Therapie bei Hyperhidrose

Ob heiß oder kalt, ob Sommer oder Winter – Menschen, die an Hyperhidrose leiden, schwitzen übermäßig stark. Neben den körperlichen Folgen wird die Krankheit oft zur psychischen Belastung. Wie bekommt man das Problem am besten in den Griff?

Frau mit Schweißflecken © iStock
Bei leichteren Formen der Hyperhidrose helfen äußerlich aufgetragene Antitranspirantien, die Aluminiumchlorid enthalten. Als Deoroller, Creme, Gel oder Puder auf die betroffenen Hautstellen aufgebracht, dringt der Wirkstoff in die Kanäle der Schweißdrüsen ein und verschließt sie. Erste Erfolge sollten sich nach einigen Wochen einstellen. Gelegentlich treten Nebenwirkungen wie Hautirritationen, Brennen und Jucken auf.

Iontophorese

Auch die Iontophorese verschließt die Schweißdrüsen vorübergehend. Der Betroffene taucht Hände oder Füße in ein Wasserbad, durch das ein schwacher Gleichstrom fließt. Die Iontophorese kann auch unter den Achseln angewendet werden. Dafür werden feuchte Schwämme unter die Arme geklemmt. Entsprechende mobile Geräte erlauben es, die Behandlung zu Hause durchzuführen. Die Wirkungsweise dieser Methode ist wissenschaftlich bisher nicht geklärt.

Spritzen von Botulinumtoxin A

Eine Injektion des Giftes Botulinumtoxin A blockiert die Nervenstimulation der Schweißdrüsen. Es wird kein Schweiß mehr gebildet. Der Arzt spritzt das stark verdünnte Gift mit vielen kleinen Stichen unter die Haut. Die Wirkung lässt allerdings häufig bereits nach etwa sechs Monaten wieder nach. Dann muss die Injektion wiederholt werden. Die Kosten der Therapie muss der Patient selbst tragen.

Behandlung mit Medikamenten

Bisher gibt es noch keine Medikamente zum Einnehmen, die ausschließlich die Schweißproduktion hemmen. Eine Therapie mit Beruhigungsmitteln oder Anticholinergika kann zwar wirksam sein, wird aber wegen der vielen Nebenwirkungen äußerst selten eingesetzt. Tabletten mit Salbeiextrakt können laut Erfahrungsberichten in einigen Fällen helfen. Allerdings gibt es bisher keine kontrollierten Studien, die ihre Wirksamkeit beweisen. Dies gilt ebenso für die Wirkung spezieller homöopathischer Mittel. Da sie in der Regel keine Nebenwirkungen haben, können sie ergänzend zu anderen Therapien eingenommen werden.

Operationen – die letzte Möglichkeit

Leidet der Patient sehr stark unter der Hyperhidrose, kann eine Operation das letzte Mittel der Wahl sein. Generell wird der Arzt eine Operation nur erwägen, wenn alle anderen Maßnahmen wirkungslos waren.

Subkutane axilliäre Schweißdrüsenkürretage oder -saugkürretage

Bei starkem Schwitzen unter den Achselhöhlen können die Schweißdrüsen unter der Haut „abgeschabt“ (subkutane axilläre Schweißdrüsenkürettage) oder „abgesaugt“ (subkutane axilläre Schweißdrüsensaugkürretage) werden. Dabei werden auch die Nervenenden zu den Schweißdrüsen durchtrennt und die vermehrte Schweißproduktion gestoppt. Der Eingriff funktioniert ähnlich einer Fettabsaugung und wird unter lokaler Betäubung durchgeführt. Der Nachteil: Nicht immer ist die Behandlung dauerhaft, die Hyperhidrose kann erneut auftreten.

Lokale axilliäre Schweißdrüsenexzision

Eine andere mögliche Operation: Das komplette Hautareal, auf dem sich die überaktiven Schweißdrüsen befinden, wird herausgeschnitten (lokale axilläre Schweißdrüsenexzision). Der Vorteil dieser Operation: Die Hyperhidrose ist für immer gestoppt. Gegen diesen radikalen Eingriff hingegen sprechen die vielen Nebenwirkungen. Meist entstehen große, unschöne Narben, die Wundheilung kann gestört und die Beweglichkeit danach eingeschränkt sein. Dazu kommt, dass meist extrem große Hautflächen entfernt werden müssen. Häufig bleiben deshalb Hautstücke im Randbereich zurück, wo der Betroffene weiterhin sehr stark schwitzt.

Minimalinvasive Sympathektomie oder Sympathikusblockade

Bei übermäßigem Schwitzen an anderen Stellen als den Achseln können andere Operationsmethoden notwendig werden, bei denen ganze Nervenstränge durchtrennt werden (minimalinvasive Sympathektomie oder Sympathikusblockade). Neben allgemeinen operativen Risiken wie Infektionen, Blutungen oder Wundheilungsstörungen ist ein wesentlicher Nachteil, dass meistens kompensatorische Hyperhidrosen auftreten können. Das bedeutet, die Patienten schwitzen vermehrt an anderen Stellen des Körpers.

Mikrowellenverfahren

Neben diesen etablierten Methoden gibt es auch Alternativmethoden, deren Wirksamkeit und langfristiger Erfolg bisher nicht nachgewiesen sind. Hierzu gehört auch das Mikrowellenverfahren, das einer Thermotherapie ähnelt. Hierbei wird von außen mithilfe eines speziellen Geräts Energie (Mikrowellen) appliziert. Durch die entstehende Hitze sollen die Schweißdrüsen zerstört werden. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten hierfür nicht.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.02.2017
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Anja Dolski, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2010)
  • Leitlinie: Definition und Therapie der primären Hyperhidrose (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/013-059l_S1_prim%C3%A4re_Hyperhidrose_Definition_Therapie_2012-01.pdf)
  • http://www.chirurgie.med.uni-erlangen.de/allgemeine/hyperhidrose_text.htm (Stand: 2010)
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