Riskante Pflanzenkrebstherapie

Heilpflanzen und Nahrungsergänzungsmittel sollen Krebs bekämpfen. Doch Experten warnen vor gefährlichen Wechselwirkungen.

Heilpflanzen © Thinkstock
Glaubt man der Werbung, sind pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel gesund und ohne Risiken. Dass diese Behauptung nicht immer stimmt, zeigt beispielsweise eine Untersuchung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BFR).

Die Risikoexperten haben Pflanzen und Pflanzenteile bewertet, die häufig als Grundstoffe zum Beispiel für Tees, Kapseln oder Tabletten genutzt werden. Sie kommen zu dem Schluss: Einzelne Pflanzeninhaltsstoffe und pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel können durchaus Risiken darstellen. Je nach Menge und Zubereitung sind einige sogar giftig. Für viele der untersuchten Mittel fehlen von vornherein gesicherte Daten, um mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit überhaupt beurteilen zu können.

Fragwürde Empfehlungen

Für Krebspatienten sind diese Ergebnisse von Bedeutung. Denn Heilpflanzen oder vermeintlich natürliche Nahrungsergänzungsmittel werden ihnen häufig empfohlen, zum Beispiel im Internet: Sie sollen angeblich Krebs heilen oder Nebenwirkungen lindern. Mit Aussagen wie „Beeren gegen Krebs“ sollen Patienten die Produkte schmackhaft gemacht werden. Dass die Mittel tatsächlich gegen Krebs wirken, ist jedoch oft fraglich: Freiverkäufliche Nahrungsergänzungsmittel gelten hierzulande als Lebensmittel – und unterliegen daher nicht den strikten Vorschriften des Arzneimittelgesetzes. Sie dürfen – in der empfohlenen Dosierung – keine therapeutische Wirkung haben. Jegliche Aussagen über eine vorbeugende oder therapeutische Wirkung der Mittel ist nach den hiesigen gesetzlichen Vorschriften unzulässig. Dennoch nehmen zum Beispiel viele Patienten mit Lungenkrebs verschiedenste Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Präparate ein. Für keines dieser Mittel reichen die wissenschaftlichen Belege aus, um eindeutige Empfehlungen für Krebspatienten zu geben.

Gefährliche Wechselwirkungen

Selbst nur schwach wirkende Mittel oder Produkte, die gar nichts nützen, sind deshalb noch lange nicht ungefährlich: Sie gehen unter Umständen mit den Medikamenten zur eigentlichen Krebstherapie unerwartete Wechselwirkungen ein. Die Wirkung der Krebsmedikamente wird in diesem Fall abgeschwächt oder verstärkt. Bei Brustkrebs kann beispielsweise die Einnahme von Sojaprodukten Medikamenten-Wechselwirkungen hervorrufen, so die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) in ihren aktuellen Leitlinien. Krebspatienten sollten auch konzentrierte pflanzliche Wirkstoffe oder Nahrungsergänzungsmittel daher über längere Zeiträume nur in Absprache mit den behandelnden Ärzten einnehmen. Dies gilt vor allem dann, wenn sie gleichzeitig Arzneimittel einnehmen.

Nahrungsergänzungsmittel: Kein Vorteil für Krebspatienten

Generell gehen Experten davon aus, dass Nahrungsergänzungsmittel bei ausgewogener Ernährung nicht notwendig sind. Schon gar nicht lassen sich Ernährungsmängel durch sie ausgleichen. Bereits im Jahr 2009 hat beispielsweise die Weltkrebsforschungsstiftung diese Aussage ausdrücklich in ihre Empfehlungen aufgenommen: Es gebe keine Belege dafür, dass solche Produkte zur Lebensmittelergänzung irgendeinen Vorteil für Krebspatienten haben. Größere Mengen könnten für Patienten sogar schädlich sein.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 10.05.2017
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Monika Preuk, Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: krebsinformationsdienst
  • Bundesinstitut für Risikobewertung: „Natürlich“ ist nicht immer „sicher“ – BfR-Wissenschaftsheft zur Risikobewertung von Pflanzen und pflanzlichen Zubereitungen, 16/2012.
  • Pharmazeutische Zeitung: Nahrungsergänzung – Mehr Werbung als Wirkung, Ausgabe 37/2006.
  • Krebsgesellschaft.de – Onko Internetportal: Nahrungsergänzung bei Krebs: Nutzen oder Schaden? Stand: 2017
  • Deutsche Krebshilfe: Über Krebs; https://www.krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs, Stand: 2017
  • Krebsgesellschaft.de – Onko Internetportal: Basisinformationen Krebs, Stand: 2017
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