HIV/AIDS: Kinderwunsch mit HIV-Infektion

In Deutschland gibt es eine steigende Zahl von Schwangerschaften mit einem HIV-infizierten Partner. Noch vor wenigen Jahren wurde bei einer HIV-infizierten Schwangeren aus medizinischer Sicht zur Unterbrechung der Schwangerschaft geraten. Das Risiko einer Ansteckung für das Kind war sehr hoch.

Durch neue Therapiemethoden und zahlreiche Weiterentwicklungen ist es gelungen, das Risiko der Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf das Kind zu vermindern.

75 Prozent der HIV-Infizierten sind zwischen 20 und 40 Jahre alt. Somit existiert bei vielen sicherlich auch der Wunsch nach einem eigenen Kind. Die Erfüllung des Kinderwunsches bei Paaren mit einem HIV-infizierten Partner ist mit speziellen medizinischen Maßnahmen verbunden, die dem Infektionsschutz des nicht infizierten Partners und der Vermeidung einer HIV-Übertragung auf das Kind dienen. Dies sollten Sie eingehend mit dem behandelnden Arzt besprechen.

Es gibt aus bisher vorliegenden wissenschaftlichen Studien keine Ergebnisse, dass Schwangerschaft und Geburt den Verlauf einer HIV-Infektion verschlechtern können. Eine Infektion erhöht jedoch augenscheinlich die Wahrscheinlichkeit für Komplikationen in der Schwangerschaft.

Zeugung durch künstliche Befruchtung

Möchte eine HIV-negative Frau ein Kind von einem HIV-positiven Mann, kann sein Sperma vor der Befruchtung gewonnen und anschließend „gewaschen“ werden. Danach wird eine künstliche Befruchtung durchgeführt. Auch bei einer HIV-positiven Frau und einem HIV-negativen Mann kann die künstliche Befruchtung helfen, wenn eine natürliche Befruchtung nicht in Frage kommt.

Infektionsrisiko für das Kind

Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des HI-Virus von der Mutter auf das Kind beträgt ohne vorbeugende Maßnahmen (antiretrovirale Therapie) etwa 15 bis 20 Prozent. Eine Infektion des Kindes scheint zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft möglich zu sein.

Ein hohes Infektionsrisiko besteht allerdings vor allem während der Geburt, zum Beispiel durch vorzeitige Wehen, Frühgeburten, vorzeitigen Blasensprung, Infektionen der Embryonalhülle (Amnioninfektion) und eine Geburt auf natürlichem Wege.

Die Empfehlungen sind neben einer virenhemmenden Therapie während der Schwangerschaft auch die vorbeugende Behandlung des Neugeborenen und der Verzicht auf das Stillen des Kindes. Das Infektionsrisiko des Kindes kann auch durch einen geplanten Kaiserschnitt weiter gesenkt werden. Bei Einhaltung aller Maßnahmen beträgt das Risiko des Neugeborenen, sich mit HIV zu infizieren, weniger als zwei Prozent.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.03.2017
  • Autor/in: Anja Dolski, Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: N. Suttorp, M. Mielke, W. Kiehl, B. Stück (Hrsg.): Infektionskrankheiten verstehen, erkennen, behandeln, Thieme-Verlag
  • NH. Brockmeyer et al.: HIV-Infekt, Epidemiologie, Prävention, Pathogenese, Diagnostik, Therapie, Psychsoziologie. Springer Verlag
  • Priv.-Doz. Dr. J. Rockstroh und Prof. Dr. U. Spengler (Hrsg.): Opportunistische Infektionen und Tumore im Verlauf der HIV-Infektion, Medizinische Universitätsklinik I der Universität Bonn, UNI-MED Science, 2., neu bearb. Auflage
  • K. Arasteh, R. Weiß: Buch gegen die Panik - Leben mit der HIV-Infektion, Verlag Rosa Winkel
  • Robert-Koch-Institut : Infektionskrankheiten A-Z
  • Robert Koch Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte – HIV-Infektion/AIDS. http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HIV_AIDS.html
  • Deutsche AIDS Gesellschaft e.V.: Deutsch-Österreichische Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion.
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