Hüftgelenksarthrose: Übungen mit künstlichem Hüftgelenk

Vorbemerkung zu den Übungen

Die Auswahl der nachfolgenden Übungen erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder alleinige Richtigkeit. Sie wurde unter dem Gesichtspunkten
  • schonende Gelenkmobilisation
  • Kräftigung der gelenkumgebenden Muskulatur
ausgewählt.

Mit einem neurophysiologischen Behandlungskonzept wie zum Beispiel der PNF (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation, das Zusammenspiel von Nerven und Muskulatur) lässt sich zugleich in einem frühen Behandlungsstadium eine gangtypische Arbeit leisten. Das operierte Hüftgelenk wird anschließend leichter in den Gangablauf eingegliedert. Die immer gleich bleibenden Orientierungspunkte und -linien am eigenen Körper ermöglichen dem Patienten eine regelmäßige Selbstkontrolle und Korrektur in allen Positionen im Raum.

PNF ist ein spezielles Verfahren in der Krankengymnastik zur Behandlung von Störungen im Nervensystem. Es lassen sich damit Schmerzen lindern, Muskeln kräftigen und entspannen, Bewegungsabläufe und Bewegungswahrnehmungen verbessern. Ob und wie die Methode durchgeführt wird, muss bei jedem Patient genau abgeklärt werden.
Vorsicht mit dem Pezziball
Übungen auf dem sogenannten Pezziball sind wegen ihrer schlecht zu kontrollierenden Drehbewegungen, die durch den Ball ausgelöst werden, eher gefährlich. Sie sollten nur mit dem Therapeuten und in von ihm speziell angepasster Weise geübt werden. Die Behandlung einzelner Strukturen ist ohne Therapeut nicht möglich und wird deshalb nur im theoretischen Teil erwähnt.
Je nachdem wie lange der Beginn der Beschwerden zurückliegt und abhängig von der zwischenzeitlich erfolgten Therapie liegen muskuläre Verkürzungen am Hüftgelenk vor, die inzwischen vom Körper als normaler Spannungszustand registriert werden. Das Empfinden für eine gerade und symmetrische Körperhaltung ist entsprechend verschoben.

Nach der erfolgten Operation ist es wichtig, wieder zu lernen, die ursprüngliche, objektiv symmetrische Körperhaltung wieder einzunehmen. Dabei können sogenannte Wahrnehmungspunkte am Körper helfen.
Info
Bewusst vollzogene, gezielt und regelmäßig ausgeführte Übungen führen zu einer Verbesserung von Kraft und Ausdauer der Muskulatur. Sie erhöhen deren Dehnfähigkeit und sichern damit die Beweglichkeit des neuen Hüftgelenks. Schmerzen sollten bei diesen Übungen allerdings nicht auftreten

Übung: Ausgangsstellung Rückenlage

Hüftgelenk - korrigierte Rückenlage © vitapublic GmbHKorrigierte Rückenlage
Die Nasenspitze, das Halsgrübchen, die Brustbeinspitze und der Bauchnabel sollen auf einer Linie liegen. Die gedachte Fortsetzung dieser Linie bildet die Mitte zwischen den Beinen. Das rechte und das linke Bein liegen gleich weit von dieser Linie entfernt . Die Kniescheiben zeigen genau zur Decke.

Die beiden Beckenpunkte sollen auf gleicher Höhe liegen. Diese Linie soll weder am einen noch am anderen Ende mehr in Richtung Kopf und Fuß zeigen.

Wichtig ist, dass beide Gesäßhälften gleich schwer auf der Unterlage liegen.

Übung: Die Abspreizbewegung im Hüftgelenk

Ein krankengymnastisches Behandlungsprinzip basiert auf der Möglichkeit, dass jedes Gelenk von beiden Gelenkpartnern aus bewegt werden kann.

Im Falle der Implantation eines künstlichen Hüftgelenks wird es dem Patienten in den ersten Tagen nach der Operation nicht sofort möglich sein, selbstständig den Gelenkpartner Bein zu bewegen. Zum einen wird die Kraft dazu noch nicht ausreichen, zum anderen können die Wundschmerzen noch zu groß sein. Hier bietet das Bewegen des Gelenkpartners Becken eine ideale Möglichkeit, sehr schonend und differenziert Bewegungen zu erarbeiten, die wenig Gewichte verschieben müssen und damit schmerzarm sind.
Hüftgelenk - Abspreizbewegung © vitapublic GmbHAbspreizbewegung vom Gelenkpartner Becken
Für die Abspreizbewegung im Hüftgelenk wird also zunerst erlernt, den Beckenpunkt des betroffenen Beines fußwärts zu schieben.
Hüftgelenk - Abspreizbewegung Bein © vitapublic GmbHAbspreizbewegung vom Gelenkpartner Bein
Später wird, zunächst vom Therapeuten unterstützt, dann vom Patienten aktiv ausgeführt, die Abspreizbewegung des Beines geübt.

Auf dem gesamten Bewegungsweg zeigt die Kniescheibe zur Decke.

Hüftgelenk - Abspreizbewegung beide Gelenke © vitapublic GmbHAbspreizbewegung von beiden Gelenkpartnern
Um die maximal mögliche Abspreizbewegung im Hüftgelenk ausnützen zu können, müssen beide Bewegungen zusammengesetzt werden. Es entsteht eine scheinbar kleinere Bewegung, da das Bein nicht so weit abgespreizt werden kann. Durch die Gegenbewegung des Beckens ist jedoch die volle im Hüftgelenk mögliche Abspreizbewegung genutzt.

Übung: Die Innendrehung im Hüftgelenk

Auch hier wird die Bewegung zunächst vom Gelenkpartner Becken begonnen. Der Beckenpunkt der nicht betroffenen Seite bewegt sich auf einer gedachten Kreislinie nach oben innen.
Hüftgelenk - Innendrehung Becken © vitapublic GmbHInnendrehung vom Gelenkpartner Becken
Um nicht das gesamte Beckengewicht anheben zu müssen, kann diese Bewegung auch über den Abdruck der nicht betroffenen Ferse erfolgen. Hierzu beugen Sie das nicht betroffene Bein an.
Hüftgelenk - Innendrehung Bein © vitapublic GmbHInnendrehung vom Gelenkpartner Bein
Während der gesamten Übung soll die Kniescheibe des betroffenen Beines zur Decke zeigen.

Vom Gelenkpartner Bein aus geleitet, dient die Kniescheibe als Wahrnehmungspunkt. Sie soll sich nach innen in Richtung des anderen Knies drehen.

Die Bewegungsrichtung ist häufig bei arthrotischen Veränderungen im Hüftgelenk als erste eingeschränkt, daher kann die Kniescheibe am Anfang der Behandlung häufig kaum oder gerade bis zur Mittelstellung, das heißt in Richtung Decke gebracht werden.
Hüftgelenk - Drehung Beine © vitapublic GmbHBegrenzung der weiterlaufenden Beckenbewegung über beidseitige Innendrehung
Ein weiteres Prinzip des Erreichens der maximalen Gelenkbeweglichkeit in einer Richtung basiert auf dem Gedanken, beide Beine gegeneinander zu bewegen und damit die weiterlaufende Bewegung in das Becken zu begrenzen. In diesem Fall zeigen beide Kniescheiben zueinander. Hier wird die maximale Innendrehung vom Gelenkpartner aus erreicht.

Übung: Die Beugung im Hüftgelenk

Bei der Beugung im Hüftgelenk vom Gelenkpartner Bein aus, muss in Rückenlage das gesamte Beingewicht gegen die Schwerkraft gehoben werden, oder aber gegen die Reibung der Ferse auf der Unterlage in Richtung Gesäß gezogen werden. Deshalb ist es wichtig, hier auf jeden Fall zunächst die Beckenbewegung zu erlernen.
Hüftgelenk - Übung Becken © vitapublic GmbHVerkleinern der Abstände Beckenpunkte zum Oberschenkel
Hierbei soll der Abstand zwischen beiden Beckenpunkten und den Oberschenkeln kleiner gemacht werden.

Hüftgelenk - Beugung Becken © vitapublic GmbHBecken- und Beinbewegung in Richtung Beugung
Wenn nun der Gelenkpartner Bein bewegt werden soll, ist es wichtig, dass die momentane Bewegungsgrenze im Gelenk nicht überschritten wird. Diese Grenze ist erreicht, wenn der oben genannte Abstand zwischen Oberschenkel und Becken nicht weiter verkleinert wird, sondern das Becken auf der Unterlage nur noch nach hinten rollt.

Wichtig auf dem gesamten Bewegungsweg ist auch, dass Hüftgelenk, Kniegelenk und Ferse auf einer Linie liegen, und dass das Kniegelenk nicht nach außen abkippt.
Die Beugung im Hüftgelenk vom Gelenkpartner Bein aus mit dem Übernehmen des gesamten Beingewichtes ist eine weitere Steigerung im Behandlungsaufbau.
Hüftgelenk - Beugung © vitapublic GmbHBeugung im Hüftgelenk
Hierbei gelten für die Bewegungsgrenzen und das Einhalten der Bewegungsrichtung die gleichen Gesichtspunkte wie oben.

Diese Bewegung wird zunächst vom Therapeuten unterstützt, dann übernimmt der Patient zunehmend mehr Gewicht, bevor das Bein vom Patienten selbstständig geführt werden kann.

Das Bein sollte allerdings stets mit gebeugtem Knie abgehoben werden, um die Hebelverhältnisse günstig zu gestalten.

Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.01.2012
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: awmf-online.de: Coxarthrose, Stand 2002
  • Ortho Hamburg: Coxarthrose Verschleiß des Hüftgelenkes
  • Klinik am Homberg: Coxarthrose