Wartezeit und Organvergabe bei der Lebertransplantation

Da mehr Menschen auf ein Spenderorgan warten, als geeignete Organe zur Verfügung stehen, soll immer der Patient eine Leber erhalten, der sie am dringendsten braucht. Dazu wurde der sogenannte MELD-Score (Model for End Stage Liver Disease; zu Deutsch: Modell der Lebererkrankung im Endstadium) entwickelt.

Der MELD-Score ist ein Punktesystem, das die Dringlichkeit einer Lebertransplantation auf Basis dreier Blutwerte bestimmt: den Werten für Kreatinin, Bilirubin und INR/Quick. Damit lassen sich zuverlässige Vorhersagen für den weiteren Verlauf einer Lebererkrankung treffen. Die Werte werden regelmäßig neu gemessen und die Betroffenen erhalten gemäß ihrer Punktzahl einen Platz auf der Warteliste. Die bereits vergangene Wartezeit spielt bei der Organvergabe also keine Rolle. Sie wird für eine Entscheidung nur dann herangezogen, wenn eine Leber für zwei Patienten geeignet wäre, die den gleichen MELD-Score haben.  

Es gilt: Die Wartezeit auf eine Leber variiert zwischen wenigen Tagen und mehreren Monaten. Sie ist neben dem MELD-Score abhängig von der Blutgruppe und Körpergröße des Betroffenen. Patienten mit einem MELD-Score von 25 sind meist auf der Warteliste recht weit oben und können in den folgenden Wochen mit einem geeigneten Organ rechnen. Bei akutem Leberversagen liegt die Chance schon bei 90 Prozent, dass innerhalb einer Wartezeit von 48 Stunden eine Spenderleber gefunden werden kann.

Transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt (TIPS) überbrückt die Wartezeit

Bei Lebererkrankungen im Endstadium drohen lebensgefährliche Komplikationen wie beispielsweise akutes Nierenversagen. Dazu kommt es, wenn die Nieren wegen eines gestörten Pfortadersystems nicht mehr richtig durchblutet werden. Um die Wartezeit bis zu einer lebensrettenden Lebertransplantation zu überbrücken, kann dann ein sogenannter transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Shunt (TIPS) eingesetzt werden. Das heißt, es wird eine künstliche Verbindung zwischen dem Pfortadersystem und der ableitenden Lebervene hergestellt.  

Ein TIPS entsteht so: Über eine Vene an der rechten Halsseite wird ein Schlauch bis zur Leber vorgeführt. Auf diese Weise kann durch die Leber hindurch eine Verbindung zur Pfortader hergestellt werden, in die ein Röhrchen (Stent) eingelegt wird. Über dieses Röhrchen kann das Blut in die Hohlvene abfließen. Die Durchblutung der Nieren wird verbessert und die Wartezeit bis zur Lebertransplantation überbrückt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.07.2012
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Beatrix Deiss, Medizinredakteurin; Christina Wiener, Medizinredakteurin
  • Quellen: Informationen von Lebertransplantierte Deutschland e.V.: http://www.lebertransplantation.eu/einleitung.html
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