Diagnostik bei HIV/AIDS: Der HIV-Test

Eine HIV-Infektion lässt sich bei den meisten Menschen durch den HIV-Test nach zehn bis zwölf Wochen nachweisen. Sie wird indirekt, das heißt über den Nachweis virusspezifischer Antikörper im Blut gestellt.

In ganz seltenen Fällen werden Antikörper erst mehr als drei Monate nach einer Infektion gebildet. Liegt also eine Ansteckung drei Monate oder länger zurück, wird sie nahezu zuverlässig angezeigt. Ein kürzerer Abstand nach einer möglichen Infektion kann zu einem falsch negativen Ergebnis führen, weil noch nicht genügend Antikörper gebildet wurden.

Die Testung auf HIV-Antikörper erfordert grundsätzlich mindestens zwei unterschiedliche Tests:

Der Suchtest (ELISA)

Der Standardtest ist der sogenannte indirekte ELISA (Enzyme Linked Immuno Sorbent Assay), bei dem nach den Antikörpern gegen das HI-Virus gesucht wird. Meist werden die Untersuchungen automatisiert durchgeführt, sodass sich in kurzer Zeit eine Vielzahl von Proben untersuchen lässt. Auf dem Boden des Probengefäßes, meist ein winziger Napf auf einer größeren Platte mit einer Vielzahl solcher Näpfe, befinden sich Antigenpartikel des HI-Virus. In dieses Gefäß wird in einem ersten Schritt eine Blutprobe gefüllt. Ist ein Patient HIV-infiziert, befinden sich in seinem Blut Antikörper, die gegen das Virus gerichtet sind. Diese binden sich nun fest an die Viruspartikel.

Im nächsten Schritt wird alles überflüssige Material aus den Näpfchen entfernt und diese werden gespült. Die Viruspartikel und die an sie gebundenen Antikörper bleiben dabei jedoch auf dem Boden des Probengefäßes haften. Anschließend wird der Probe erneut eine Substanz zugegeben. Das kann ein weiterer Antikörper sein, beispielsweise von einer Ziege gewonnen, der sich gegen den menschlichen Antikörper richtet und an diesem andockt. Es kann aber auch ein weiterer Viruspartikel sein, der ebenfalls am menschlichen Antikörper bindet. Was man auch verwenden mag, gemeinsam ist beiden Substanzen, dass sie mit einem Enzym markiert sind.

Im folgenden Schritt wird nun wieder sämtliche überflüssige Lösung entfernt und erneut gespült. Anschließend gibt man eine weitere Lösung hinzu, in der sich eine Substanz befindet, die durch das Enzym verändert wird. Dabei ist diese Substanz so gewählt, dass sich im Fall einer HIV-Infektion die Farbe der Lösung ändert. Wird dieser Farbumschlag durch das Testgerät erfasst, dann ist der Test positiv, das heißt: Der Patient ist HIV-infiziert.

Bei einem nicht infizierten Menschen befinden sich in dessen Blut keine Antikörper. Die Testsubstanz mit dem Enzym wird also bei den Spülschritten entfernt (da sie sich ja nicht an den Antikörper binden kann) und es kommt zu keinem Farbumschlag: der Test ist negativ, das heißt, der Patient ist nicht infiziert.

Da der Test sehr empfindlich ist, kann es vorkommen, dass manchmal auch andere Antikörper mitreagieren. Aus diesem Grund muss ein positives Ergebnis (= Antikörper gegen HIV vorhanden) in diesem Test durch einen Bestätigungstest überprüft werden. So wird sichergestellt, dass nicht irrtümlich ein falsch positives Ergebnis übermittelt wird.


Der Bestätigungstest

Für den Bestätigungstest gibt es in Deutschland zwei Alternativen: Vorgeschrieben ist ein sogenannter Western-Blot oder ein Immunfluoreszenztest (IFT beziehungsweise IFA). Nachteil beider Tests ist, dass sie aufwendig und entsprechend teuer sind. Beim Western-Blot wird das Virus in Zellkulturen vermehrt, gereinigt und anschließend in seine Bestandteile zerlegt. Mittels elektrischen Stroms werden diese dann in einzelne Proteine aufgetrennt und dann auf einen Teststreifen (Nitrocellulose-Membran) übertragen („blotten“). Auf dieses Proteingemisch gibt man das zu untersuchende Blutserum. Sind darin Antikörper, binden sie an die viralen Proteine.

Ähnlich wie beim ELISA gibt man im nächsten Schritt einen mit Enzymen markierten zweiten Antikörper und eine Lösung dazu, was auf dem Teststreifen zu einem charakteristischen Muster führt. Entsprechend diesem Muster wird der Test als positiv (HIV-Infektion) oder negativ (keine HIV-Infektion) bewertet.

Der Immunfluoreszenztest funktioniert ähnlich. Hier ist lediglich der zweite Antikörper anstatt mit einem Enzym mit einem Fluoreszenzfarbstoff markiert, sodass im Falle eines positiven Testergebnisses diese Antikörper unter einem Fluoreszenzmikroskop aufleuchten. Bei einem unerwartet positiven Ergebnis sollten diese Tests noch einmal aus einer weiteren Blutprobe bestätigt werden.

Mittlerweile gibt es auch Schnelltests, die eine Beurteilung innerhalb von 15 bis 30 Minuten erlauben. Manche davon werden im Internet für Privatpersonen zum Kauf angeboten. Von solchen „Selbsttests“ ist aus mehreren Gründen abzuraten: Laien können solche Tests häufig nicht korrekt durchführen, die Interpretation bedarf einer gewissen Erfahrung. Auch fehlen im Falle eines positiven Ergebnisses eine entsprechende Beratung und der Bestätigungstest.
Info
Ein HIV-Test darf nur mit der schriftlichen Einwilligung des Patienten erfolgen. In den ersten drei Monaten nach einer Infektion kann man eine Ansteckung nicht mit Sicherheit bestätigen. In dieser Zeit ist die Gefahr, dass ein bereits mit HIV-Infizierter ohne Wissen um seine Krankheit weitere Personen ansteckt, besonders hoch.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 14.04.2015
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: N. Suttorp, M. Mielke, W. Kiehl, B. Stück (Hrsg.): Infektionskrankheiten verstehen, erkennen, behandeln, Thieme-Verlag 2004
  • NH. Brockmeyer et al.: HIV-Infekt, Epidemiologie, Prävention, Pathogenese, Diagnostik, Therapie, Psychsoziologie. Springer Verlag 2000
  • Priv.-Doz. Dr. J. Rockstroh und Prof. Dr. U. Spengler (Hrsg.): Opportunistische Infektionen und Tumore im Verlauf der HIV-Infektion, Medizinische Universitätsklinik I der Universität Bonn, UNI-MED Science, 2., neu bearb. Auflage 2003
  • K. Arasteh, R. Weiß: Buch gegen die Panik - Leben mit der HIV-Infektion, Verlag Rosa Winkel 2002
  • Robert-Koch-Institut : Infektionskrankheiten A-Z
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