Fünf Fragen und Antworten zum künstlichen Koma

Künstliches Koma: Ein Begriff, der den meisten Menschen Angst macht. Doch auch wenn das künstliche Koma häufig in lebensbedrohlichen Zuständen eingesetzt wird – es entlastet den Körper und fördert den Heilungsprozess. Die fünf wichtigsten Fakten zum künstlichen Koma.

Monitor © Thinkstock

Was ist ein künstliches Koma?

Ein künstliches Koma ist eine lange Vollnarkose, die über Tage – in seltenen Fällen über Wochen – eingesetzt wird. Mithilfe von Narkose- und Schmerzmitteln wird der Patient kontrolliert in einen Zustand versetzt, in dem Bewusstsein und Schmerz ausgeschaltet sind.

Während des künstlichen Komas befindet sich der Patient auf einer Intensivstation. Er wird künstlich ernährt und beatmet. Blutdruck, Herzfrequenz und Körpertemperatur werden stetig überwacht. Herz, Leber, Darm und Niere des Patienten arbeiten normalerweise selbsttätig. In manchen Fällen senken die Ärzte die Körpertemperatur des Patienten während des künstlichen Komas auf 35 bis 32 Grad Celsius. Das verlangsamt den Stoffwechsel und mindert den Sauerstoffbedarf.

Wann wird das künstliche Koma eingesetzt?

Das künstliche Koma kommt in unterschiedlichsten Fällen zum Einsatz – etwa wenn ein Patient künstlich beatmet werden muss, wie zum Beispiel bei Bewusstseinsstörungen, Lungenversagen, nach schwierigeren Herzoperationen oder schwerer Blutvergiftung. Der Grund: Bei einer künstlichen Beatmung wird ein Schlauch in die Luftröhre eingeführt. Ein wacher Patient würde diesen Schlauch nicht tolerieren – sich dagegen wehren.

Routinemäßig wird die Langzeitnarkose heutzutage bei schweren Hirnverletzungen eingesetzt. Denn bei Schädelverletzungen dient die Gabe von Schmerz- und Schlafmitteln gleichzeitig der Therapie der Erkrankung.

Wozu dient das künstliche Koma?

Die Langzeitnarkose erleichtert den Ärzten die Behandlung. Neben der Möglichkeit, Patienten künstlich beatmen zu können, senkt sie das Risiko für bleibende Schäden und fördert gleichzeitig die Heilung. „Durch die Narkose vermindern wir Aufregung und Schmerzen, was den Patienten vor Verletzungen schützt, die er sich beispielsweise selbst durch unwillkürliche Bewegungen zufügen könnte“, erklärt Professor Dr. med. Andreas Unterberg, Direktor der Neurochirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Heidelberg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI). Da der Patient entspannt ist und keine Schmerzen empfindet, kann die Sedierung auch den Heilungsverlauf unterstützen.1

Das künstliche Koma hilft zudem, den Kreislauf des Betroffenen stabil zu halten. Erleidet ein Mensch eine schwere Verletzung, schüttet der Körper eine große Menge Adrenalin aus – eine Stressreaktion, mit dem Gehirn und Herz-Kreislaufsystem überfordert sein können. Die Narkose mildert diese Angstreaktion und schützt den Körper so vor zusätzlichem Stress.

Bei schweren Schädel-Hirn-Verletzungen hat die Narkose noch weitere positive Effekte auf die Genesung des Patienten. Denn: Durch das künstliche Koma wird das Gehirn in einen stabileren Zustand versetzt. „Die Funktion des Hirns wird zwar gedrosselt, dadurch besteht aber auch weniger Bedarf an Durchblutung und Nährstoffen“, so Professor Dr. med. Andreas Unterberg.2

Wie tief ist die Narkose beim künstlichen Koma?

Das hängt stets von der Grunderkrankung und dem individuellen Zustand des Patienten ab. Wie tief die Narkose ist, wird mittels der gezielten Dosierung der Medikamente gesteuert. Das künstliche Koma kann sowohl tiefer wie auch flacher als eine Operationsnarkose sein. Grundsätzlich gilt: so wenig und so kurz wie möglich. „Wir bemühen uns, die Sedierung so flach wie möglich zu halten und die Beatmung so früh wie es geht zu beenden“,  sagt Experte Professor Unterberg.  

Kann die Narkose bei weniger kritischen Fällen relativ flach gehalten werden, versuchen die Ärzte häufig auch, den Patienten ab und zu aufzuwecken. So sollen die Betroffenen ihren normalen Wach-Schlaf-Rhythmus beibehalten.

Wann kann der Patient wieder aus dem künstlichen Koma geholt werden und wie geschieht das?

Ist der Patient stabilisiert und lässt es die zugrunde liegende Ursache – also beispielsweise die Verletzung oder Grunderkrankung –  zu, beenden die Ärzte das künstliche Koma. Die Narkosemittel werden allmählich reduziert. Bis der Patient aufwacht, kann es eine Weile dauern, da der Körper Zeit braucht, bis er die Medikamente abgebaut hat.

Der Patient beginnt dann wieder selbstständig zu atmen, er kommt nach und nach zu Bewusstsein. Während des Aufwachens kann es vorkommen, dass die Betroffenen beginnen stark zu Schwitzen, unter Kreislaufproblemen leiden, verwirrt sind oder Wahnvorstellungen haben. Dies sind jedoch nur vorübergehende Reaktionen, die sich mittels Medikamenten meist gut behandeln lassen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.03.2017
  • Autor/in: vitanet.de – Anja Dolski, Medizinredakteurin.
  • Quellen: 1,2 Deutsche Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin (DGNI)
  • idw - Informationsdienst der Wissenschaft; http://www.idw-online.de/de/news493710.
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