nach einem Urlaub, oder in Hotels und Ferienanlagen zu Beginn der Saison sollten Sie die Wasserleitungen gut mit heißem Wasser durchspülen. In öffentlichen Schwimmbädern oder Spas brauchen Sie in der Regel keine Angst vor Ansteckung zu haben, da diese ständig kontrolliert werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.07.2012
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Monika Preuk, Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Robert-Koch-Institut
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