Karpaltunnelsyndrom – Symptome, Ursachen, Therapie

Kribbeln die Fingerspitzen und fühlen sich taub an? Der Grund könnte ein Nervenengpass im Handgelenk sein, der zum sogenannten Karpaltunnelsyndrom (KTS) führt. Erste Symptome, Diagnose und Therapie des Karpaltunnelsyndroms.

Handynutzung schlecht für das Handgelenk © iStock

Die Ursachen des Karpaltunnelsyndroms

Beim Karpaltunnel-Syndrom steht der Nervus medianus, der an einer Engstelle durch das Handgelenk führt, unter Druck. Die Ursache ist meist eine Schwellung, die durch belastende Bewegungen entsteht. Karpaltunnel-Beschwerden können durch intensive Handarbeit hervorgerufen werden, bei Fleischern gilt das KTS als Berufskrankheit. Der Grund: Die drehenden Bewegungen im Handgelenk mit dem Messer fördern den Nerven-Engpass. Das gilt gleichermaßen für intensives Stricken oder Reinigungskräfte, die unablässig Wäsche auswringen. Dementsprechend kann auch eine intensive Handy- oder Computernutzung zu einem KTS führen. Weitere Risikofaktoren sind das Schlafen mit abgeknickten Handgelenken, starke Gewichtszunahme oder hormonelle Einflüsse wie Schwangerschaft und Wechseljahre.

Frauen sind häufiger betroffen

Frauen sind drei bis vier Mal häufiger betroffen als Männer. Der Grund sind die hormonellen Schwankungen im Monatszyklus, die zu Schwellungen führen können. Die Schwellung kann wiederum Entzündungen und schließlich Vernarbungen hervorrufen, was die Durchblutung weiter verschlechtert und die Schwellung fördert.

Erste Anzeichen und Symptome

Erste Symptome sind ein Kribbeln in den Spitzen der ersten drei Finger, vom Daumen bis zum Mittelfinger. „Das Kribbeln fühlt sich elektrisierend und brennend an“, sagt Professor Dr. med. Helmut Buchner von der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung. Schüttelt man die Hände, verschwinden die Missempfindungen häufig. Im weiteren Verlauf können Schmerzen auftreten, die nachts sogar bis in den Arm ziehen. „Zum Schluss kann das Kribbeln in ein permanentes Taubheitsgefühl übergehen und sich die Muskulatur am seitlichen Daumenballen der betroffenen Hand zurückbilden.“

Diagnostik des Karpaltunnelsyndroms (KTS)

In der Regel wird ein Karpaltunnelsyndrom von einem Neurologen diagnostiziert. Dafür erfragt der Neurologe zunächst die Vorgeschichte und Beschwerden. Dann folgen meist zwei einfache Tests. Beim Phalen-Test presst der Patient die Handflächen wie beim Beten aneinander und knickt zugleich die Handgelenke im 90-Grad-Winkel ab. „Mit dieser Haltung provoziert man die Enge“, sagt Prof. Buchner. „Tritt nach zwei Minuten kein Kribbeln auf, liegt kein KTS vor.“ Beim Hoffmann-Tinel-Zeichen beklopft der Arzt den Mediannerv in der Innenseite des Handgelenks mit dem Finger. Führt das zum Kribbeln in den Fingerspitzen, ist dies ein Hinweis auf ein Karpaltunnelsyndrom.

Eine eindeutige Aussage erlaubt die elektrische Diagnostik, die Elektroneurographie. „Mit leichten Stromimpulsen messen wir, wie viel Zeit der Mediannerv für die Weiterleitung eines Reizes benötigt“. Dauert es zu lange, das heißt länger als 4,2 bis 4,5 Millisekunden, hat der Nerv eine Funktionsstörung erlitten. Dann kann eine Therapie erforderlich werden. „Dafür eignet sich ein dreistufiges Vorgehen.“

Therapie: Schiene, Kortison, Operation

Im Anfangsstadium hilft es, Belastungen zu vermeiden. Zum Beispiel mit einer Handschiene, die ein Abknicken der Gelenke verhindert. Zudem hilft es, das Smartphone weniger zu nutzen und vor allem drehende Handgelenkbewegungen, wie das Wischen auf dem Display, zu vermeiden. Die Verhaltensänderungen lösen allerdings die Engstelle nicht auf.

Häufig hilft das einmalige Spritzen von entzündungshemmendem Kortison in die Engstelle, ein in Deutschland eher selten angewandtes Verfahren. Die Behandlung ist besonders für Schwangere geeignet, deren Hormonhaushalt sich nach der Geburt wieder umstellt. Sorgen um das ungeborene Kind sind unbegründet, da die Kortison-Dosis minimal und nur örtlich wirksam ist.

Am häufigsten und am wirksamsten ist jedoch die Operation, die bei anhaltenden Beschwerden unumgänglich wird. Dabei spalten Hand- oder Neurochirurgen über einen kleineren Schnitt in örtlicher Betäubung das Bindegewebsgewebsband über dem Karpaltunnel, so dass der eingeklemmte Nerv mehr Platz bekommt und der Druck sinkt. Jährlich erfolgen in Deutschland etwa 300.000 Eingriffe dieser Art.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.01.2020
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. vom 13. August 2019: DGKN: Kribbeln in Fingern und Händen – Nutzung von Smartphones und Nerven-Engpass-Syndrom