Diagnostik bei HIV/AIDS: Der HIV-Test

Eine HIV-Infektion lässt sich durch einen HIV-Test – je nach Testverfahren – nach sechs bis zwölf Wochen nach der Infektion nachweisen. Zum Nachweis der HIV-Infektion stehen verschiedene Testverfahren zur Verfügung.

Die Testung auf HIV-Antikörper erfordert grundsätzlich mindestens zwei unterschiedliche Tests:

Der Suchtest (ELISA)

Der Standardtest ist der sogenannte indirekte ELISA (Enzyme Linked Immuno Sorbent Assay), bei dem nach den Antikörpern gegen das HI-Virus gesucht wird. Meist werden die Untersuchungen automatisiert durchgeführt, sodass sich in kurzer Zeit eine Vielzahl von Proben untersuchen lässt.

So funktioniert der ELISA-Test: Auf dem Boden des Probengefäßes befinden sich Antigenpartikel des HI-Virus. In dieses Gefäß wird im ersten Schritt eine Blutprobe gefüllt. Ist ein Patient HIV-infiziert, befinden sich in seinem Blut Antikörper, die gegen das Virus gerichtet sind. Diese binden sich nun fest an die Viruspartikel.

Im nächsten Schritt wird alles überflüssige Material aus dem Gefäß entfernt und dieses gespült. Die Viruspartikel und die an sie gebundenen Antikörper bleiben dabei jedoch auf dem Boden des Probengefäßes haften. Der Probe wird nun erneut eine Substanz zugegeben. Das kann ein weiterer Antikörper sein, der sich gegen den menschlichen Antikörper richtet und an diesem andockt. Es kann auch ein weiterer Viruspartikel sein, der ebenfalls am menschlichen Antikörper bindet. Diese Substanzen sind mit einem Enzym markiert.

Im folgenden Schritt wird wieder sämtliche überflüssige Lösung entfernt und erneut gespült. Anschließend gibt man eine weitere Lösung hinzu, in der sich eine Substanz befindet, die durch das Enzym verändert wird. Im Fall einer HIV-Infektion ändert sich die Farbe der Lösung. Wird dieser Farbumschlag durch das Testgerät erfasst, dann ist der Test positiv, das heißt: Der Patient ist HIV-infiziert.

Bei einem nicht infizierten Menschen befinden sich in dessen Blut keine Antikörper. Die Testsubstanz mit dem Enzym wird bei den Spülschritten entfernt, da sie sich nicht an den Antikörper binden kann. Es kommt zu keinem Farbumschlag: Der Test ist negativ, der Patient nicht infiziert.

Da der Test sehr empfindlich ist, kann es vorkommen, dass manchmal auch andere Antikörper mitreagieren. Aus diesem Grund muss ein positives Ergebnis (= Antikörper gegen HIV vorhanden) in diesem Test durch einen Bestätigungstest überprüft werden. So wird sichergestellt, dass nicht irrtümlich ein falsch positives Ergebnis übermittelt wird.

Der Bestätigungstest

Für den Bestätigungstest gibt es in Deutschland zwei Alternativen: Vorgeschrieben ist ein sogenannter Immuno-Blot (früher auch Western-Blot genannt). Beim Immuno-Blot (Western-Blot) werden die Antigene zunächst in ihre Bestandteile zerlegt. Mittels elektrischen Stroms werden sie wiederum in einzelne Proteine aufgetrennt und dann auf einen Teststreifen (Nitrocellulose-Membran) übertragen („blotten“). Auf dieses Proteingemisch gibt man das zu untersuchende Blutserum. Sind darin Antikörper, binden sie an die viralen Proteine.

Ähnlich wie beim ELISA gibt man im nächsten Schritt einen mit Enzymen markierten zweiten Antikörper und eine Lösung dazu. Das führt auf dem Teststreifen zu einem charakteristischen Muster. Entsprechend diesem Muster wird der Test als positiv (HIV-Infektion) oder negativ (keine HIV-Infektion) bewertet.

Weitere Testverfahren zum Nachweis einer HIV-Infektion

Bei unklarem Befund kann ein HIV-Nukleinsäureamplifikationstest (NAT) ein eindeutiges Ergebnis liefern. Dabei werden virale Bausteine – die Nukleinsäuren – vervielfältigt und damit auch kleinste Mengen nachweisbar.  

Mit dem PCR-Test kann man, zusätzlich zum Nachweis der Infektion, die Viruslast – also die Menge der im Blut vorhandenen Viren – bestimmen. Dazu wird im Blut nach der viralen Erbsubstanz des HI-Virus gesucht. Der Test kann auch zur Kontrolle der HIV-Therapie eingesetzt werden. Denn: Ist der Test unter der Therapie negativ, bedeutet das, dass keine nachweisbaren Viren mehr im Blut vorhanden sind – die Therapie funktioniert. Der PCR-Test kann eine Infektion zwei Wochen nach der möglichen Ansteckung nachweisen. Die Nachteile des PCR-Tests: Er kann nur HIV-1 – nicht den Typ HIV-2 – nachweisen und kann bei Menschen, deren Immunsystem selbst das Virus in Schach hält, falsch negativ ausfallen. Außerdem ist das Testverfahren verhältnismäßig teuer.

HIV-Schnelltests und Tests aus dem Internet

Mittlerweile gibt es auch Schnelltests, die eine Beurteilung innerhalb von einer bis 20 Minuten erlauben. Bei Schnelltests ist ein negativer Befund allerdings erst zwölf Wochen nach der möglichen Infektion aussagekräftig. Auch hier gibt es verschiedene Schnelltestverfahren. Als am sichersten gelten Schnelltests, die im Blut HIV-Antikörper nachweisen können. Bluttests sind wesentlich aussagekräftiger als Tests, bei denen ein Abstich der Mundschleimhaut oder der Urin untersucht wird. Ein Nachteil der Schnelltests: Es kann zu falsch positiven Ergebnissen kommen. Das heißt: Bei einem positiven Ergebnis muss immer ein weiterer, regulärer Test folgen.  

Manche Schnelltests werden im Internet für Privatpersonen zum Kauf angeboten. Von solchen „Selbsttests“ ist aus mehreren Gründen abzuraten: Die Tests können nicht alle Untergruppen des HI-Virus erkennen, Laien können solche Tests häufig nicht korrekt durchführen und die Interpretation bedarf einer gewissen Erfahrung. Auch fehlen im Falle eines positiven Ergebnisses eine entsprechende Beratung und der Bestätigungstest. In Deutschland ist die Abgabe solcher Tests an Laien nicht gestattet.
Info
Ein HIV-Test darf nur mit schriftlicher Einwilligung des Patienten erfolgen. In den ersten sechs Wochen nach einer Infektion kann man eine Ansteckung nicht mit Sicherheit bestätigen oder ausschließen. In dieser Zeit ist die Gefahr, dass ein bereits mit HIV-Infizierter ohne Wissen um seine Krankheit weitere Personen ansteckt, besonders hoch.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.03.2017
  • Autor/in: Anja Dolski, Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: N. Suttorp, M. Mielke, W. Kiehl, B. Stück (Hrsg.): Infektionskrankheiten verstehen, erkennen, behandeln, Thieme-Verlag
  • NH. Brockmeyer et al.: HIV-Infekt, Epidemiologie, Prävention, Pathogenese, Diagnostik, Therapie, Psychsoziologie. Springer Verlag
  • Priv.-Doz. Dr. J. Rockstroh und Prof. Dr. U. Spengler (Hrsg.): Opportunistische Infektionen und Tumore im Verlauf der HIV-Infektion, Medizinische Universitätsklinik I der Universität Bonn, UNI-MED Science, 2., neu bearb. Auflage
  • K. Arasteh, R. Weiß: Buch gegen die Panik - Leben mit der HIV-Infektion, Verlag Rosa Winkel
  • Robert-Koch-Institut : Infektionskrankheiten A-Z
  • Robert Koch Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte – HIV-Infektion/AIDS. http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_HIV_AIDS.html
  • Deutsche AIDS Gesellschaft e.V.: Deutsch-Österreichische Leitlinien zur antiretroviralen Therapie der HIV-Infektion.
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