Ursachen der Herzneurose: Psyche und Persönlichkeit spielen eine entscheidende Rolle

Die Herzneurose ist eine eindeutig psychosomatische Erkrankung. Das bedeutet: Ihre Ursache liegt in der Psyche und in der Persönlichkeit begründet. Die sehr häufig männlichen Patienten, so meinen viele Psychologen, leiden unter einer Herzneurose, weil sie nicht richtig gelernt haben, mit ihren Ängsten umzugehen.

Emotionale Vernachlässigung in der Kindheit

Bei vielen Patienten fällt auf, dass sie ein liebloses Verhältnis zu ihren Eltern haben. Sie wurden als Kind eher emotional vernachlässigt und weder vom Vater noch von der Mutter spürbar geliebt. Wenn diese Kinder sich fürchten – wie es in den ersten Lebensjahren oft vorkommt – gibt es niemanden, der ihnen auf einfühlsame Weise ihre Angst zu nehmen versucht und ihnen zeigt, wie sie ihre Angst bewältigen können. So sind diese Kinder oft nicht in der Lage, Strategien zur inneren Angstbewältigung auszubilden.

Zu viel Fürsorge

Aber auch eine übertrieben fürsorgliche Mutter, die ihr Kind vor jeder Gefahr und angsteinflößenden Situation bewahrt, kann Ursache für eine Herzneurose sein. Auch in diesem Fall hat das Kind keine Gelegenheit, eigene Strategien zur Angstbewältigung zu entwickeln und anschließend auszuprobieren. Wegen dieser Hilflosigkeit gegenüber der eigenen Angst erstaunt es auch nicht, dass viele Menschen mit einer Herzneurose oft unsicher wirken und wenig Selbstvertrauen besitzen.

In der Herzneurose drücken sich unbewusste Ängste aus

Auslöser für eine Herzneurose sind oft Trennungssituationen, etwa der Tod eines geliebten Menschen. Bei vielen Herzneurotikern finden sich auch Angehörige oder Bezugspersonen mit einer Herzkrankheit oder Herzneurose. Andere waren bei einem Herzinfarkt anwesend oder haben vom Herztod eines Bekannten gehört. Ein solches Ereignis kann auf die eigene Person übertragen werden. Auch andere Ängste, etwa Verlustängste, können sich in der konkreten Angst vor dem Herztod Ausdruck verschaffen.

Hinzu kommt bei einer Herzneurose – wie bei anderen psychosomatischen Krankheiten – eine Neigung, innere Konflikte auf ein bestimmtes Organsystem zu übertragen. Mediziner bezeichnen diese Neigung auch als somatisches Entgegenkommen oder Somatisieren.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.09.2017
  • Autor/in: Dr. Beate Effertz, Ärztin für Allgemeinmedizin, Charité, Universitätsmedizin - Berlin; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité, Universitätsmedizin - Berlin;medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Handbuch der Inneren Medizin, G. Herold, Eigenverlag 2005
  • Lehrbuch der psychosomatischen Medizin, T. Uexküll, Urban
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