Formen der Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit)

Es gibt mehrere Formen der Laktoseintoleranz beziehungsweise des Laktasemangels. Dabei handelt es sich entweder um angeborene – also primäre – Erkrankungen, die infolge eines Gendefekts auftreten, oder um im Laufe des Lebens erworbene Schäden, also sekundäre Erkrankungen.

Kongenitaler Laktasemangel (= Alactasie)

Hierbei handelt es sich um einen angeborenen, sehr seltenen Enzymdefekt, der bereits im Säuglingsalter auftritt und durch einen kompletten Laktasemangel gekennzeichnet ist. Die Ursache ist genetisch bedingt und somit vererbbar und kann für das Gehirn schwerwiegende Folgen haben. Deshalb muss die laktosefreie Diät strikt – auch für kleinste Mengen – eingehalten werden. Die Symptome wie schwerer Durchfall, Austrocknung und Unterernährung treten schon in den ersten Lebenswochen auf, solange nicht auf eine völlig laktosefreie Kost umgestiegen wird.

Adulte Hypolactasie

Diese Form des Laktasemangels ist ebenso erblich bedingt, die Laktaseproduktion liegt jedoch im Kindes- und Jugendalter meistens noch vor und bildet sich erst in späteren Lebensjahren – zum Beispiel in beziehungsweise nach der Pubertät – zurück. Die Laktaseaktivität in der Dünndarmschleimhaut wird im Verlauf so niedrig, dass Milch oder milchzuckerhaltige Lebensmittel – in größeren Mengen verzehrt – Beschwerden auslösen können. Auch hier hilft eine milchzuckerfreie Kost, um die Beschwerden zu mildern.  

Ein entwicklungsbedingter, nur vorübergehender Laktasemangel kommt gelegentlich bei Frühgeborenen vor. Bei den betroffenen Kindern reicht die Enzymaktivität noch nicht aus, um die Laktose aus der Muttermilch richtig zu verdauen. Mit der Zeit normalisiert sich dieser Zustand meistens.

Erworbener (sekundärer) Laktasemangel

Diese Art eines Laktasemangels ist nicht genetisch bedingt, sondern erworben – zum Beispiel durch bestimmte Erkrankungen wie Zöliakie, bakterielle Infektionen oder Pilzinfektionen des Darms, Darmgrippe oder Magen- und Darmoperationen. Nach erfolgreicher Behandlung der Grundkrankheit bildet sich die erworbene Milchzuckerunverträglichkeit wieder zurück.

Auch chronisch entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) können zu einer vorübergehenden Laktoseintoleranz führen. Das Enzym Laktase, das den Milchzucker spaltet und somit verdaubar macht, wird aufgrund der entzündlichen Veränderungen der Darmschleimhaut nur unzureichend gebildet. Auch hier können die Beschwerden durch einfache Diätmaßnahmen gelindert werden.

Sekundäre Laktoseintoleranz kann zudem durch die Einnahme von Antibiotika zur Therapie bei verschiedenen bakteriellen Erkrankungen entstehen. Der Mechanismus hierfür ist allerdings noch nicht vollständig geklärt. Als Therapie reicht die vorübergehende Meidung laktosehaltiger Lebensmittel, bis sich die Darmflora wieder erholt hat. Die vorübergehende Laktoseintoleranz heilt nach Tagen bis Wochen von selbst aus.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.02.2017
  • Autor/in: Dr. med. Martina A. Sersch, Dr. med. P. Kittner-Schäfer; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Fachinformationen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung: Diätetik kompakt (http://assets.dge.de/epaper/dkompakt/page97.html#/96)
  • Ärzteblatt online: Kohlenhydratmalassimilation häufig vorkommender Mono- und Disaccharide (http://www.aerzteblatt.de/archiv/148797)
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung