Bildgebende Verfahren: zweiter Schritt der Diagnose

Neben einer Bestimmung der Leberwerte wird die Leber bei Verdacht auf eine Lebererkrankung meist auch mithilfe bildgebender Verfahren genauer angeschaut – beispielsweise mit einer Ultraschalluntersuchung.

Dabei wird zunächst die Größe der Leber gemessen. Man misst standardisiert in einer bestimmten Richtung, der sogenannten Medioclavicularlinie (MCL). Da die Leber bei vielen Lebererkrankungen vergrößert ist, gibt eine solche Messung schon wichtige Hinweise für die Diagnose. Je nach Größe des Betroffenen misst eine gesunde Leber zwischen 12 und 15 Zentimeter. Mit weiteren bildgebenden Verfahren wie der Computertomografie und der Magnetresonanztomografie lassen sich die inneren Organe noch genauer darstellen. Auch sie werden zur Stellung der Diagnose bei Lebererkrankungen eingesetzt.

Endoskopisch retrograde Cholangio-Pankreatikografie (ERCP)

Nur bei bestimmten Lebererkrankungen eingesetzt wird die endoskopisch retrograde Cholangio-Pankreatikografie (ERCP). Mit diesem bildgebenden Verfahren können die Gangsysteme der Leber und der Gallenblase dargestellt werden. Dazu platziert der untersuchende Arzt ein Endoskop im Zwölffingerdarm. Über dieses Endoskop spritzt er ein Kontrastmittel entgegen der Fließrichtung (retrograd) von Galle und Bauchspeichel in die jeweiligen Gangsysteme. Die Gänge werden durch das Kontrastmittel auf einem anschließend angefertigten Röntgenbild sichtbar.  

Wird der Gallengang dargestellt, nennt man das bildgebende Verfahren Cholangiografie, die Darstellung des Bauchspeicheldrüsengangs heißt Pankreatikografie. Werden beide Gänge untersucht, entsteht die Cholangio-Pankreatikografie.  

Die ERCP kommt zur Anwendung, wenn der Abfluss der Gallenflüssigkeit behindert ist. Das kann zum Beispiel bei Gallensteinen der Fall sein oder wenn wie bei der primär biliären Zirrhose oder der primär sklerosierenden Cholangitis entzündliche Prozesse in den Gallengängen ablaufen. Auch wenn nach einer Lebertransplantation der Gallenabfluss gehemmt ist, wird dieses bildgebende Verfahren eingesetzt. Man kann damit beispielsweise erkennen, ob es an der Naht des Gallengangs zu Schrumpfungen gekommen ist.  

Nach einer endoskopisch retrograden Cholangio-Pankreatikografie besteht das Risiko, dass entzündliche Reizungen der Gallengänge oder der Bauchspeicheldrüse auftreten.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.07.2012
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Beatrix Deiss, Medizinredakteurin; Christina Wiener, Medizinredakteurin
  • Quellen: Uniklinik Freiburg: Endoskopisch-retrograde Cholangio-Pankreatikographie – ERCP: http://www.uniklinik-freiburg.de/endoskopie/live/patienteninformation/untersuchungen/ercp.html
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