Kneipp-Anwendungen bei Krampfadern: Wechselbad für die Gefäße

Vor allem als Erkältungsprophylaxe erfreuen sich Kneipp-Anwendungen großer Beliebtheit, häufig werden sie auch bei niedrigem Blutdruck empfohlen. Wechselduschen sind aber auch bei Krampfadern (Varizen) und Venenschwäche oft sehr wirkungsvoll.

Nasser Fuß auf Holz © Thinkstock
Durch den Wechsel von warm und kalt werden die Venen trainiert: Während die venösen Gefäße bei warmem Wasser weit gestellt sind, müssen sie sich bei kaltem Wasser zusammenziehen und straffen. Das wirkt der Dehnung der Venen entgegen und damit auch der Bildung von Krampfadern. Wer eine Krampfader-Operation hinter sich hat, kann durch Wechselduschen die Neubildung von Varizen verhindern oder zumindest verzögern. Die Kneipp-Anwendungen eignen sich aber auch sehr gut für die Prophylaxe.

Der Knieguss: sanfter Einstieg

Zur Gewöhnung empfiehlt sich der wechselwarme Knieguss. Der Oberkörper sollte dabei bekleidet bleiben. Halten Sie den Duschkopf bei nicht zu hartem Strahl dicht an die Haut. Beginnen Sie mit warmem Wasser am rechten Fuß, und führen Sie den Strahl an der Außenseite der Wade bis kurz über das Knie. Halten Sie den Strahl so, dass auch die Rückseite der Wade gleichmäßig umspült wird. Anschließend wird die Innenseite des Beines von oben nach unten in der gleichen Weise geduscht. Mit dem linken Bein verfahren Sie genauso. Wiederholen Sie dann den gesamten Vorgang mit kaltem Wasser.

Der warme Guss sollte pro Bein nicht mehr als 20 bis 25 Sekunden dauern, den kalten Guss sollten Sie noch schneller beenden. Grundsätzlich gilt: Je kälter das Wasser, desto kürzer der Guss. Wenn Sie nach der Anwendung auch nur leicht frieren, trocknen Sie die Beine ab, ziehen Sie sich warme Strümpfe an, und laufen Sie umher. Oder legen Sie sich hin und decken Sie sich gut zu.

Der Schenkelguss: hüfthohe Abhärtung

Beim Schenkelguss werden – ebenfalls mit bekleidetem Oberkörper – die gesamten Beine bis zur Hüfte zuerst mit sehr warmem, dann mit kaltem Wasser umspült. Beginnen Sie wie beim Knieguss an den Füßen. Anschließend führen Sie den Duschkopf jedoch an der Außenseite des Oberschenkels bis an die Hüfte hoch, wo Sie ihn etwa fünf bis zehn Sekunden halten. An der Innenseite des Beines geht es wieder abwärts.

Noch wirksamer: Kälte pur

Heiß-kalte Anwendungen üben starke Reize auf die Venen aus und trainieren sie auf diese Weise. Bei reinen Kälteanwendungen ist die Wirkung noch stärker. Sie verfahren wie bei den Wechselgüssen, nur bleibt das Wasser die ganze Zeit kalt. Sie können die Wirkung noch verstärken, wenn Sie den gesamten Körper duschen – in diesem Fall beginnen Sie mit dem rechten Arm.

Wassertreten

Wenn Sie sich nach einigen Wochen an die Güsse gewöhnt haben, können Sie mit dem Wassertreten beginnen: Lassen Sie kaltes Wasser bis zur Wadenhöhe in die Badewanne ein und laufen sie im Storchengang umher – ziehen Sie also bei jedem Schritt den Fuß ganz aus dem Wasser. Bitte vergessen Sie wegen der Rutschgefahr die Gummimatte nicht. Hören Sie auf, sobald die Füße kalt werden.

Voraussetzung fürs Wassertreten sind allerdings gute Durchblutungsverhältnisse in den Beinen. Sprechen Sie deshalb vorher mit Ihrem Arzt.
Wichtig bei Kneipp'schen Anwendungen:
  • Fragen Sie Ihren Arzt, ob die Kneipp-Anwendungen für Sie förderlich sind.
  • Wenden Sie die Wasserbehandlungen höchstens dreimal täglich an. Steigern Sie die Anwendungen nicht zu rasch.
  • Verwenden Sie nur sehr warmes (38 Grad Celsius) oder kaltes (10 bis 16 Grad Celsius) Wasser. Lauwarmes Wasser ist wenig effektiv.
  • Beenden Sie die Anwendung immer mit kaltem Wasser.
  • Die Beine müssen vor Beginn der Anwendung stets warm sein. Auch nach den Wechselduschen sollte sich der Körper wieder schnell erwärmen – dabei können Sie mit Bewegung oder Bettwärme nachhelfen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 13.03.2013
  • Autor/in: Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Interview mit Dr. Karin Vogt, Dermatologin und Phlebologin am Vivantes Klinikum Neukölln in Berlin
  • Deutschen Gesellschaft für Phlebologie, der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie, des Berufsverbandes der Phlebologen e.V. und der Arbeitsgemeinschaft der niedergelassenen Gefäßchirurgen Deutschlands e.V. (2010): Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Krampfadererkrankung (http://www.phlebology.de/leitlinien-der-dgp-mainmenu/280-leitlinie-zur-diagnostik-und-therapie-der-krampfadererkrankung)
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