Zytomegalie (CMV) bei HIV und AIDS

Das Zytomegalievirus (CMV) lässt sich bei einem Großteil der Bevölkerung nachweisen. Zytomegalieviren können sich in verschiedenen Organen ansiedeln. Betroffen sind meist der Verdauungstrakt und die Netzhaut (Retina), seltener die Lunge und das Gehirn. Die Infektion verläuft bei Gesunden meistens ohne Symptome.

Bei HIV-Infizierten, die keine Therapie erhalten, tritt sehr häufig eine CMV-Erkrankung auf. Meistens handelt es sich hierbei um eine erneute Aktivierung einer Infektion, die einem Gesunden nicht schaden würde.

CMV-Retinitis, Pneumonie und Befall des Magen-Darm-Trakts bei HIV und AIDS

Häufig tritt bei HIV-Infizierten ohne adäquate Therapie die HIV-Retinitis – auch CMV-Retinitis genannt – auf, eine Entzündung der Netzhaut. Unbehandelt kann die CMV-Retinitis sehr schnell zur Erblindung führen. Verschwommenes, unscharfes Sehen und Lichtblitze sind Warnsignale. Manchmal bereitet auch das räumliche Sehen plötzlich Probleme, oder es kommt zu Einschränkungen des Gesichtsfeldes. Bei den kleinsten Sehveränderungen sollten Betroffene unbedingt einen Augenarzt aufsuchen, der sich mit HIV-Infektionen auskennt.  

Das Zytomegalievirus kann auch eine Infektion des Magen-Darm-Trakts verursachen oder eine Lungenentzündung (Pneumonie) auslösen. Da CMV nur bei stark geschwächtem Immunsystem zu Symptomen und Komplikationen führt, gelten diese CMV-Infektionen bei Menschen mit HIV als AIDS-definierende Erkrankungen.

Therapie der Zytomegalie

Eine Zytomegalie-Infektion behandelt der Arzt mit antiviralen Medikamenten in Form von Tabletten oder Infusionen. Die Infusionen sind wirksamer, haben allerdings auch mehr Nebenwirkungen. Die Behandlung muss nach Abklingen der Beschwerden lebenslang fortgesetzt werden. Zuerst kommen die Medikamente in hoher Dosis zum Einsatz. Diese „Induktionstherapie“ dauert in der Regel drei Wochen. Danach wird in niedriger Dosierung weiter behandelt. Ohne diese „Erhaltungstherapie“ würde die CMV nach wenigen Wochen erneut ausbrechen. Als Wirkstoffe werden Ganciclovir, Foscarnet, Cidofovir oder Valganciclovir eingesetzt. Seit Einführung der cART, also der antiretroviralen Therapie, die gleich mehrere Medikamente kombiniert, ist teilweise auch eine Verkürzung der Erhaltungstherapie möglich.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.03.2017
  • Autor/in: Anja Dolski, Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: N. Suttorp, M. Mielke, W. Kiehl, B. Stück (Hrsg.): Infektionskrankheiten verstehen, erkennen, behandeln, Thieme-Verlag 2004
  • NH. Brockmeyer et al.: HIV-Infekt, Epidemiologie, Prävention, Pathogenese, Diagnostik, Therapie, Psychsoziologie. Springer Verlag 2000
  • Priv.-Doz. Dr. J. Rockstroh und Prof. Dr. U. Spengler (Hrsg.): Opportunistische Infektionen und Tumore im Verlauf der HIV-Infektion, Medizinische Universitätsklinik I der Universität Bonn, UNI-MED Science, 2., neu bearb. Auflage 2003
  • K. Arasteh, R. Weiß: Buch gegen die Panik - Leben mit der HIV-Infektion, Verlag Rosa Winkel 2002
  • Robert-Koch-Institut : Infektionskrankheiten A-Z
  • Waib, Luis Fernando et al.: Withdrawal of maintenance therapy for cytomegalovirus retinitis in AIDS patients exhibiting immunological response to HAART (http://www.scielo.br/scielo.php?script=sci_arttext&pid=S0036-46652007000400004)
  • Robert Koch Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte – HIV-Infektion/AIDS. http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HIV_AIDS.html
  • Deutsche AIDS Gesellschaft e.V.: Deutsch-Österreichische Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion.
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