Der normale Gang

Der Gang ist ein Bewegungsablauf, bei dem der gesamte Körper, das heißt, beide Beine, das Becken, der Rumpf mit dem Kopf, der Schultergürtel und beide Arme, zusammenarbeiten müssen.

Bereits zum Zeitpunkt der Geburt ist der Bewegungsablauf des Gangs im zentralen Nervensystem gespeichert, obwohl er erst viel später, das heißt im Alter von ungefähr einem Jahr, gebraucht wird. Sobald die erste Phase des „Gehenlernens“ abgeschlossen ist, läuft diese Bewegungsfolge in uns automatisch ab. Man muss über die Kombination der Muskeln und das Zusammenspiel der Gelenke im Körper nicht nachdenken: Es geht wie von selbst ...

Doch im Laufe der Zivilisation hat sich in den Lebensgewohnheiten der Menschen vieles geändert: Die Beanspruchung des Körpers ist nicht mehr so abwechslungsreich, man verbringt viel Zeit im Sitzen, die Muskulatur ist nicht ausreichend trainiert. Und so verliert sich dieses zunächst optimal koordinierte Bewegungsmuster des Gangs mehr und mehr. Dies bedeutet nicht, dass sofort irgendwelche körperlichen Konsequenzen daraus spürbar werden müssen. Es gibt so gut wie keinen erwachsenen Menschen, der sich der optimalen Koordinationsfähigkeit seines Körpers bedient.

Kommt es allerdings irgendwann zusätzlich zu einer äußeren Störung des Bewegungsablaufs – zum Beispiel ein harmloser Kieselstein im Schuh –, dann ändert sich der Gang massiv. Der Kieselstein zeigt seine Auswirkungen auf den Gang bis hinauf zum Schultergürtel und Kopf: Man tritt nicht richtig auf, das Körpergewicht wechselt auf das nicht betroffene Bein, die Wirbelsäule neigt sich seitlich und die Schultern stehen nicht auf einer Höhe. Der Körper sucht sich einen Weg, dem Schmerz auszuweichen. Entfernt man den Kieselstein aus dem Schuh, reguliert sich der Gang wieder automatisch.
Hüftgelenksarthrose Zeichnung:  unterschiedliche Beinstellung während des Gehens © vitapublic GmbHGangablauf
Liegt allerdings eine Störung vor, die ebenfalls Schmerzen verursacht, die aber nicht so leicht zu beheben ist, dann wird der Körper nicht spontan zu seinem physiologischen Bewegungsverhalten zurückfinden und der Ausweichmechanismus wird sich bleibend im Gang verfestigen. Die Gelenke werden fehlbelastet und in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, es kann zu Erkrankungen wie einer Hüftgelenksarthrose (Coxarthrose) kommen. Auch die Muskulatur passt sich diesen Fehlstellungen an und wird sich an bestimmten Stellen verkürzen. Einzelne Muskelgruppen werden geschwächt, da ihnen die Beanspruchung fehlt.

In einem solchen Falle sollte eine gezielte Therapie erfolgen, die verständlicherweise nicht nur das ursächlich betroffene Gelenk, sondern den gesamten Bewegungsapparat mit erfassen muss, sodass am Ende wieder ein physiologischer Gang möglich wird.

Eine zentrale Rolle beim Gehen spielt das Becken. Der Körperschwerpunkt befindet sich ungefähr auf Beckenhöhe und bei jeder Bewegung des Körpers nach vorne muss zunächst der Schwerpunkt in die Bewegungsrichtung gebracht werden. Wie auf der vorherigen Seite erwähnt, bildet das Becken einen Gelenkpartner für das Hüftgelenk, sodass bei Störungen im Hüftgelenksbereich eine sofortige Auswirkung auf den Gang zu erwarten ist.

Die verschiedenen möglichen Bewegungsrichtungen im Hüftgelenk werden zum Gehen nicht alle in ihrem vollen Bewegungsausmaß benötigt. Um ohne Hinken gehen zu können, werden hauptsächlich die Streckfähigkeit sowie die Innendrehung des Hüftgelenks genutzt. Die anderen Bewegungsrichtungen werden zur Feinabstimmung benötigt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.01.2012
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: awmf-online.de : Coxarthrose, Stand 2002
  • Ortho Hamburg: Coxarthrose Verschleiß des Hüftgelenkes
  • Klinik am Homberg: Coxarthrose
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