Medikamentöse Schmerztherapie bei Tumorerkrankungen

Um die Unabhängigkeit des Betroffenen zu erhalten, ist es sinnvoll, die medikamentöse Therapie entweder oral als Tablette oder Tropfen oder transdermal, also durch die Haut per Pflaster, durchzuführen.

Die Zeitpunkte der Medikamentengabe sollten klar festgelegt sein, die Medikamente nach dem WHO-Stufenplan aufgestockt werden und dabei immer individuell auf den Patienten ausgerichtet sein. Verwendet man Verzögerungspräparate, die den eigentlichen Wirkstoff nach und nach abgeben, so kann man zum einen oftmals eine ungestörte Nachtruhe, zum anderen größere Abstände zwischen den einzelnen Einnahmezeitpunkten erreichen. Dies erleichtert dem Betroffenen die Handhabe sehr.
Sofern die orale, transdermale oder sublinguale (unter die Zunge) Anwendung der Medikamente nicht möglich ist, kann eine subkutane Opioid-Dauerinfusion – eventuell auch rückenmarksnah – gegeben werden. Bestehen bei Erkrankungen im Bereich des Mund- und Rachenraums bereits Schluckstörungen, so können die entsprechenden Schmerzmedikamente über eine Magensonde gegeben werden. Die Magensonde wird dabei meist durch die Nase eingeführt, kann aber auch als sogenannte PEG-Sonde direkt von außen über die Haut in den Magen eingelegt werden. Eine Infusion in eine Vene ist nur wirklich erfahrenem Personal zu überlassen.

Für die ergänzend zu verwendenden Medikamente gelten die gleichen Grundsätze wie bei der allemeinen Schmerztherapie, wobei bei schweren bewegungsabhängigen und metastasenbedingten Knochenschmerzen neben einer palliativen Strahlentherapie auch Bisphosphonate gegeben werden können.

Die Medikamente können auch unerwünschte Wirkungen haben

Bei der Opioidtherapie ist während der ganzen Therapiephase unter anderem mit Verstopfung als Nebenwirkung zu rechnen. Deshalb sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass der Betroffene ausreichend viel trinkt. Schon zu Beginn der Opioidtherapie sollte erwogen werden, Laxantien zu geben – falls notwendig auch in Kombination mit Abführzäpfchen oder sogar Klistieren. Laxantien sind abführende Medikamente, wie zum Beispiel Natriumpicosulfat, Lactulose, Sennoside oder Anthrachinone.

Übelkeit und Erbrechen

Gegen die meist nur vorübergehend auftretende Übelkeit und das Erbrechen bei einer Opioidtherapie können Dopaminantagonisten wie Metoclopramid oder Domperidon gegeben werden.

Die Therapie muss ärztlich intensiv überwacht werden. Zur Therapiekontrolle eignen sich das Einschätzen der Schmerzintensität durch den Betroffenen zum Beispiel in Form eines Schmerztagebuchs, die eigene Einschätzung seiner Leistungsfähigkeit, seine Zufriedenheit mit der Therapie, die Einschätzung durch den behandelnden Arzt und gegebenenfalls eine weitere betreuende Person, die Medikamentenverträglichkeit und gegebenenfalls unerwünschte Wirkungen. Falls nötig, wird die Dosis bei einer Kontrolle angepasst und gegebenenfalls auch eine erneute Diagnostik veranlasst.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.05.2017
  • Autor/in: Dr. med. Kathrin Fahl, Dr. med. Karen Strehlow, Charité - Universitätsmedizin - Berlin
  • Quellen: Grundlagen der Schmerztherapie, Thomas Flöter (Hrsg.), Medizin
  • Therapie chronischer Schmerzen, Hans W. Striebel et al., Schattauer, F.K. Verlag, 2001
  • Kompendium der medikamentösen Schmerztherapie, E. Beubler, Springer, Wien, 2003
  • Deutsche Krebshilfe: Über Krebs; https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs, Stand: 2017
  • Krebsgesellschaft.de – Onko Internetportal: Basisinformationen Krebs, Stand: 2017
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