Leberzellkrebs

Etwa 7.500 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an Leberzellkrebs – auch Leberkrebs genannt. Damit gehört er zu den eher selten auftretenden Krebsarten. Doch Leberzellkrebs nimmt in der Häufigkeit zu. In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Neuerkrankungen verdoppelt.

Leberzellkrebs folgt meist auf eine Leberzirrhose

Etwa 80 bis 90 Prozent der Leberzellkrebserkrankungen treten infolge einer Leberzirrhose auf. Deshalb sind Menschen mit einer chronischen Hepatitis-B- oder Hepatitis-C-Infektion besonders gefährdet, an einem Tumor in der Leber zu erkranken. Auch bei Alkoholmissbrauch, der Eisenspeicherkrankheit und anderen Lebererkrankungen besteht ein erhöhtes Risiko.

Symptome und Diagnose bei Leberzellkrebs

Leberzellkrebs verursacht meist keine oder kaum Symptome. Die Tumoren werden deshalb oft lange nicht bemerkt. Schmerzen im rechten Oberbauch und ein positiver Tastbefund weisen schon auf ein fortgeschrittenes Stadium der Krebserkrankung hin.

Deshalb wird Menschen mit einem erhöhten Risiko für Leberzellkrebs geraten, ihre Leber mindestens halbjährlich untersuchen zu lassen. Dazu wird eine Sonografie – also eine Ultraschalluntersuchung – durchgeführt. Zudem kann der Alpha-Fetoprotein-Wert (AFP-Wert) gemessen werden. Er ist jedoch nur bei 70 bis 80 Prozent der Leberzellkrebspatienten erhöht und ermöglicht somit keine sichere Diagnosestellung.

Auch die Magnetresonanztomografie und Ultraschall mit Kontrastmittel kommen zum Einsatz, um einen Verdacht abzusichern. Da sich in der Leber jedoch auch bei einer Leberzirrhose Knoten bilden, ist eine Leberbiopsie ratsam, um die Diagnose Leberzellkrebs stellen zu können. Dabei wird mithilfe einer Nadel ein Gewebezylinder aus der Leber entnommen und unter dem Mikroskop untersucht.

Therapie bei Leberzellkrebs: Heilung nur im Anfangsstadium

Welche Therapie eingesetzt wird und ob eine Heilung möglich ist, hängt bei Leberzellkrebs hauptsächlich vom Stadium der Erkrankung ab. Im Frühstadium und wenn keine Leberzirrhose vorliegt, kann der betroffene Teil der Leber entfernt werden. Da Leberkrebs jedoch oft erst in einem späten Stadium entdeckt wird und eine Leberzirrhose die Ursache ist, verringert dies die Heilungschancen stark. Denn der durch die Leberzirrhose in seiner Funktion eingeschränkte Teil der Leber, der nach einer Operation übrig bliebe, könnte die wichtigen Aufgaben des Organs dann nicht mehr erfüllen. Bei Leberzirrhose und fortgeschrittenem Tumor kann deshalb nicht operiert werden. Auch eine Lebertransplantation ist kaum noch möglich.

Dann kommen unterschiedliche weitere Therapiemöglichkeiten infrage, die jedoch meist nur die Lebensqualität verbessern und die Lebenszeit um einige Monate verlängern. Dazu gehört zum Beispiel die Radiofrequenzablation. Sie kommt zum Einsatz, wenn sich nur einzelne Tumorherde in der Leber befinden. Eine Sonde wird unter Ultraschall- oder Computertomografiekontrolle in den Tumor eingeführt und darüber hochfrequenter Wechselstrom in das Gewebe geleitet. Hitze entsteht und zerstört Tumorzellen.

Bei mehreren Herden und noch erhaltener Leberfunktion kann die Therapie über die sogenannte transarterielle Chemoembolisation (TACE) erfolgen. Dabei wird ein Katheter in die Leberarterie eingeführt und Zellgift an die Tumorherde gespritzt. Das entsprechende Gefäß wird anschließend mit einem Kügelchen verschlossen.

In einigen Fällen wird bei Leberzellkrebs auch eine Chemotherapie durchgeführt. Zum Einsatz kommt das Zytostatikum Sorafenib. Im Durchschnitt kann es die Lebensdauer jedoch nur um drei Monate verlängern.

Wenn nicht mehr mit OP und Chemotherapie behandelt werden kann

Noch relativ neu bei der Behandlung von Leberzellkrebs ist die Selective Internal Radiation Therapy (SIRT). Dieses Therapieverfahren wird bei Patienten eingesetzt, die chirurgisch und chemotherapeutisch nicht mehr behandelt werden können. Winzig kleine Sonden aus Harz werden mit einer radioaktiven Substanz versehen und direkt in die Blutgefäße gespritzt, die die Leber versorgen. Die Sonden wandern in die kleinen Blutgefäße, die den Tumor mit arteriellem Blut versorgen, und bleiben dort stecken.

Das hat zwei positive Wirkungen: Die Gefäße werden verschlossen und der Tumor nicht mehr so gut mit Blut versorgt. Zudem werden die Krebszellen mit hoch dosierter Beta-Strahlung bestrahlt. Das umliegende Lebergewebe wird jedoch nur wenig belastet, da die Strahlung nur eine sehr geringe Reichweite hat. Die SIRT wirkt sich positiv auf die Lebensqualität der Betroffenen aus, kann jedoch nur zum Einsatz kommen, wenn die Leberfunktion noch weitestgehend intakt ist.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.02.2017
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Beatrix Deiss, Medizinredakteurin; Christina Wiener, Medizinredakteurin
  • Quellen: Deutsche Krebsgesellschaft: Leberzellkrebs beim Leberkranken – Vorbeugung, Früherkennung und Behandlung
  • Deutsche Krebsgesellschaft: Leberzellkrebs, Leberzellkarzinom (HCC) http://www.krebsgesellschaft.de/pat_ka_leberkrebs_definition,108027.html
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