Anatomie und Funktion des Hüftgelenks

Das Hüftgelenk ist das größte und am stärksten belastete Gelenk des menschlichen Körpers. Bei einem Körpergewicht von etwa 70 Kilogramm kommt es beim Gehen in den Belastungszonen der Hüfte zu Druckbelastungen von mehr als dem Doppelten des Körpergewichts. Diese Belastung wird von einem gesunden Hüftgelenk bei den meisten Menschen während des gesamten Lebens ausgehalten.

Anatomie des Hüftgelenks

Beim Hüftgelenk handelt es sich um ein sogenanntes Kugelgelenk. Dabei steht der Oberschenkelknochen mit seinem Kopf (Hüftkopf), der am Ende des Oberschenkelhalses sitzt, in der Hüftpfanne, die vom Becken gebildet wird. Um im Gelenk eine Bewegung zu erreichen, kann man beide Gelenkpartner, auch Hebel genannt, bewegen. Am deutlichsten zu spüren ist in der Regel die Bewegung vom längeren Hebel, in diesem Fall das Bein.
Hüftgelenksarthrose Zeichnung: Hüftgelenk aus drei verschiedenen Blickrichtungen in unterschiedlichen Winkeln © vitapublic GmbHGelenkpartner der Hüfte
Der zweite Gelenkpartner, das Becken, kann die Bewegung im Hüftgelenk auch ausführen. Es handelt sich hier um eine kleinere, weniger deutlich wahrnehmbare Bewegung. Will man den größtmöglichen Bewegungsausschlag für eine Bewegungsrichtung erreichen, müssen sich beide Gelenkpartner, das heißt das Bein und das Becken, bewegen.
Hüftgelenksarthrose Korrigierte Rückenlage: auf dem Rücken liegen, Arme parallel zum Körper, Beine leicht gespreizt. © vitapublic GmbHBewegungsausschläge des Hüftgelenks bei einliegender Prothese
Das Hüftgelenk lässt Bewegungen in sechs Bewegungsrichtungen zu: das Beugen und Strecken, das An- und Abspreizen, sowie das Innen- beziehungsweise Außendrehen des Beines. Meist werden diese Bewegungen kombiniert, wie zum Beispiel beim Aufstehen von einem Stuhl.

Für jede der genannten Bewegungsrichtungen gibt es eine entsprechende und zusätzliche Bewegung des Beckens um den Oberschenkelknochen.

Im normalen Bewegungsverhalten geschieht jede Bewegung im Hüftgelenk sowohl vom Oberschenkel als auch vom Becken aus. Es ist jedoch die Bewegung des Beines, die am deutlichsten wahrzunehmen und sichtbar ist.
Die gelenkbildenden Anteile des Knochens sind beim Gesunden mit einer glatten Knorpelschicht unterschiedlicher Dicke je nach Belastungszone überzogen. Das Hüftgelenk selbst wird von einer Gelenkkapsel umgeben. Zwischen den Knorpelschichten von Hüftkopf und Hüftpfanne findet sich der Gelenkspalt, welcher mit der „Gelenkschmiere“ (Synovia) gleitfähig gehalten wird. Diese ölige Substanz wird von der inneren Schicht der Gelenkkapsel ständig neu gebildet. Knorpel und Gelenkschmiere schützen den Knochen vor Abrieb und dienen als Stoßdämpfer. Die Gelenkkapsel selbst ist mit kräftigen Bandstrukturen verstärkt. Das Hüftgelenk wird in seiner normalen Position durch diese Bänder, durch die Gelenkkapsel sowie durch die umgebende Muskulatur in korrekter Stellung gehalten.

Die Hüftgelenkspfanne umschließt den Hüftkopf nicht vollständig. Auf diese Weise entsteht ein recht großer Bewegungsspielraum in diesem Kugelgelenk. Es leuchtet ein, dass das Gelenk dadurch in einzelnen Bezirken (beispielsweise beim Stehen oder Gehen) stets unterschiedlich stark belastet wird. Hierbei sind insbesondere verschiedene Areale der starren, nicht beweglichen Hüftpfanne betroffen. Dieser Umstand ist allerdings von der Natur durch unterschiedliche Knorpeldicken im Hüftgelenk weitgehend ausgeglichen. Kommt es zu einer vermehrten Abnutzung im Bereich des Hüftgelenks (zum Beispiel bei einer Arthrose), wird sich diese zunächst an den eben beschriebenen hauptbelasteten Stellen abspielen.

Dem Hüftgelenk unmittelbar benachbart sind die großen Nerven- und Gefäßstämme, die das Bein versorgen.

Um eine Bewegung aktiv ausführen zu können, braucht man die Muskulatur. Diese muss zum einen die nötige Kraft besitzen, die geplante Bewegung ausführen zu können. Zum anderen soll die Muskulatur der Gegenrichtung in der Lage sein, langsam in der Spannung nachzulassen, damit die gewünschte Bewegungsrichtung überhaupt ausgeführt werden kann. Für die geplante Bewegung in einer Richtung ist es zusätzlich notwendig, dass gerade so viel Spannung der Muskulatur erbracht wird, wie eben benötigt – diese Feinabstimmung nennt man Koordination.

Um also im Hüftgelenk eine für den Alltag verwendbare Funktion zu erreichen, benötigt man sowohl intakte Gelenkstrukturen, als auch eine funktionierende Muskulatur, die gleichermaßen kräftig wie koordinationsfähig sein muss. Dies soll bezogen auf zwei ausgewählte Tätigkeiten im Alltag, nämlich dem Gehen und dem Sitzen, näher erläutert werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.01.2012
  • Autor/in: vitanet.de
  • Quellen: awmf-online.de : Coxarthrose, Stand 2002
  • Ortho Hamburg: Coxarthrose Verschleiß des Hüftgelenkes
  • Klinik am Homberg: Coxarthrose
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