Atypische Mykobakterien bei HIV und AIDS

Mykobakterien sind weitverbreitet und verursachen im Normalfall bei intaktem Immunsystem keine nennenswerten Krankheitszeichen. Bei HIV-Erkrankten, die keine adäquate Therapie erhalten, können atypische Mykobakterien wie Mykobakterium avium complex oder Mykobakterium kansasii jedoch schwere Komplikationen verursachen.

Mykobakterium-avium-Komplex (MAC)

Die Erreger vom Typ Mykobakterium-avium-Komplex gelangen über die Atmung in die Lunge oder über den Mund in den Magen-Darm-Trakt. Jeweils dort angekommen, bilden sie Kolonien und können sich bei einem schwachen Immunsystem – wie das bei HIV-Patienten der Fall ist – ausbreiten. Mehr als 90 Prozent aller Erkrankungen bei HIV-Infizierten ohne adäquate Therapie werden durch diese Erreger verursacht.

Bei einem Befall der Lunge mit dem Mykobakterium-avium-Komplex (MAC) treten Symptome auf, die einer Lungenentzündung sehr ähnlich sind. Fieber, Husten mit Auswurf, starke Gewichtsabnahme oder Nachtschweiß können Hinweise auf eine Erkrankung durch Mykobakterien sein. Der Arzt behandelt hier mit einer speziellen Kombination von Antibiotika, wobei er stets auf mögliche Wechselwirkungen mit antiretroviralen Medikamenten achtet.

Mycobakterium kansasii

Das Mycobakterium kansasii kommt vor allem in Leitungswasser vor. Die Infektion erfolgt durch die Aufnahme und den Kontakt mit kontaminiertem Wasser. Das Bakterium befällt die Lunge – in der Folge kann sich auch eine Nierenentzündung, Hirnhautentzündung und Infektion von Haut- und Knochen entwickeln. Die Infektion wird mit Antibiotika behandelt.

Infektionen als AIDS-definierende Erkrankungen

Infektionen mit Mykobakterium-avium-Komplex oder Mykobakterium kansasii, die den ganzen Körper betreffen oder die Erkrankungen außerhalb der Lunge auslösen, treten in der Regel nur bei stark geschwächtem Immunsystem auf. Bei einer bestehenden HIV-Infektion gelten sie daher als AIDS-definierende Erkrankungen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.03.2017
  • Autor/in: Anja Dolski, Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: N. Suttorp, M. Mielke, W. Kiehl, B. Stück (Hrsg.): Infektionskrankheiten verstehen, erkennen, behandeln, Thieme-Verlag
  • NH. Brockmeyer et al.: HIV-Infekt, Epidemiologie, Prävention, Pathogenese, Diagnostik, Therapie, Psychsoziologie. Springer Verlag
  • Priv.-Doz. Dr. J. Rockstroh und Prof. Dr. U. Spengler (Hrsg.): Opportunistische Infektionen und Tumore im Verlauf der HIV-Infektion, Medizinische Universitätsklinik I der Universität Bonn, UNI-MED Science, 2., neu bearb. Auflage
  • K. Arasteh, R. Weiß: Buch gegen die Panik - Leben mit der HIV-Infektion, Verlag Rosa Winkel
  • Robert-Koch-Institut : Infektionskrankheiten A-Z
  • Robert Koch Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte – HIV-Infektion/AIDS. http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HIV_AIDS.html
  • Deutsche AIDS Gesellschaft e.V.: Deutsch-Österreichische Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion.
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