Behandlung einer Herzneurose: Psychotherapie am wirkungsvollsten

Patienten mit einer Herzneurose sind während einer Angstattacke fest überzeugt, einen Herztod sterben zu müssen. Sie sind deshalb häufige Besucher in der Rettungsstelle und beim Hausarzt. Oft veranlassen die Ärzte in solchen Situationen Untersuchungen oder verschreiben Medikamente, die eigentlich unnötig sind.

Manche Therapeuten sind auf die Herzneurose spezialisiert

Die erfolgversprechendste Therapie ist eine Psychotherapie. Sie verändert und erweitert den Blick auf sich selbst. Es gibt Psychotherapeuten, die viel Erfahrung mit Angststörungen haben, die sich in körperlichen Symptomen Ausdruck verschaffen, oder auf diese sogar spezialisiert sind.

Sport verbessert das Selbstvertrauen

Es ist sinnvoll, die psychoanalytische bzw. psychotherapeutische Therapie mit einer Verhaltenstherapie und einer Bewegungstherapie zu kombinieren. Gerade eine Bewegungstherapie ist ratsam: Es ist schließlich typisch für Herzneurotiker, dass sie sich aus Angst vor einer erneuten Attacke übermäßig schonen und körperliche Anstrengung sowie Sport vermeiden. Jede Art der Bewegung – vom Spazierengehen über Tennis bis zu Yoga fördert das Selbstvertrauen und das Körpergefühl. Besonders gut tut Herzneurotikern Sport in der Gruppe, da sie oft auch zu sozialem Rückzug neigen. Sport im Verein etwa oder gemeinsam mit Freunden fördert die soziale Einbindung und schafft Erlebnisse, die das Selbstgefühl verbessern.

Eine Verhaltenstherapie im Sinne einer Desensibilisierung, die mit Konfrontation arbeitet, führt bei dieser Neurose allerdings nicht zum Erfolg, da es sich nicht um eine Angststörung handelt, die auf eine vermeidbare Situation gerichtet ist wie die Hundephobie oder Klaustrophobie. Die Herzneurose muss grundlegender angegangen werden.

Nur die Psychotherapie packt das Problem an den Wurzeln

Es kann zu Beginn einer Psychotherapie hilfreich sein, schwere Angstattacken mit Hilfe von Psychopharmaka, Entspannungsübungen oder Biofeedback zu lindern. Nach aktuellem medizinischem Wissenstand haben diese Maßnahmen jedoch keine heilende Wirkung. Heilend wirken die therapeutischen Methoden und „Werkzeuge“, die gezielt die auslösende Erfahrung verarbeiten helfen. Dazu kann auch gehören, traumatische Erinnerungen zu visualisieren, um ihnen schließlich einen angemessenen Platz im Selbst- und Weltbild zu geben.

Auch eine Gestalttherapie bietet sich an, da sie den Körper in die Behandlung einbezieht. Dies ist für einen Herzneurotiker oft sehr förderlich, weil er das Vertrauen zu seinem Körper verloren oder nie aufgebaut hat.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.09.2017
  • Autor/in: Dr. Beate Effertz, Ärztin für Allgemeinmedizin, Charit, Universitätsmedizin - Berlin; Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charit, Universitätsmedizin - Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Handbuch der Inneren Medizin, G. Herold, Eigenverlag 2005
  • Lehrbuch der psychosomatischen Medizin, T. Uexküll, Urban
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