Ermüdungsbruch (Stressfraktur)

Eine Form der Fraktur ist der sogenannte Ermüdungsbruch (Stressfraktur). Ein solcher Ermüdungsbruch kommt nicht durch ein akutes Trauma zustande, sondern weil ein Knochen immer wieder stark belastet wird – zum Beispiel durch Sprünge. Mit der Zeit kommt es zu Veränderungen des Knochengewebes. Spalten und Risse entstehen, die letztendlich zum Bruch führen. Oft sind auch schon zuvor Fußfehlstellungen vorhanden oder ein Bein ist kürzer als das andere. Besonders gefährdet für Ermüdungsbrüche sind der Unterschenkel und der Mittelfuß.

Entstehung noch nicht vollständig geklärt

Bis heute ist die Entstehung eines solchen Ermüdungsbruchs noch nicht vollständig geklärt. Es gibt zwei verschiedene Theorien: Die Anhänger der Materialermüdungstheorie gehen davon aus, dass das Zusammenwirken von Muskeln, Sehnen und Knochen aufgrund der hohen Belastung nicht mehr richtig funktioniert und die auftretenden Kräfte deshalb direkt auf den Knochen übergehen. Die Überlastungstheorie besagt hingegen, dass durch das Zusammenziehen der Muskeln hohe Biegespannungen auf den Knochen wirken, die bei häufigen Wiederholungen eine Fraktur verursachen.

Die meisten Ermüdungsbrüche kommen dadurch zustande, dass Leistungssportler ihre gesunden Knochen langfristig überlasten. Aber auch Grunderkrankungen wie Osteoporose oder Rheumatoide Arthritis, die die Knochen angreifen und porös machen, können die Ursache für eine Fraktur sein.

Symptome eines Ermüdungsbruchs

In den meisten Fällen sind bei einer Stressfraktur anfangs nur bei Belastung leichte Schmerzen spürbar. Eher selten kommt es auch zu Schwellungen und Überwärmung. Erst später treten die Beschwerden auch im Ruhezustand auf, der Körperteil ist nicht mehr so belastbar. Nur in ganz seltenen Fällen ist bei einer Stressfraktur ein akuter Verlauf zu beobachten, bei dem die Schmerzen unverzüglich auftreten und eine Belastung unmöglich ist.

Behandlung eines Ermüdungsbruchs

Bei einer frühzeitigen Diagnose des Ermüdungsbruchs genügt es, längere Zeit auf Sport zu verzichten und den betroffenen Körperteil mithilfe von Schienen, Gips oder Gehhilfe ruhigzustellen. Zudem sollte der Patient die Belastungen, die den Ermüdungsbruch verursacht haben, meiden und die Widerstandsfähigkeit des Knochens erhöhen. Das ist zum Beispiel durch Physiotherapie oder durch eine Trainingsumstellung möglich.

Handelt es sich um einen schweren Fall, ist eine vollständige Entlastung des Körperteils notwendig – zum Beispiel durch Gehstützen. In seltenen Fällen benötigt der Patient einen Gips, operiert wird nur in Ausnahmefällen. Beispielsweise bei Leistungssportlern wird ein Ermüdungsbruch jedoch häufig operativ behandelt, damit sie das Training schneller wieder aufnehmen können. Wenn es nötig ist, wird Knochengewebe aus dem Beckenkamm verwendet oder die Knochenteile werden mit Nägeln oder Schrauben verbunden. Im Anschluss muss der betroffene Körperteil für einige Wochen ruhiggestellt werden, bis mit der Krankengymnastik begonnen werden kann.

Wurde der Bruch durch eine knochenschädigende Grunderkrankung wie Osteoporose oder Rheumatoide Arthritis ausgelöst, muss zusätzlich zur Fraktur auch diese Krankheit behandelt werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.03.2015
  • Autor/in: Beatrix Deiß, Medizinredakteurin; Nina Prell, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätskontrolle: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Plesch, Christian/ Sieven, Rainer, Trzolek, Dieter: Handbuch Sportverletzungen. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2009.
  • Sportunfälle – Häufigkeit, Kosten, Prävention. Von Gläser, Heribert, (ARAG Allgemeine Versicherungs-AG), Henke, Dr. rer. nat. Thomas (Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl für Sportmedizin). Herausgeber: ARAG Allgemeine Versicherungs-AG.
  • Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP): 10 Goldene Regeln für gesundes Sporttreiben, 2004.
  • Deutscher Olympischer Sportbund, www.richtigfit.de
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V., www.dge.de
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung