Physiotherapie (Krankengymnastik) bei einer Hüftgelenksarthrose

Die Physiotherapie kann Patienten mit einer Hüftgelenksarthrose nicht heilen. Sie kann aber durch aktive Behandlung die Folgeprobleme günstig beeinflussen. Das Fortschreiten des Leidens kann durch konsequente Physiotherapie verzögert werden.

Durch die Schonhaltung im Hüftgelenk kann es zu Fehlbelastungen in anderen Gelenken kommen und die Muskulatur wird einseitig beansprucht. Das Ziel der Physiotherapie besteht vor allem darin, die Folgeproblematik, die sich aus der Hüftgelenksarthrose ergibt, gering zu halten.

Behandlungsaufbau der Physiotherapie

Der Aufbau der Physiotherapie basiert auf der individuellen Untersuchung des Patienten. Auf Grund der weitreichenden Konsequenzen, die sich aus einer Coxarthrose für den Patienten ergeben, kann diese Untersuchung sich nicht nur auf das Hüftgelenk beschränken. Beurteilt werden:
  • die Schmerzsituation des Patienten
  • Hilfsmittel (zum Beispiel ein Stock) und das Schuhwerk beim Eintreten in den Behandlungsraum
  • die Fuß- und Beinachsen des Patienten im aufrechten Gang
  • das Ausziehen von Hose, Schuhen und Strümpfen; der Therapeut kann sich hierbei einen ersten Eindruck über die Beweglichkeit und das gesamte Bewegungsmuster des Patienten machen
  • die Bewegungsübergänge des Patienten vom Stand zum Sitz auf der Behandlungsbank, vom Sitz in die Rückenlage auf der Bank und so weiter
  • Beweglichkeit der Wirbelsäule, beider Hüftgelenke, der Kniegelenke und der Sprunggelenke
  • der Spannungszustand und die Kraft der Muskulatur
  • die Einbindung der Hüftgelenke in komplexe Bewegungsmuster zur Beurteilung der Koordination
Das Gesamtbild wird abgerundet durch ärztliche Informationen oder Zusatzdiagnosen, die der Patient mitbringt.

Eine Änderung der Behandlungsstrategie kann in manchen Punkten auch während der Behandlung erfolgen – es ergeben sich bei der aktiven Physiotherapie und im Gespräch häufig neue Untersuchungsergebnisse. In der aktiven physiotherapeutischen Übungsbehandlung gibt es keine allgemeingültigen Regeln, die die Auswahl von Maßnahmen oder deren Reihenfolge bestimmen.

Die Zusammenarbeit zwischen Patient und Physiotherapeut wird allerdings sehr erleichtert, wenn der erste Gedanke des Therapeuten sich der Schmerzverringerung widmet. Welches Problem als erstes in der Therapie berücksichtigt wird, liegt auch daran, inwieweit es dem Patienten subjektiv vorrangig erscheint. So kann zum Beispiel die deutliche Bewegungseinschränkung dem Patienten selbst noch nicht einmal aufgefallen sein, während eine Kraftminderung für ihn weitaus problematischer sein kann.

Therapiemaßnahmen in der Physiotherapie

Die gesamte Physiotherapie steht unter dem Gesichtspunkt der geringen Gelenkbelastung. Die Beanspruchungen sind in verschiedenen Ausgangsstellungen unterschiedlich hoch. Dies bedeutet also, eine adäquate und nicht übermäßige Gelenkbelastung zu erarbeiten. Dies wird durch Ausbildung einer kräftigen und schützenden umgebenden Muskulatur möglich.

Behandlungsansätze

Zur aktiven Physiotherapie stehen dem Therapeuten drei Ansätze zur Verfügung:

1. Der aktive Aufbau der Fußgewölbe

Über den Fuß, der beim Gehen der Kontaktpunkt des Körpers zur Unterlage ist, erfährt der Körper wichtige Informationen, die er im Gangmuster beantwortet. Die Fußmuskulatur steht damit in direktem Zusammenhang mit der hüftgelenksumgebenden Muskulatur. Man kann bei fast allen Coxarthrose-Patienten ein Ungleichgewicht der Fußmuskulatur und damit ein Abflachen der Fußgewölbe erkennen. Durch den Verlust der aktiv gestützten Fußgewölbe kommt es zu einer Verringerung der Stoßdämpferwirkung am Hüftgelenk. Bei jedem Schritt wird das Hüftgelenk mehr als nötig belastet. Einen wichtigen Beitrag zur Verringerung der Gelenkbelastung leistet demnach der aktive muskuläre Aufbau der Fußgewölbe in der Physiotherapie.

2. Die Behandlung der gelenkumgebenden Strukturen (Muskulatur, Bänder, Gelenkkapsel und Sehnen)

Durch gezielte Physiotherapie ist es möglich, Verkürzungen oder Schrumpfungen beziehungsweise Kraft oder Koordinationsdefizite dieser Strukturen zu behandeln. Diese beiden Behandlungsansätze zusammengenommen führen am Ende zu einer umfassenden Physiotherapie, die Bewegungsübergänge und -abläufe aus dem Patientenalltag einschließt.

3. Hilfsmittel

Befindet sich der Patient in einem weiter fortgeschrittenen Krankheitsstadium, kann der Einsatz von Hilfsmitteln nötig werden. Auf diese sollte dann nicht mehr verzichtet werden, wenn entweder ohne sie keine Schmerzfreiheit mehr erreicht wird oder angrenzende Gelenke ohne Hilfsmittel stark überbelastet werden.

Als erste Maßnahme wird im Allgemeinen ein Handstock verordnet, der dem betroffenen Gelenk bereits einen Teil der Belastung abnehmen kann. Dieser Handstock sollte immer auf der Gegenseite des betroffenen Beins benutzt werden, um weiterhin einen möglichst physiologischen Gangablauf zu ermöglichen. Beim Fortschreiten des Leidens können dann auch ein oder zwei Unterarmstützen notwendig werden.

Für den Alltag sehr nützlich sind ein Strumpfanzieher oder die helfende Hand. Letztere verlängert den Arm mit einer Zange, so dass das Aufheben kleiner Gegenstände möglich wird und bleibt. Diese Hilfen sind über den Sanitätsfachhandel zu beziehen. Bei der Verordnung derartiger Hilfsmittel sollte der Grundsatz „so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig“ gelten, um die physiologischen Bewegungsabläufe recht lange zu erhalten.

Maßnahmen, die die Physiotherapie begleiten

Jede Physiotherapie sollte für jeden Patienten individuell vom behandelnden Arzt aufgebaut werden. Es gibt immer wieder Patienten, die die verordneten Anwendungen schlecht oder nicht vertragen. Diese Tatsache muss in der Physiotherapie Berücksichtigung finden.

Eine Badekur mit zusätzlicher psychischer Umstellung und Ablenkung kann die Hüftgelenksarthrose häufig günstig beeinflussen. Gleiches gilt für einen eventuell notwendigen Arbeitsplatzwechsel beziehungsweise das Vermeiden schwerer körperlicher Belastungen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.01.2012
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: awmf-online.de : Coxarthrose, Stand 2002
  • Ortho Hamburg: Coxarthrose Verschleiß des Hüftgelenkes
  • Klinik am Homberg: Coxarthrose
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