Begleitinfektionen bei HIV und AIDS

Bei einer HIV-Infektion besteht ein erhöhtes Risiko für Begleitinfektionen. Das sind Infektionen, die auf dem gleichen Weg übertragen werden wie das HI-Virus. Im Unterschied zu den opportunistischen Infektionen sind es aber keine AIDS-definierenden Erkrankungen. Dennoch hängt ihr Behandlungserfolg mit dem Verlauf der HIV-Infektion zusammen.

Zu den Begleitinfektionen bei einer HIV-Infektion zählen:

Lues (Syphilis)
Die Geschlechtskrankheit Lues ist eine bakterielle Infektion ausgelöst durch Treponema pallidum, die im Normalfall drei bis fünf Wochen nach der Ansteckung ausbricht. In der ersten Phase (Primäre Lues) zeigen sich lokale Entzündungen im Mundraum oder den Geschlechtsteilen sowie Lymphknotenschwellungen. In der zweiten Phase (Sekundäre Lues) kommen Hautausschläge, Heiserkeit und Plaques auf der Mundschleimhaut dazu. In der dritten Phase (Tertiäre Lues) sind dann Organe betroffen, es kommt zu Muskel- und Hautzerstörungen, Aortenentzündung und vielfältigen neurologischen Schädigungen.

Bei HIV-Infizierten können schon in den ersten beiden Phasen massive Hautschädigungen, Fieberschübe und eine allgemeine Abgeschlagenheit auftreten. Ganz allgemein sind die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen wesentlich kürzer als bei nicht HIV-Infizierten. Eine Behandlung erfolgt meist mit Penicillin-Präparaten.
Chronische Hepatitis-B- und -C-Infektionen
Hepatitis ist eine Virus-Infektion, die entzündliche Erkrankungen der Leber auslöst. Die verschiedenen Virustypen werden in A bis E klassifiziert. Während Typ A und E über den Verdauungstrakt in den Körper gelangen, kommen Typ B, C und D nur parenteral, das heißt über die Blutbahn, in den Organismus. Unbehandelt kann es bei Typ B, C und D letztlich zur Zerstörung der Leber (Leberzirrhose) kommen.

Besonders die Varianten B und C betreffen HIV-Infizierte: Etwa 80 Prozent von ihnen haben bereits eine Hepatitis-B-Infektion durchlebt. Bei zehn Prozent ist sie chronisch geblieben. Unter denjenigen, die sich über Drogenkonsum (infizierte Nadeln) mit HIV angesteckt haben, leiden 50 Prozent an chronischer Hepatitis C. Als Standardtherapie werden Nukleosidanaloga wie Lamivudin und Ribavirin in Kombination mit Interferon-Alpha eingesetzt. Der Erfolg einer Behandlung hängt auch hier vom Stadium der HIV-Infektion ab – also davon, wie stark das Immunsystem schon geschwächt ist.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.03.2017
  • Autor/in: Anja Dolski, Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: N. Suttorp, M. Mielke, W. Kiehl, B. Stück (Hrsg.): Infektionskrankheiten verstehen, erkennen, behandeln, Thieme-Verlag
  • NH. Brockmeyer et al.: HIV-Infekt, Epidemiologie, Prävention, Pathogenese, Diagnostik, Therapie, Psychsoziologie. Springer Verlag
  • Priv.-Doz. Dr. J. Rockstroh und Prof. Dr. U. Spengler (Hrsg.): Opportunistische Infektionen und Tumore im Verlauf der HIV-Infektion, Medizinische Universitätsklinik I der Universität Bonn, UNI-MED Science, 2., neu bearb. Auflage
  • K. Arasteh, R. Weiß: Buch gegen die Panik - Leben mit der HIV-Infektion, Verlag Rosa Winkel
  • Robert-Koch-Institut : Infektionskrankheiten A-Z
  • Robert Koch Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte – HIV-Infektion/AIDS. http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HIV_AIDS.html
  • Deutsche AIDS Gesellschaft e.V.: Deutsch-Österreichische Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion.
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